Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Notizen aus Dernschwams Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel (1533/55)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
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245 Mietzins für den Laden. Unter den Türken giebt es keine Tuchscherer, es gilt ־ auch ($. 113) dieses Handwerk nichts bei ihnen, weil sie kein Tuch scheren lassen. Die welschen Tuche kommen alle geschoren nach der Türkei. Unter ׳den Juden sind 2 Tuchscherer und unter den Griechen sind ihrer auch. So haben die Juden zu Konstantinopel auch eine Druckerei und drucken viel :seltsame Bücher, Sie haben Goldschmiede, Steinschneider, Tuchmacher, Wundärzte, Barbierer, Spiegler, Färber, Tuchmacher1, Seidenwirker, Goldspuler, Scheider, Probierer, Ciseleure2. Auch hantieren die Juden mit allerlei Waren ... Unter allen Nationen findet man trefflich viele Juden, geschickter und geschwinder als die Türken.“ ,,Ihre Doctores Medicinae in der Heilkunde und der Chirurgie können nicht gelehrt sein, da viele von ihnen weder Griechisch hoch Lateinisch können auch nicht Philosophen sind, die, von denen ich gehört habe, nichts weiter als Hebräisch und Arabisch verstehen . - . und was sie an Rezepten von Ihren Eltern und welschen Apothekern in Italien überkommen haben. Andere gelehrtere Doctores giebt es in der Türkei nicht. Doch ist einer zu den Botschaftern oft gegangen mit Namen.3, ein Lateiner und Philosoph und guter Italiener, der etlichen schnell geholfen hat. Der Sultan hat auch keinen anderen Arzt als einen Juden gehabt4 5, der zu Hof und um ihn wohlverdient gewesen. Hat ihm in der Judengasse ein großes steinernes Haus von 3 oder 4 Stockwerken bauen lassen. Er ist gestorben, während wir in Konstantinopel waren6 7. Sein Sohn6 soll auch ein Medicus sein und ist jetzt an des Vaters Stelle . Die Juden haben auch etliche Apotheker und zwar, wie es in der Türkei Brauch ist, in schmutzigen Bottegen, nicht wie in der Christenheit in Gewölben und schönen Häusern.“ ,,Weinschänken haben nur die Griechen, die Juden und die Armenier in der ganzen Türkei.“ S. 114 ,,Jeder Jude, der heiraten will, muß sich zuvor bei dem S.ubascha??(d. i. das Amt), anmelden, dieser giebt ihm eine schriftliche Urkunde, wofür *er 80 Asper bezahlen muß, die dem Sultan gehören. Darnach mag er Hochzeit־ haben, wann er will . . . Die jüdischen Weiber tragen sich sehr prächtig, 1 Da ,,Tuchmacher“ in der Aufzählung der verschiedenen Handwerker zweimal vorkommt, ist das zweite Mal dafür wohl ״Tuchscherer“ zu lesen״ 2 Im Text zovlirer, in der Anm. z. St. mit ״Caelirer“ vom lat. cadare, ziselieren erklärt. 3 Der •Name fehlt im Text. Ohne Zweifel ist hier der rühmlichst bekannte Arzt Salomo Aschkenasi gemeint, der ein Mann von Geist und Wissen (un momo di spirito, so in einem zeitgenössischen Gesandtschaftsbericht, zitiert hei Graetz IX3 S. 567 und homme de lettres, daselbst S. 565) war und mit mehreren Botschaftern in Konstantinopel in regem Verkehr gestanden hat. Oraetz a. a. O. S. 566 hält diesen Salomo Aschkenasi für identisch mit dem In Resp. 30 des Moses Isserles vom Jahre 1559 erwähnten praktischen Arzt?שלה ה לועז. Mir scheint jedoch diese Identifizierung stark zweifelhaft. Das Wort לרעו kann zwar einen Italiener bedeuten, aber auch ebensowohl, woran Graetz offenbar gar nicht denkt, einen Spanier. Und der aus Nord- Italien stammende, wahrscheinlich sogar des Deutschen mächtige Salomo, der immer und überall Aschkenasi oder Tedescho (siehe Graetz a. a. O. S. 568) hieß, dürfte schwerlich mit Weglassung des Namens Aschkenasi von Isserles nur als Italiener (לועז) bezeichnet worden sein. Wohl aber gab es in der Mitte des XVI. Jahrh. in Krakau einen spanisch sprechenden Arzt Saiomon (Galahorra), auf den die Bezeichnung שלמה לועז durchaus paßt und ich möchte Jechiel Zunz recht geben, der in seiner Geschichte des, Krakauer Rabbinats?עיר הצד, Additam. S. 68 ff. diese Identifizierung gegen Graetz verficht. Auch *Salomo Aschkenasi war längere Zeit als Leibarzt des Königs Sigismund August, von Polen in Krakau gewesen (siehe Graetz a. a. O. S. 565). Aber im Jahre 1554 finden wir ihn, wie aus Dernschwams Bericht hervorgeht, bereits in Konstantinopel als Arzt bei den verschiedenen Gesandtschaften tätig. 4 Joseph Hamon. 5 lm Jahre. 1553. 6 Moses Hamon. 7 Subaschi, Stadtvogt, Poiizeihäuptmann (Anm. z. St.).