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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 247

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Notizen aus Dernschwams Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel (1533/55)
Date
1924-01-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 Schwestersohn sein1. (S. 116.) Wie sein Name sei, wird von den Juden, die täglich um ihn sind, verschieden angegeben, damit man solchen Schelm nicht (alsbald) erkenne. Er soll Zuan Mykas 2 oder Sixs3 geheißen haben, sein Vater ein Doktor namens Samuel gewesen sein4.‘1 ,,Gedachter Schelm ist im Jahre 1554 nach Konstantinopel gekommen, mit über 20 wohlgekleideten spanischen Dienern, die ihm nachgingen wie einem Pürsten. Er selbst ging in Seidenkleidern, mit Zobel unterfüttert.־ Ihm voran zu seinem Schutze nach türkischem Brauch 2 Janitscharen mit ihren Stöcken. Er hat sich im April 1554 beschneiden lassen. Hierauf hat sie5 ihm ihre Tochter zur Frau gegeben und vor der Hochzeit und auch, hernach etliche Monate lang Gastereien und Lustbarkeiten veranstaltet, dazu auch den französischen Botschafter6 um Bartholomäi7 von Konstantinopel nach Galatahinüberkommen lassen. Und die beiden haben, wie mir die Juden berichten, die täglich um sie gewesen, große Zeremonien miteinander getrieben. Hat sich eben gleich zu gleich gesellt, wie andere Buben und Verräter der Christenheit zu tun pflegen.“ . . ־ ״Es ist eine großgewachsene Person mit einem schwarzen gestutztem, Bart. Die Diener, die mit ihm und den Frauen gekommen sind, haben sich auch alle beschneiden lassen und'sind Juden geworden. Vielleicht sind sie anderswo mit Ruten gestrichen, Diebe und Marranen gewesen . . . . Solche Schelme, werden mit der Zeit wieder unter Christen kommen und Büberei anrichten.“' ״Gemeldete Sehora und ihr Eidam führen eine solche Pracht, daß es für einen Fürsten genügte. Sie haben täglich an 80 Personen zu speisen. Sie müssen irgendwo Leute angeführt8 haben und es muß mit ihnen nicht recht: zugehen. Er hat vorgegeben, daß er vieles zurückgelassen hätte, ״auch daß, ihm auf dem Meere nachgejagt9 worden wäre. Und wie ihre Lebensführung, in der Türkei ist, dürften sie ihr Vermögen in kurzem kleiner machen. Er. hat:, den Paschas viel geschenkt und etliche tausend Dukaten unter die armen Juden oder an ihr Spital ausgeteilt. Gedachter Portugiese muß sich an des Kaisers.. Hof wie andere Spanier mit Rennen und Stechen aufgehalten haben. Denn er hat allerlei solche Rüstung mit sich hierher gebracht von Kürassen, Hauben, Gewehren, Spießen, langen und kurzen, auch Hellebarden, Büchsen, kurz, und lang, und noch in Galata seine Diener stechen und zum Ring rennen lassen und derartige Mummerei getrieben.“ S. 117 ,,Als Mustapha10, des Sultans Sobn, Sultan zu werden plante, soll er willens gewesen sein, alle Juden in der ganzen Türkei umzubringen.• Das hat man sieb in Konstantinopel und in Amasia erzählt. Darum ist es ihm ähnlich ergangen, wie Haman mit Mar doch ai-, denn Gott will die Juden also noch bis ans; Ende der Welt zum Zeugnis bestehen lassen. Und es ist wohl . 1 Nicht ihr Schwestersohn, sondern der Sohn eines jüngeren Bruders von Francisco und Diego Mendez. י־' 2 Zuan venezianisch׳ für Juan, und statt Mykas richtiger Miguez (Miquez), nach seinem Uebertritt zum Judentum Don Joseph Nasi. 3 Sixs ist wohl Abkürzung für Sixtus. Daß er als Christ Sixtus geheißen habe, ist nicht anderweitig bezeugt. 4 Samuel Mendez Nasi hieß später auch ein Neffe der Donna Gracia, der sich noch bei ihren Lebzeiten in Konstantinopel mit ihrer Nichte Donna Gracia Mendez II. verlobte. 5 Gemeint ist Donna Gracia. ® Im Jahre 1554 kam Condignac als französischer Botschafter nach Konstantinopel (Ar!m. 279). Zwischen Don Joseph Nasi und dem frz. Bot״ schafter fand damals .eine Aussöhnung statt. Denn vier Jahre vorher hatte der König von Frankreich zusammen mit dem Senat, von Venedig das Vermögen der Familie Mendez-Nasi beschlagnahmt und Donna Gracia festnehmen lassen. ■ * . . ־ 7 Bartholomäi ist der 24. (bei den Griechen der 25.) August. 8 Im Text ״angeseezt“. 9 Im Text ,,noch geilt“ ־=־ nachgeeilt. 0ב Mustapha, der älteste Sohn Sulejmans II. wurde im Oktober 1553 auf Anstiften seines Vaters, der in ihm einen gefährlichen Nebenbuhler fürchtete, aus dem Wege geräumt, siehe Seite 55.

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