Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 227

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
Date
1924-01-01
Page
Seite 227 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829921-2829925-2832227--45830-2832298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

227 ■kratie halfen dabei mit. Ein Mittel sollte dazu dienen, die Juden in möglichst schlechtem Lichte darzustellen, um sie auf diesem Wege;zur Taufe zu zwingen. In dieser Hinsicht feiert hier das frühe Mittel- 'alter seine Wiedergeburt. Man scheut sich nicht, die Juden abermals 4es Blutgenusses zu beschuldigen. In Wort und Schrift verbreitet man fortwährend Blut- und Brunnenmärchen. Die diesbezügliche Literatur ist ziemlich groß, wenn auch ohne jedweden Wissenschaftliehen Wert, so ist doch ihr Einfluß auf die damalige polnische Ge- '־Seilschaft keineswegs zu verkennen. Es genügen nur die .zwei Mach- ־werke des Zaluski und Zuchowski, die den Blutgenuß der Juden ־auf Grund historischer Tatsachen zu beweisen suchen, zu erwähnen. Ihnen folgt eine ganze Reihe ähnlicher Schriften, die das Volk aufzuhetzeii und zu Judenmetzeleien anzueifern zum Ziele ־ haben. Doch damit begnügt man sich bei weitem nicht. Man will auch im praktischen Leben die auf gestellten Hypothesen realisieren, und dazu *sollte nur ein Mittel dienen und zwar: die Juden des wirklichen ' Blutgenusses zu beschuldigen und die Beschuldigten zur Verant- Wortung zu ziehen. Es folgt das Zeitalter der Ritualmordprozesse. Fast das ganze Jahrhundert hindurch hören wir von Beschuldigungen 4er Juden, daß sie in der oder jener Ortschaft Christenkinder ermordet hätten, um das Blut für Peßach benützen zu können. So sollen die Juden im Jahre 17031 11, 17052, 17103, 17134 17365, 17436, 17457, 17478, 17539, 175910, 17611L, 176312, 177913, 178714 Christenkinder ermordet haben. Tatsächlich werden auch im Jahre 1753 1 Ritualmordprozeß in Pölanica. 2 Zaslaw. 3 Mostki, Biala, Sendomir. 4 Bydgoszcz. 5 Im Jahre 1 36ל wurde die jüdische Gemeinde in Posen beschuldigt, den Christenknaben Mathias Kasimir Jablonowicz, dessen Leichnam im Dorfe Gorczvn gefunden worden war, getötet zu haben. Die Vertreter der Gemeinde, wie der Darschan Arjeh Lob ben Joseph und der Schladlan (שתדלן) Jakob ben Pincus und noch viele andere, wurden vom Gericht gefangen genommen. Die Gemeinde schickte nach Warschau zum König einen Gesandten in der Person des Wolf Rofe, doch ohne Erfolg. Als Bedingung der Befreiung der Gemeindemitglieder wurde die Taufe gestellt, sie lehnten es aber ab und der Darschan Arjeh Löb ben Jakob erlitt am 18. Kislev 1736 den Märtyrertod. Später aber erfuhr man, daß nicht die Juden den Christenknaben ermordet haben und ganz unschuldig gewesen sind. Siehe darüber in Perles: Geschichte der Juden in Posen in Frankls Monatsschrift für Gesch. u- WTiss. d. Jud. Jg. 1865 p. 122 u. 167—170. 6 In diesem Jahre wurde in Zaslaw ein Jude in einem Ritualprozesse unschuldig zum Tode verurteilt. Zunz: Synagogale Poesie Cap. V (Zwei neuere Jahrhunderte) p. 354. 7 Zytomir und Posen. 8 Michnowo. 9 Markowa u Wola bei Zytomir. 10 F. J. Jekel: Pohlens Staatsveränderungen und letzte Verfassung. Wien 1803. II, p. 35. In diesem Jahre sollten auch, *wie uns Ganganolli mit- ־teilt (Sein Gutachten, hgb. v. Berliner, p. 1) in Zaslaw, Szappatusk (wahrscheinlich Szapatowka), Ostra, Paulitz und Jampol Ritualmorde verübt worden sein. 11 Ritualmordprozeß in Wojslawice bei Lublin. 12 Wl. Smoienski: Sprawa Zydow w XVIII wieku p. 29, 30, 31. 13 In Chrzanöw. 14 In Olkusz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.