Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 17)
- Language
- German
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241 Schwindeleien und Heucheleien der Frankisten *bespricht, dagegen den übrigen Neophyten weniger Aufmerksamkeit schenkte. Viel genauer in # dieser Hinsicht ist die anonyme Broschüre unter dem Titel: 0״ Zydach y Neofitach“ (über Juden und Neophyten). Der 'Verfasser dieser Broschüre, der ein Geistlicher zu sein scheint, tritt aufs heftigste gegen die Neophyten auf. Nach ihm sind die Tauflinge keine Christen, sondern Heuchler, weil sie das Christentum nur angenommen haben, um sich in die christliche Gesellschaft hineinzuschmuggeln und sie besser betrügen zu können. Die Neophyten haben, und da meinte er die Frankisten, die Polen ausgenützt, um Geldsummen anzuhäufen und dieselben ihrem ,,Patriarchen'‘ (Frank) zu schicken; ja viele begnügten sich damit nicht und verließen selbst das Land, nachdem sie hier ein großes Vermögen angesammelt hatten1, vor welchen Folgen der Kastellan Jezierski die Landtage öfters gewarnt hatte2. Ein anderer wiederum führt Klage darüber, daß in Warschau viele Neophyten unter dem Deckmantel des Katholizismus unbehindert mit Branntwein handeln3. Im Jahre 1790 suchte ein Frankist in einer besonderen Schrift4 5 seine Genossen in Schutz zu nehmen. Doch trotz dieser Verteidigung erschien kurz darauf eine neue Schmähschrift6. Wir sehen also, daß in der polnischen Gesellschaft eine Opposition gegen die Judentaufen zu entstehen begann; denn man fand diesen Weg als einen unrichtigen, um die Judenfrage zum Nutzen des polnischen Staates zu lösen. Die Bestrebungen eines Zaluski, Kobielski, Turczynowicz und der Jesuiten schlugen fehl. Das Judentum litt darunter gar nicht, im Gegenteil, es ging aus diesem Kampfe unversehrt hervor und innerlich gestärkt betrat die polnische Judenheit das XIX. Jahrhundert. Notizen aus Dernschwams Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel (1553/55). Von N. P 0 r g e s in Würzburg®. Ein sehr interessantes, inhaltreiches Buch ist das von F. Bebinger äußerst sorgfältig herausgegebene und mit vortrefflichen wort- und sacherklärenden Anmerkungen versehene Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel und Kleinasien (1553/55) von Hans Dernschwam (München und Leipzig bei Duncker und Humblot erschienen). Die Veröffentlichung, die nach der im Fugger- Archiv aufbewahrten Urschrift erfolgt ist, bildet das siebente Heft der von Strieder herausgegebenen Studien zur Fugger-Geschichte. Hans Dernschwam, 1 Die zitierte Broschüre p. 5 Anm. b und p. 16. 2 1. c. p. 5. 3 List przyjaciela Polaka do obywatelaWarszawskiego. S. Kraushaar 1. c. Od. II, S. 135—149. 4 B. d. T. Odpowiedz Zazdrosnemu cudzego dobra i szukaj^cemu slawy dla siebie z pokrzywdzenia honoru blizniego przez wydane 0 Neofitach i Dworze Franka pisma. 5 Zwierciadto polskie dla publicznos&ci. Selbst zurZeit des Ko&ciuszko- Aufstandes war die Volkstimmung gegen die Neophyten gerichtet, da man in ihnen heimliche Spione der Russen zu sehen glaubte. . 6 Während des Druckes dieser Nummer ist der hochverdiente greise Verfasser. dem Judentum und der Wissenschaft entrissen worden. Ehreseinem Andenken 3 . Die Schriftleitung.