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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 248

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Notizen aus Dernschwams Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel (1533/55)
Date
1924-01-01
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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.248 י י: ' ■•־.;־: ׳ zum Verwundern, daß sie in solcher Unterdrückung ihre־ Kinder lernen lassen, die hebräische Sprache samt; ihrer Moses-Lehre zu erhalten.“ ,־,Die Juden lassen keinen unter ihnen betteln gehen. Sie haben Sammler1, die von Haus zu Haus herumgehen und für die Armen sammeln in einen gemeinsamen Kasten2. Davon halten sie die Haiisarmen aus, wie auch ihr Spital.“ S: 121 Drei deutsche Gefangene, die ihren türkischen Herren entlaufen waren, wollten sich bei einem jüdischen Schlosser verborgen halten, um die Anfertigung von Handrohren zu lernen. S. 137 Die Frau des Sultan Sulejman (II.), eine gefangene Russin, hat zum Danke für ihre Freilassung eine Moschee nebst einem Bad dazu in der Judenstadt bauen lassen. ,,Und wie man sagt, soll kein Sultan seinem Weibe so viel nachgegeben haben als dieser Sulejman. Sie tut, was sie will, und soll ein dickes, unflätiges, bäuerisches Weib sein.“ S. 138 ״Im Sarai3 ist kein solches Ein- und Ausgehen, wie es irgendwo anders .sein mag, weder von Männern noch von Frauen. Nur eine alte, gebrechliche, dicke, kurze Jüdin reitet täglich auf einem Esel aus und ein.“ S. 250 Die Juden in Saloniki fabrizieren gewöhnliches ,,le der farbiges“ Tuch, woraus die bulgarischen Mädchen ihre Kleider machen. S. 253 In Sophia wohnen an 100 Juden und über 1000 Christen. Dernschwam ist auf die Juden schlecht zu sprechen, er hat ihnen gegenüber ein Gefühl starker Abneigung und nicht geringer Verachtung. Dies hindert ihn jedoch nicht, ihre guten Speisen zu schätzen und zu lieben und mit einer Ausführlichkeit, die einer wichtigeren Sache wert wäre, zu berichten, wie die Juden ״die großen lebern von den geniesten gensen pflegen zv pratten“. Das im Druck zehn Zeilen lange Rezept, an dem eine jüdische Hausfrau kaum etwas auszusetzen haben wird, lautet (S. 117): ״thu die lebern auf ein bogen papir, wie er also zwifach gesturczt ist, thu darzv ein wenig gens schmalcz, des faisten, so hinden an schnoczen4 ist, vnd legs auff ein rost, secz vber klain kholn vnd warm aschen, kers ain mal ader zway umb, das nur erstart, darfftz sy nicht salczen; darnach thv frisch gens schmalcz in ein pfannen, soviel dich bedungt, vnd leg die lebern dorein, los dorin pregeln auff bayden seytten vnd pregels nicht zv dürre.' Man stegt auch zimet rinden vnd negele dorein, waiis im safft ist, so gibs trucken auf. Ist eine gutte speise.“ Als Probe der Sprache und Schreibweise Dernschwams sei dieses Rezept einer jüdischen Speise den obigen Exzerpten über Juden zum Schlüsse noch hinzugefügt. Besprechungen Fritz Baer: Untersuchungen über Quellen und Komposition des Schebet . Jehuda (Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Historische Sektion, Bd. II). Berlin 1923. G. A. Schwetschke & Sohn. 8°. VIII und 85 S. Die Glaubwürdigkeit des Buches Schebet Jehuda von Salomo b. Verga (im Folgenden mit V. bezeichnet), das in der jüdischen Geschichtsliteratur eine vornehme Stelle einnimmt, ist bisher auch von kritischen Forschern stark überschätzt worden. Kayserling in seinen Schriften zur spanisch-jüdischen Geschichte vertritt diesem Buche gegenüber den Standpunkt absoluter Gläubigkeit. Graetz in seiner Geschichte des Judentums legt zwar an einzelne Berichte die kritische Sonde an, läßt aber manche andere ungeprüft und darum unverdient als geschichtlich gelten. Loeb in seinem vortrefflichen Aufsatze Le folk-lore juif dans la chronique du Schebet Jehuda in REJ XXIV,‘;1 ff. hat zuerst mit kritischem Scharfblick die Erzählungen dieses Buches geprüft und neben manchem Historischen viel Folldoristisches, eine große Anzahl typisch wiederkehrender Figuren und Motive darin gefunden. Erst in dem uns vorliegendem Buche hat Baer mit vollem Gelingen es unternommen, auf dem Wege einer exakten Quellenanalyse Echtes und Erfundenes 1 Sammler hebr. גבאים. . 2 Gemeint ist die Armenkasse,?קופד? של;צדקד. 3 Gewöhnlich minder richtig ״Serail“ genannt. •4 schnoczen bedeutet Fettwulst. ׳

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