Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Notizen aus Dernschwams Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel (1533/55)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
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246 wie, kein Weib ■von■ Adel draußen1 es vermag, in Seidenkleidern von Atlas* Damast, Sammet, Goldstickerei am Untere und Oberrock. Und die keine goldene Kette am Halse tragen, müssen gar arm sein. Sie tragen auch goldene Arm״ ketten. Je nach der Nation, zu der eine jede gehört, geht sie gekleidet auf ihre Manier, auf griechisch, welsch, portugiesisch, spanisch, deutsch* ungarisch, böhmisch, polnisch, türkisch. Da redet ihnen niemand was darein, wenn sie nur dem Sultan ihren Zins geben.“ S. 115. ,,Wann die Türken ihr Bairam halten, das sie drei Tage feiern, gehen die Juden nicht aus. Die Türken halten sie sonst an und fordern ihnen mit Gewalt ,,Bairam“ ab, wovon sie sich mit 1 oder 2 Asper loskaufen müssen.“־ ״ .Wann ein gefangener Knecht oder Weibsbild bei den Juden sieben Jahre ausgedient hat, pflegen sie diese freizulassen, sie können darnach um Geld arbeiten, wo sie wollen.“ ״Anno 1553 ist ein altes, portugiesisches Weib2 mit Tochter3 und Ge״ sinde von Venedig nach Konstantinopel gekommen. Wer ihr Mann gewesen und wie er geheißen, wird von den Juden verschieden angegeben, einige sagen, daß er Diego• Mendes4 geheißen und sein. Bruder Francisco von Antwerpen5► Sie soll nach ihres Mannes Tode aus, Portugal mit großem Vermögen über Venedig entronnen sein, woselbst sie noch eine Schwester haben soll, die auch hierher hätte kommen wollen, aber irgendwie daran verhindert worden sei6.. Die Juden prangen sehr mit ihr, heißen sie eine Senora. go hält sie sich auch gar prächtig und verschwenderisch, hat• viel Gesinde, auch Mädchen, darunter > 2 Niederländerinnen. Sie soll zuvor eine Marranin gewesen und hier wieder Jüdin geworden sein, wohnt aber nicht zu Konstantinopel unter den Juden, sondern zu Gal ata in einem Lusthaus mit Garten, wofür sie täglich einen Dukaten; Mietzins zahlen , soll. Die Venezianer, sollen sie festgehalten und nicht haben fortlassen wollen.. Darauf habe, sie mit des Sultans. Doktor7 unterhandelt, der einen Sohn gehabt und gehofft'hätte, die Senora werde diesem ihre Tochter geben. Der Sultan , habe sich der Sehorä angenommen und man mußte sie von Venedig wegziehen lassen. Ihr Mann soll ein Marrane gewesen sein und vor seinem Tode: sie gebeten haben, seine Gebeine aus dem Lande der Christen nach Jerusalem zu schicken und allda begraben zu lassen. Das sei im Jahre 1554 geschehen, und .die üeberführung mit großen Geschenken für die dortigen Juden verbunden gewesen. Sie ist ein ,,geschwindes“8 Weib, wie einmal die Barbara von Ciili9 gewesen, führt ein großes Geschäft über See nach Venedig und Italien mit Wolle, Pfeffer, Getreide.“ : ,Jhre Tochter hat sie einem Portugiesen oder Spanier versprochen, der an Ihro Kais. Majestät Hofe, gewesen ist und den einige, die hier in der Ge.- fangenschaft leben, dort mit Augen gesehen und gekannt haben. Er soll ihr 1 In christlichen Ländern. : 2 Donna Gracia Mendez (Mendesia), geh. ca. 1510, gest. 1569. 3 Reyna . 4 Nicht Diego,-sondern sein Bruder Francisco Mendez war der Gatte■ der Donna Gracia. 5 Im Text Francisco de Anversa. 6 Die Schwester, deren Namen wir nicht kennen, folgte ihr später nach Konstantinopel. 1 Moses Hamon. 8 ״Geschwind“ bedeutet ungestüm, gefährlich,-jähzornig, hart,: schlag״ fertig, arglistig, s. Grimm DWB. Daß Dernschwam das Wort ״geschwind‘* hier nicht im guten Sinne von klug, begabt, geschickt, rasch entschlossen, tatkräftig hat brauchen wollen, geht aus dem-Vergleiche mit Barbara von Gilli hervor. 0 Im gedruckten Text steht zwar Barbara von Köln. Ohne Zweifel aber ist die berühmte und berüchtigte Barbara Celejensis gemeint, die Tochter des Grafen Hermann von Ciili (slöv. Celje), die seit 1401 mit dem nachmaligen König Sigismund von Ungarn vermählt*' 1406 Königin von Ungarn, 1420 Königin von Böhmen, 1433 deutsche Kaiserin wurde. Schlosser VII2, 302; nennt sie ״Sigismunds Xanthippe und Messalma“. Ob Dernschwam z. St. sich verschrieben, öder der Herausgeber sich verlesen hat, läßt sich nur an der Hand der Urschrift entscheiden/ ' '