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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 228

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
Date
1924-01-01
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 und 1759 viele des Blutgenusses beschuldigten Juden hingerichtet1,, ohne daß die von ihnen angeblich verübten Mordtaten bewiesen worden wären. Am 26. April 1753 verschwand in einem Dorfe der Kijower Wojewodschaft ein dreijähriger Knabe namens Stefan. Als man nach einigen Tagen seinen durch Nadelstiche verletzten Körper aufgefunden hatte, wurden sogleich drei jüdische Schankwirte verhaftet, obwohl nachweisbar das Kind krank gewesen und anParoxysmus־ gestorben war. Als die Gutsbesitzer deren Verhaftung verhindertenr. besuchte sie der Bischof Soltyk persönlich und bat sie, der Ver״ haftung keine Hindernisse in den Weg zu legen. In der Tat wurden außer den obenerwähnten^ Sehänkem 31 Männer und 2 Frauen ver״ haftet und in Ketten nach Zytomir geführt. Nach langen Inquisitionstorturen wurden von ihnen 7 Personen zum Tode verurteilt, von denen 6 gevierteilt und. 1 zerschnitten werden sollten. Einem von diesen gelang es, zu entfliehen, einer ließ sich taufen, ansonsten, wurde das Todesurteil zur Gänze ausgeführt. Nächsten Tag ließen sich von den übrigen Verhafteten 13 taufen. Die Taufe vollzog der Bischof Soltyk2. Ebenso grausam war auch das Urteil desselben Bischofs Soltyk,, der in einem unter seiner Leitung im Jahre 1759 stattgefundenen Ritualmordprozesse 11 Juden hinrichten ließ3, ohne über ein hinreichen״ des Tatsachenmaterial zu verfügen. Wie wir sehen, waren es für die Juden schreckliche Zeiten, die in vielen Hinsichten denen des frühen Mittelalters gleichkommen. Die Juden fühlten nun, daß ihre weitere Existenz in Polen vielfach bedroht sei; sie mußten gegen diese Blut״- beschuldigungen tatkräftig auftreten. Sie wählten den Weg nach. Rom; da wollten sie dem Papste ein diesbezügliches Gesuch über״ reichen. Zu diesem Zwecke schickte der Warschauer Judenreichstag (Waad) im Jahre 1758 nach Rom einen Vertreter in der Person ,,des♦ ausgezeichneten Gelehrten und Dajan4“ Jakob Selek5, der den da״ maligen Papst Benedikt XIV., um Schutz für die seitens der pol״ nischen Geistlichkeit so hart unterdrückten Juden erbitten sollte. Durch den Rabbiner Eiiah ben Raffael Salomo Levi aus Alessan״ dria (Italien), der den Alberto Guidobono Cavalchini in Tortona veranlaßt hatte, am 14. September 1758 einen Brief an seinen Onkel . den Kardinal Cavalchini ״zu Gunsten des Magister Jakob Selek aus Polen, welcher sich in Angelegenheit seiner Gemeinde in Rom 1 F. J. Jekel 1. c. 2. Teil S. 35. 2 K. Rudnicki: Biskup Kajetan Soltyk 1715—1738) Krakau 1906• S. 15—16, 175—177. 3 Pamietniki St. Augusta Poniatowskiego, Dresden 1870, S. 95. 4 Dieses Epitheton wird ihm in einem Briefe des Rabb. Elia Ben Rafael Salomo Levi beigelegt. Der betreffende Brief ist auszugsweise in Berliners• Ausgabe des Ganganellischen Gutachtens S. 43 abgedruckt. 5 Die Quellen geben seinen Namen verschieden an. Im Briefe des Kardinals Corsini vom 9. Feber 1760 und in den ,,Documenta Judaeos in Polonia concernentia, Warschau 1763 wird er ,,Jakobus Jelek“, dagegen in Ganganellis. Gutachten und im Briefe des Rabbiners Elia Ben Rafal Salamon Levi Selek( ch) (Selig) genannt. Berliner (Gutachten Ganganellis S. 42) und nach ihm Brann. (Fußnote in Grätz’ Geschichte der Juden, Bd. X, S. 400) meinen, daß sein eigentlicher Namen Eljakim ben Ascher Selig (daher Selek) lautet. Aus einer

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