Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
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_ 233 .richten sollte1. Der Bischof stellte zwei Fragen, diesen fügte der Auditor noch drei Fragen hinzu. Während die zwei Fragen des Bischofs von der Trinität Gottes handeln, haben die Fragen des Auditors die schon dagewesene. Ankunft des Messias zum Gegenstände. . In seiner ersten Frage vertritt der Bischof den Standpunkt, daß Gott, .obwohl er einzig ist, doch drei bedeute, ebenso wie eine Kerze, die in sich zugleich Talg, Docht und Flamme enthalte, aber, immer nur eine und dieselbe Kerze ist. Diese Hypothese genügte ihm bei weitem nicht, er will auch diese Trinität mit einem Zitate aus der Bibel beweisen. Im Kapitel 110 der Psalmen heißt es “״נאום ד' לאדוני שב לימיני (in lateinischer Uebersetzung: Dixit Dominus Domino meo, sede a Dextris meis); nach diesem Satze schließt nun der Bischof, daß nur ein Gleicher zum Gleichen gesprochen habe, Gott habe somit zum Sohne gesprochen. In den Fragen, die der Auditor stellte, wird Jesus Messianität behandelt und auf Grund der heiligen Schrift bewiesen. Wie wir sehen, waren solche Themen nicht einmal Gegenstand religiöser Dispute und sollten in Polen, einige Jahre später, wiederum vor dem großen Forum der Oeffentlichkeit, diesmal aber von Juden an Juden gestellt und beantwortet werden. Kobielskis Fragen waren ziemlich kompliziert und nun mußten die Gelehrten der frommen Judengemeinde in Brody eine genügende Antwort geben. Sie suchten Kobielskis Hypothese von der Trinität Gottes mit dem aristotelischen Grundsätze: ,,Deus caret distinctione propter excepit perfectionis, sin secus non esset perfectus“ zu widerlegen. Was aber die zweite Frage anbetrifft, so wiesen sie nach, daß die lateinische Uebersetzung des zitierten Bibelverses falsch und mithin tendenziös sei. Eine ebenso gründliche Widerlegung finden wir auch in ihren Antworten auf die Fragen des Auditors, die schon dagewesene Ankunft Messias betreffend. . Die Antworten der Brodyer Judengemeinde hatten ihre Aufgäbe erfüllt, und Kobielskis Bestrebungen, die Juden auf diesem Wege zur Taufe zu zwingen, scheiterten gänzlich, Kobielski blieb nun nichts anderes übrig, als seine ,,segensreiche“ Tätigkeit aufzugeben. Auch Mönche veranstalteten um diese Zeit unaufhörlich Predigten in den jüdischen Synagogen, denen sich Dispute anschlossen2 mit dem einen Zweck, die Juden für das Christentum zu gewinnen. Yerschiedene Mönchsorden errichteten in vielen Städten Missionshäuser. So mußte die Judenschaft von Brzesö jede Woche, mit dem Kahal an der Spitze, einmal wöchentlich in der Synagoge, das andere Mal wieder vor dem Missionsgebäude, welches der Starost für die Mönche bauen ließ, die Predigten der Dominikaner anhören. Ja selbst Adelige 1 Genaueres darüber unser Aufsatz: Epizod z historyi 2ydöw brodzkich in der ,,Moriah“ (polnisch) Jg. 1912. 2 Wiadomosci Warszawskie Beilage vom 9. Feber 1763. Monatsschrift, 68. Jahrgang. 16