Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 18)
- Language
- German
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285 Stellen wir das Wort נצל noch zurück, da die Hauptfrage noch nicht beantwortet ist: w a s so 11 e n die goldenen und silbernen Geräte? Es ist erstaunlich, mit welcher Ober- Tlächlichkeit die Kritik über diesen Kardinalpunkt hin weggleitet: ,,um sich zum Opferfest würdig zu schmücken/' Und zwar scheint diese Ausrüstung so unerläßlich zu sein, daß die Israeliten ohne sie partout nicht abreisen können. Aber diese Notwendigkeit eines Opferfest-Schmuckes ist rein aus der Luft gegriffen. Nirgends .findet sich davon eine Spur. Das Fest ist ein Erscheinen vor Gott. Um vor ihm würdig zu erscheinen, wird verlangt, daß man sich reinige und heilige, aber niemals, daß man sich schmücke. Eher wird verlangt, daß man den Schmuck abtue (z. B. Gen 352). Auch das Gewand, das man antut, soll nicht neu und besonders kostbar, sondern rein sein. Keine bessere* Religion denkt anders. Vor wem sich uie Leute zum Feste schmücken, das sind die Andern. Dieser Zweck würde aber grade in unserem Falle verfehlt, wo niemand unerwartet mit seinem Schmuck vor die bewundernden und neidischen Blicke des Nächsten tritt, und die Verteilung eben erst und öffentlich erfolgt ist. Höchstens konnte jeder damit prahlen, was e r von seinem Nachbar bekommen hat. Und hiermit kommen wir in der Tat auf den Sinn der Sache. So wenig die Belehnung mit den Wertsachen mit dem Fest in Verbindung gebracht wird, um so nachdrücklicher geschieht es an allen drei Stellen mit dem Auszüge. So in der Verheißung am Dornbusch: Pharao wird euch entlassen, ihr werdet ganz sicher ausziehen und dann nicht mit leeren Händen. Ebenso 11! fl: noch eine Plage, dann wird er euch entlassen, also der Augenblick für die goldenen und silbernen Geräte ist gekommen. Und 1234ff. in Einem Atem mit dem Zeichen des eiligen Abzuges, dem ungesäuerten Teig, den sie auf die Schulter nehmen. Die Mitnahme ist ein so wesentliches Merkmal, daß sie und nur sie bereits Jahrhunderte, bevor Israel nach Aegypten kam, zugleich mit der zukünftigen Knechtschaft mit angekündigt wird: Gen 15lg und alsdann werden sie ausziehen mit großer Habe. Was bedeutete es, daß Israel Aegypten verließ? Daß es das Haus der Knechtschaft verließ. Also sorgt Gott dafür, daß sie nicht bloß entlassen, sondern so entlassen werden, wie e s nach israelitischen Anschauungen und Ge־־ wohnheiten einem Kne ch t e nach langjährigem Dienste zu kommt. Daher schreibt ein israelitisches Gesetz Dt 1012 fl vor: ,,wenn sich dir dein Bruder, Hebräer oder Hebräerin verkauft, so diene er dir sechs Jahre und im siebenten Jahre sollst du ihn frei von dir entlassen (תשלחנו). Und wenn du ihn von dir entläßt, sollst du ihn nicht leer , (ריקם) von dir entlassen, ein Angebinde sollst du ihm machen (הענק תצניק לו) von deinen Schafen und von deiner Tenne und von deiner Kelter, womit der Ewige dein Gott dich gesegnet,, davon sollst du ihm geben". Unter מצאנך ist nicht lebendes Vieh zu verstehen, sondern Wolle von den Schafen. Demnach besteht die Mitgabe in dem zum Leben Notwendigsten : Kleidung und Nahrung (מגרנך Speise, מיקבך Trank). Mit andern Worten: der entlassene