Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 12)
- Language
- German
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־, 236 armee Oberstleutnant wurde, oder der eben genannte Dessau, der im Jahre 1768 ein hohes Amt erlangte) und bildeten den Grundstock des späteren polnischen Adels im XIX. Jahrhundert, der in der polnischen Gesellschaft eine führende Rolle spielte, sobeispielsweise die Dobrowolski, Dziokowski, Jelenski, Szymanski u. v. a. Aber auch diesmal mußte Turczynowicz Enttäuschungen erleben, denn das Erheben der Juden in den Adelsstand lockte noch bei weitem die Juden zur Taufe nicht. Zwar gelang es ihm, gegen 500 Juden ihrem. Glauben und Volke abtrünnig zu machen, aber von einer Massentaufe, die er durch das königliche Dekret zu erlangen hoffte, konnte keinesfalls die Rede sein.J Während Turczynowicz mit dem Maryavitinnenorden in Litauen und in den übrigen Provinzen eine breite Tätigkeit zu entfalten suchte, hatte in Polen eine jüdische Bewegung selbst den Anstoß zu einer starken Taufbewegung gegeben — die Frankisten. Zwar lag es anfänglich dem Stifter Jakob Frank vielleicht fern, die Juden zur Taufe zu führen, aber infolge der allzu komplizierten Umstände ist er allmählich zu diesem Schritte gezwungen worden. (Frank wollte nur eine messianistische Bewegung begründen, wurde aber allmählich in das christliche Lager gebracht. Der Religionsdisput in Lemberg im Jahre 1759, die Massentaufe seiner Anhänger daselbst und in Warschau tragen einen ausgesprochenen demonstrativen Charakter und scheinen nur durch den Ausfluß seines persönlichen Hasses gegen die Talmudisten, das Stigma der Rache angenommen zu haben. Es wiederholte sich abermals die Geschichte der sabbatianischen Bewegung. Ebenso wie Sabbatai Zewi, mehr durch äußere Umstände veranlaßt, sich in den Schoß des Islams warf, tat es auch Frank, der aber nur durch den zufälligen Aufenthalt in Polen, den Katholizismus angenommen hatte. Durch diesen Schritt spielte Frank seine Rolle aus und hinterließ nichts mehr, als nur eine große Anzahl von Anhängern, die sich, nur ihren eigenen Interessen zuliebe und ohne jedwedes ideelle Ziel zu verfolgen, getauft haben1. . ־ Nachdem wir nun die Kräfte, die die Taufbewegung förderten kennen gelernt haben, wollen wir noch die Taufbewegung in ihrer quantitativen Art besprechen, wie auch auf die Gründe, die die Juden der Kirche zuführten, näher eingehen. Was die Anzahl der Taufen anbetrifft, haben wir ziemlich genaue statistische Belege für die Taufbewegung in jenen Ortschaften Polens, in denen die oben erwähnten Faktoren am stärksten gewirkt haben. HÜ Die Verzeichnisse der Täuflinge sind in den Kirchenmatrikeln eingetragen und bieten uns, trotz so mancher Mängel, ein halbwegs klares Bild über die quantitative Seite der Taufbewegung. Nach diesen Verzeichnissen sind es gegen 2000 Seelen gewesen, die zum Christentum übergetreten sind. 1 Ueber Frank und Frankisten haben wir einige wertvolle Studien wie Kraüshar: Frank i Frankiäci (ins Hebr. von Sokolow übersetzt). r Grätz und Balaban’s Studien über Frank.