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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 4 · p. Seite 284

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Gott und Pharao
Date
1924-01-01
Page
Seite 284 (sequence 17)
Language
German
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.284 ' bar ersetzt“1 *. Es war also alles Täuschung, was Wir bisher angenommen hatten: daß die Israeliten in Aegypten in Knechtschaft und Elend lebten, so daß ihnen unter dem Druck fast der Atem ausging, daß sie geschlagen und ihre Kinder gemordet wurden. Vielmehr waren sie eigentlich die Herren in Aegypten, sie haben Knechte, Klienten, Beisassen. Auf der andern Seite aber müssen diese großen Herren ihre eigenen Klienten anborgen. Und bei alledem ist nicht nur die Ausführung 1235f. an ungeschicktester Stelle nach dem Tode des Erstgeborenen inmitten des Auszuges angebracht, sondern (p. 40) ״w e n n m a n auch die Bereicherung durch die A eg ypt'er nicht missen möchte, so hat sie jetzt ihre Motivierung verloren und wird sachlich absurd“. Also eigentlich müßte die Geschichte gestrichen werden, zum wenigsten verstehen wir sie nicht. Aber nein, sie muß stehen bleiben, es wäre schade, wenn sie fehlte und die modernen Apione um ihr Glanzstück kämen. Kann es eine tendenziösere Leichtfertigkeit geben? Zunächst geht ein gut Teil Kraßheit dadurch verloren, daß ״eine genaue Exegese״״ (Dillmaim 3130) hat zugeben* müssen, daß שאל nicht entlehnen und השאיל nicht darleihen heißt. Es heißt vielmehr immer erfragen, bitten, fordern. Das einzige Mal, wo es leihen zu bedeuten scheint (worüber bei der Erklärung des Gesetzes Ex 2213 zu reden sein würde) ist es mit מעם, nicht wie hier mit ,ft und מאת konstruiert. Daß aber das Hiphil השאיל weihen d. h. in religiöser Absicht und Stimmung schenken bedeutet, beweist die einzige Stelle, wo es noch vorkommt, mit vollkommener Gewißheit: is 1ä8 ונם אנכי השאילתיהו ליי׳ כל הימים אשר וזית הוא שאול ליי', so habe ich ihn denn Gott geweiht schon seit er lebt, er ist Gott geweiht (Kautzsch: so habe auch ich ihn Gott geliehen!! so lange er lebt, sei er Gott g e 1 i eh en!! Und wann soll ihn Gott wiedergeben?) Die Ehrlichkeit, deren Sache ja die Kritik zu führen hier so beflissen ist, hätte verlangt, diesen Tatbestand rund und klar anzuerkennen. Statt dessen sucht man sich durch sophistische Rede- Wendungen daran vorbeizudrücken. Holzinger:וישאלום sie, die Aegypter, ließen s i e, die Israeliten, b i 11 e n sc. nicht vergeblich. Sachlich kann man nur an ein Entlehnen denken. Baentsch zu 322 שאל ״ soll(!) hier offenbar (!) ״leihen״״ bedeuten und nicht: zum Geschenk erbitten, was es an sich wohl heißen könnte (! als wenn das Verhältnis nicht grade umgekehrt ,würe). Aber wenn ־ auch letztere Bedeutung hier gemeint wäre, so hätten die Apologeten, die Mose und den Israeliten nicht gern eine Niederträchtigkeit Zutrauen, keinen Grund, erleichtert aufzuatmen, denn die hier befohlene Handlungsweise wäre wegen des zum Schluß ausdrücklich angegebenen Motivs vom sittliehen Standpunkte aus unter allen Umständen verwerflich: die Israeliten erbaten sich ja die Sachen nicht aus dringender Not, sondern in der ausgesprochenen Absicht, die Aegypter auszubeuten (נצל).“ 1 Mit einem Male ist dies Wort ״nichtssagend“, obgleich es außer' ordentlich viel sagt: es ist nämlich der schlagendste Beweis, daß ״der Nächste“ im A. T. nicht bloß der Volksgenosse sein kann.

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