Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 16)
- Language
- German
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י־■-' 240 klärung in der Jugend Wurzel gefaßt; es kam nun zum Kampfe zwischen Eltern und Kindern, statt aber den Kampf konsequent zu Ende zu führen, verzichteten manche infolge ihrer Charakterschwäche auf diesen, und an seiner Stelle zogen sie den leichteren Weg, den der Taufe vor. Die Gründe, die die meisten Neophyten zum Austritt aus dem Judentum veranlaßten, zeigen deutlich, daß es nur faule und willenlose Elemente gewesen/die dem Strome erlegen sind, im Gegensätze zu jenem Teile der polnischen Judenheit, der trotz der bedrohten Lage den Kampf für ihre Ueberzeugungen vorgezogen hatten, um ihr heiligstes Gut, die jüdische Religion und das Volkstum, weiter- “hin unversehrt zu erhalten. Von einer schädlichen Nachwirkung der Taufbewegung auf die polnische Judenheit können wir nicht sprechen; denn quantitativ, wie auch qualitativ, waren die Täuflinge allzuschwach, um das Judentum zu gefährden. Momentan hatten zwar die wirkenden Kräfte der Taufbewegung der Judenheit einen scheinbar gefährlichen Stoß versetzt, nachdem sich aber der Sturm gelegt hatte, ging die Judenheit gestärkt aus dem Kampfe hervor. Die Taufbewegung konnte nicht dem Judentums und der Judenheit jene Gefahr bringen, wie es vielleicht die Geistlichkeit gewünscht hatte, wed vom Judentum nur der Abschaum der damaligen jüdischen Gesellschaft abgefallen war. Elemente, die weder sozial noch intellektuell irgendwelchen Wert repräsentierten, bildeten den eigentlichen Grundstock der Taufbewegung. Hatte doch selbst die Christenheit bald die schlechten Seiten der Taufbewegung eingesehen und in der publizistischen Literatur einen heißen Kampf gegen die Frankisten und die übrigen Neophyten aufgenommen. Man sah ein, daß die Täuflinge trotz ihrer Taufe keine,wahren Christen, sondern Heuchler seien, die nur zwecks Erlangung einer besseren materiellen Lage ihr Judentum verlassen haben. Es begann ein heißer Kampf seitens der religiösen Polen gegen die Neophyten. Die eigentliche Veranlassung dazu ist in folgendem Umstande zu suchen. Als Jakob Frank im Jahre 1773 Polen verlassen hatte, schickten ihm seine Anhänger riesige Geldsummen nach Brünn und Offenbach, seinem späteren Aufenthaltsorte. Dies erregte bei den Polen Verdacht, daß die Neophyten keineswegs um die Hebung der ökonomischen Lage des Landes besorgt seien, da sie dem damaligen nationalökonomischen Grundsätze zuwider, sehr viel Geld vom . Lande weg ins Ausland schickten und Somit gegen die Interessen des Landes zu wirken begonnen hatten. Außerdem erkannten sie, daß sich auch die übrigen; Täuflinge, die keine Frankisten waren, dem Christentume nicht aus Ueberzeugung, sondern aus rein persönlichen Gründen angeschlossen und somit in moralischer Hinsicht auf die polnische Gesellschaft schädlich zu wirken begonnen haben. Man begann' sie nun zu bekämpfen. In den achtziger Jahren des XVIII. Jahrhunderts erschien eine Broschüre unter dem Titel;,Dwor Franka y sekreta Neofitow“ (Der Hof;des J. Frank , und die Geheimnisse der Neophyten); die die