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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 234

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
Date
1924-01-01
Page
Seite 234 (sequence 10)
Language
German
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234 führten gejrn'e mit einzelnen Juden Dispute und suchten sie für das Christentum zu gewinnen1. Die eifrigsten Missionsverfechter waren die Jesuiten, besonders ihr Pater Laurentius Owloczyüski. Die Juden mußten sehr oft während ihrer religiösen Zeremonien von der Bevölkerung sehr viel Unheil erleiden.. Speziell waren es Studenten, die die Juden auf die Straßen zerrten und schlugen2. So wurden die Juden von Skockow im Jahre 1761, als sie durch die Straßen eine Thorarolle in die Synagoge trugen, vom Besitzer der Stadt Nikolaus Radolinski3 mit harten Kerker- und Geldstrafen' belegt, außerdem mußte die . ganze Judenschaft einen ganzen Tag bloßköpfig am Ringplatz stehen. Die fortwährenden Straßenaufläufe und Schlägereien von Juden dauerten bis ins Ende des XVIII. Jahrhunderts hinein. Eine viel ersprießlichere Tätigkeit auf dem Gebiete der Judenbekehrung entfaltete ein in Litauen wirkender Kirchenpriester. In den 40er Jahren des XVIII. Jahrhunderts kam zu einem Geist-, liehen in Dzi§ciol (ein Dorf in Litauen) ein Fischer zur Beichte. Er erzählte dem Geistlichen, er gehe in drei Tagen auf Fischfang und werde von Angstgefühlen beherrscht, daß er ertrinken müsse. Daraufhin wollte ihm der Geistliche keine Absolution erteilen, um zu beweisen, daß Ahnungen die Menschen nur täuschen können. Nach einiger Zeit ertrank auch der Fischer tatsächlich. Den Geistlichen kränkte dies so sehr, daß er gelobte, von nun an für das Christentum Andersgläubige zu gewinnen, um auf diese Weise wenigstens seine leichtsinnige Tat zu sühnen. Er wollte nach Afrika gehen und dort für die Mission wirken. Doch bald sah er ein, daß er auch in seiner Heimat ein Arbeitsfeld finden könne, wenn er nur die Juden bekehren wollte4. Dieser Geistliche hieß Turczynowicz und wirkte bis zum Jahre 1776. In der Tat begann er in“ Litauen eine groß^ zügige Missiönstätigkeit zu entfalten. Er begnügte sich nicht mit׳ dem Predigen und Belehren allein, sondern verkehrte nur mit Juden, besuchte die ärmeren Volksschichten, verteilte unter ihnen Geldspenden, Brot* Kleider etc. Seine Hauptaufmerksamkeit schenkte ,er den Kindern, diese unterrichtete er und erzog sie zu Christen* Da ihm aber schwer fiel, Männer zu gewinnen, begann er seine Agi•* tation unter den Frauen zu betreiben, die, seiner Ansicht nach, für das Christentum viel leichter zu gewinnen waren. Er hatte schon früher eine Gesellschaft zur Bekehrung von Juden begründet, doch mußte er dieselbe auflösen, weil er keine und wenn schon ja, dann nur sehr wenige Juden gewonnen hatte. Als Turczynowicz aber eingesehen hatte, daß die Frauen eher zur Annahme des Christentums geneigt seien, beschloß er,. eine Frauenmissionsgesellschaft zu gründen. Im Jahre 1737 begründete er den Maryavitifmen- 1 J. U. Niemcewicz: Pami^tniki czasöw moich. Paris 1&48. S. 7, 27. 2 Kitowicz: Opis obyczajöw i Zwyczajöw za pariowania Augusta III. Tarnöw 1381. S- 30. ... 3 VVL Smoldnski: Przewröt umysiowy w; Polsce w. XVIII. S. 372. 4 Diese Episode ״teilt uns der bekannte polnische Antisemit' Jeske- Chöihski in seinem'Neofici polscy p. 19—20 mit. ‘

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