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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 235

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
Date
1924-01-01
Page
Seite 235 (sequence 11)
Language
German
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235 orden1, dessen einzige Aufgabe es war (und es noch heute ist), jüdische' Frauen und Mädchen für die Kirche zu gewinnen. Anfangs beschränkte dieser Orden seine Tätigkeit nur auf Litauen, doch all״‘ mählich verbreitete er sich auch in den übrigen Kronländern, nach-' dem er schon 'eine halbwegs ersprießliche Tätigkeit aufzuweisen hatte. In der Tat ist es den Maryavitinnen gelungen, eine ziemlieh große Anzahl jüdischer Mädchen zu bekehren. Die Gründe, die dieselben zur Annahme des Christentums veranlaßten, werden, wir später erörtern. So hatte Turczynowicz, dank seiner langjährigen Bekehrungstätigkeit gewisse, wenn auch nicht sehr bedeutende, so doch immer größere Erfolge, als die des Zaluski und Kobielski, zu verzeichnen. Hatten die Letztgenannten der Kirche nur wenige Judenseelen zugeführt, so konnte Turczynowicz nachweisen, daß er im Laufe seiner ersten Tätigkeitsjahre (1737—1764) über 100 Juden bekehrt hatte, abgesehenvon den Jüdinnen, die bei den Maryacostinnen getauft worden sind. Turczynowicz und seine Anhänger begnügten sich bei weitem nicht mit diesen Erfolgen. Das schien ihnen erst, der Anfang ihrer großen Tätigkeit zu sein. Man mußte aber etwas tun, um die Juden zur Taufe heranzulocken. Dazu gab es ein Mittel. Wurde der Jude von der polnischen Gesellschaft ge-, haßt und als ein minderwertiges Wesen betrachtet, so sollte nun, die Kirche beweisen, daß durch die Taufe eben die Schranken der sozialen Ungleichheit aufgehoben und die Juden in sozialer Hinsicht י den höheren polnischen Volksschichten (Beamten und Adel) gleichgestellt werden. Aus diesem Grunde allein scheint Turczynowicz• mit seinem Anhang, der zumeist aus bedeutenden littauischen Adeligen bestand, Schritte eingeleitet zu haben, um den König': Stanislaus Poniatowski zu veranlassen, einer größeren Anzahl seiner Täuflinge den Adelsstand zu verleihen (nobilitieren). Auf diese. Weise glaubte er seine Bekehrurigstätigkeit zu erleichtern und die Juden, in der .Hoffnung, durch die Taufe höhere soziale Stellungen•• zu erlangen, eher für die Kirche zu gewinnen. Tatsächlich erwirkte: der litauische Adel, und dies tat er höchstwahrscheinlich .־unter dem Drucke und Einflüsse des Turczynowicz, im Jahre 1764 beim König ein Dekret, demzufolge die ,,distinguierteren“ unter den, zu dieser Zeit getauften Juden in den Adelsstand ernoben wurden2. Nach der Liste, die uns vorliegt3, sind es 50 Juden, die in den Jahren 1764 und 1765 nobilitiert worden sind. Alle sind litauische Juden' mit Ausnahme einiger, —: wie Theodor Dessau, der aus Deutschland stammt — die Zugehörige anderer Länder sind. Die Nobilitierten erhielten zumeist hohe Aemter (wie Karl Zawojski, der in der Krön- 1 Dieser Orden unterhielt Klöster in Wiln'o, Msdislaw, Minsk, Kowno;• Slonim, . Pfock, Orsza, Kroze, . Holowczyn, Witebsk, Grodno, WolkowyskV Mpzysz, Pinsk,. Gholopienicze und Bobrujsk, in denen arme . Mädchen und neubekehrte Jüdinnen unentgeltlich erhalten und erzogen wurden. ( Jözef Lukasiewicz: Historya szköl w korönie i wielkiem ks. litewskiem do r. 1794- Posen 1850. Bd. II. S. 436.) 2 Volumina legum,. Bd. VII, p. 185. « < .1 3 Jeske: Chöihski hat die Liste der Nobilitierten, wie auch die der übrigem Täuflinge nach den Kirchenmatrikeln in seinem Werke abgedruokt.' : i 16*

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