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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 4 · p. Seite 286

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Gott und Pharao
Date
1924-01-01
Page
Seite 286 (sequence 19)
Language
German
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286 Knecht ist zu "behandeln wie ein Ger, ,,den du lieben sollst, ihm Brot und Gewand (לחם ושמלה) zu geben“ (Dt 1018). So bittet Jakob, als er als גר in die Fremde zieht, um לחם לאכול ובגד ללבוש (Gen 2820). So hat Gott Israel als Armen in der Wüste wohlgetan: ich gab dir Manna zu essen und dein Gewand zerfiel nicht (Dt 83f.) vgl. Jes 58״ Ez 187,1G, Hiob 246, 3117 ff. Der גר ist in der Regel‘ein עבד, denn wer nicht grade zum Vergnügen, auf Besuch oder in Geschäften ins Ausland geht, tut es aus Not, um sein Leben zu fristen, und das. kann er nur als Arbeiter. Dem Fremdling gleichgestellt ist der auf die Gaben des Volkes angewiesene Priester, der u. a. erhalten soll: den Erstling deines Kornes, Mostes und Oeles und den Erstling der Schur deiner Schafe. Entsprechend besteht die Investitur Ahrons und seiner Söhne, der Priester, in Bekleidung mit Ge׳־ wandern und dem Essen von Brot und Fleisch des Initiationsopfers (Ez 2832).* Denn Einweihung besteht darin, daß in feierlicherer Form zum ersten Mal geschieht, was von da ab regelmäßig geschehen soll. ' & ׳ Die Mitgabe an den den Dienst verlassenden Knecht war reines Geschenk, denn der geleisteten Arbeit war der Herr durch den (Kaufpreis und) gewährten Unterhalt quitt und nach strengem Recht war er ihm nichts mehr schuldig. Auch konnte das Geschenk nicht wie eines inmitten der Dienstzeit gegebenes zur Aufmunterung dienen. Für den geizigen und kaltsinnigen Herren war es also eine Zumutung. Darum appelliert das Gesetz an den besseren Sinn: du gibst ihm nur vom" Segen deines Gottes. Gedenke, daß du Knecht im Lande Aegypten warst und der Ewige dein Gott dich gelöst hat, darum befehle ich dir diese Sache — eine Apostrophierung, womit immer zur Ueberwindung eines egoistischen Gefühls, der Rachsucht, des Geizes, des starren Rechtsstandpunktes aufgefordert wird. Und zum Schluß kommt das Gesetz noch einmal darauf zurück: v. 18 ״sei nicht kleinlich, wenn du ihn von d#־ freiläßt, denn er hat dir sechs Jahre lang doppelt soviel erarbeitet, als du einem Tagelöhner an Lohn hättest zahlen müssen“1. Die Normierung der Mitgabe in eine Abgabe von Tenne, Kelter und Schur ist offenbar die praktische Umsetzung einer älteren Form in die ländlichen Wirtschafts Verhältnisse Kanaans. Die ältere Form blickt aus dem 1 Dieser Vers wird immer falsch verstanden. Das Richtige hat allein Samuel b. Meir, der wie so oft den Nagel auf den Kopf trifft: Die übliche Erklärung: es falle dir nicht schwer, ihn nach sechs Jahren frei zu entlassen, da er dir mit sechs Jahren viel länger als der sonstige Mietling gedient hat, ist verkehrt. Denn warum sollte es ihm schwer fallen, ihn freizulasseii? Hat er ihn denn nicht von vornherein nur für einen Dienst von sechs Jahren angenommen und wußte nicht jeder, daß er im siebenten frei ausgeh'en müsse? Auch hätte es dann nicht משנה שכר שכיר, sondern משנה שכיר heißen müssen. Manche <s. Ibn Esra) erklären: Das Doppelte des שכיר sind sechs Jahre, weil der שכיר normal drei Jahre diente, nach Jes 1614 כשלש שנים כשני שכיר. Aber auch das ist nicht richtig*. Dehn an einer anderen Stelle (Jes 2116) heißt es בעוד שנה כשני שכיר. Die Erklärung von כשני שכיר (Jes 1614) ist: genau drei Jahre wie das Jahr eines שכיר, das genau ein volles Jahr ist. :— לא יקשה ־=־ בעיניך in Hinsicht dessen, was du jhm gibst, wenn du ihn freiläißt. Der Ausdruck ist wie v. 15 ולא ירע לבבך בתתך לו und 285ß תרע עינה וג׳ zu verstehen. Demnach bedeutet es: sei bei der Entlassung nicht hartherzig und geizig.

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