Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 7)
- Language
- German
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274 der Mahnrede (תוכחה) in offenbar literarisch ausgebildeten Formen. Was in ihnen angedroht wird, sind die Heimsuchungen, die ein Volk erfahrungsgemäß erleiden kann: das Versagen des Erdbodens' durch Ausbleiben des Regens, Mißwachs, und Mißernte — Heberhandnehmen der reißenden Tiere, Dezimierung des Viehstandes, Unsicherheit der Straßen — Krieg im Lande, Belagerung, Hungersnot der Eingeschlossenen bis zum Aeußersten — Verfall des öffentlichen Lebens und Kultus — Fortführung in die Gefangenschaft und erbärmliches Dasein der Zurückbleibenden in der Heimat wie der Deportierten in der Fremde. Eine Vergleichung ergibt, daß Dt jünger und von Lev abhängig ist1. Auch in dem Gebet Salomos 1 K 8 sind in ähnlicher Weise als die häufigen Nöte eines Volkes aufgezählt: Krieg, Regenlosigkeit, Hunger, Seuchen, Kornbrand, Heuschrecken (Plagen und Krankheiten). Besonders ist Ez 1421 zu beachten, wo die bösen Strafgerichte Gottes auf die feste Zahl vier gebracht erscheinen (ארבעת שפט'* הרעים) nämlich: Schwert, Hungersnot, wilde Tiere, Seuche. Schwert und wilde Tiere׳ sind die gewaltsamen, Hunger und Krankheit die schleichenden Todesarten. In der Tat sind alle Heimsuchungen nur 1 II K 624 ff. erzählt von einer Hungersnot in Samaria zurZeit Jorams und des Propheten Elisa infolge des Kriegss mit den Aramäern־ Die Geschichte setzt die ודכחדי in Lev (und Dt) voraus. Denn warum zerreißt der König seine Kleider, als er die Geschichte von dem Kinde hört, das von der eigenen Mutter verzehrt worden ist? Weil damit der Fluch in Lev 26%$ in Erfüllung gegangen ist. Denn dieses grausige Thema wird einerseits in beiden Reden behandelt und zwar in Lev nur kurz berührt, aber in Dt breit ausgeführt, andererseits ist gerade in. Lev die Gedankenfolge: Hungersnot infolge von Belagerung durch den Feind — die Not der Frauen (ואכלתם בשר בניבם — (ואפו עשר נשים. Auch der Feind wird in Dt (v. 50) lebendig geschildert, in Lev kaum angedeutet. Umgekehrt steht es mit den durch den Feind angerichteten Verwüstungen, ־ ■wovon Lev 2630 והשמדתי את במותיכם ודברתי• חמ;יכ־ם deutlich das Gepräge des nördlichen Reiches zu tragen scheint. Ein traditioneller Zug in diesen grausigen Gemälden und ihren Höhepunkt bildend war also: Mütter werden ihre eigenen Kinder verzehren. So wiederholt es sich bei der ersten (Kl 410) und bei der zweiten (Josephus) Belagerung Jerusalems. Dajß aber der Erzähler nach bereits vorhandenen literarischen Motiven gearbeitet hat, beweist der Umstand, daß er ein zweites Motiv, benutzt und damit verbunden hat: die zwei streitenden Mütter, die um ihre Kinder vor einem König Klageführen. Das sind die beiden Mütter vor Salomo. Daß sie in II K sekundär sind, dürfte einleuchten. A muß ,ein törichtes Weib gewesen sein, daß sie sich von B beschwatzen ließ, gerade mit ihrem Kinde anzufangen. Wenn nun Joram dem Elisa nach diesem Erlebnis ans Leben will, so geschah es vielleicht, weil der Prophet mit Lev 26 gedroht hatte. Daß das Verzehren der eigenen Kinder als Höhepunkt der Not aber ein bereits vorisraelitisches tralatizisches Motiv ist, beweist der Mythos von Ea und Atrahasis (Greßmann, Texte und Bilder I, 12) . als י das sechste Jahr herbeikam, bereiten sie die (Tochter) zum Mahle, zur Zehrung (?) bereiten sie das Kind. — Die Drohreden in Lev, Dt sind aber noch älter als Arnos. Neben manchen anderen Spuren der Benutzung sei besonders auf 46 ff. verwiesen: auf eine Stadt werde ich regnen lassen und auf eine andere nicht, ein Acker wird beregnet werden und der Acker ohne Regen wird verdorren ..... und es werden zwei, drei Städte zu einer Stadt irren,. um Wasser zu trinken und n i cht satt we r d e n. Wer sieht nicht, daß,Amos hier Lev 26x0 (vgl. Dt 28^ f.) und 2g nachahmt und (nicht besonders .glücklich) überbieten will. Man trinkt nicht Wasser, um satt zu werden.