Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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210 seine Voraussagungen miteins teilen. Dt 3116: Gott sprach zu Mose: siehe, du legst dich jetzt zu deinen Vätern und es wird dieses Volk aufstehen und den Göttern der Fremde nachbuhlen und mich verlassen und meinen Bund brechen. Dieses Volk =•- wie ich es kenne, was dann der Schluß der Rede ausführt, v, 21: ,,denn ich kenne seine־ Natur (כי ידעתי את יצרו) nach dem, wie das Volk es bis jetzt getrieben“ und die, wie immer variierende, Wiederholung Moses v. 27: ,,Denn ich kenne deine Widerspenstigkeit und deinen harten Nacken. Wäret ihr doch widex־spe11stig gegen Gott, da ich noch lebend bei euch bin, wie viel mehr werdet ihr es nach meinem ,Tode sein!“ Gewiß ist der Mensch zum Gitten fähig, sonst würde sich Gott nicht mit ihm befassen, ihm Gebote geben und Gehorsam fordern, aber selbst auf die Wirkung gewaltiger Offenbarungen Gottes in .Geschehnissen und mächtiger zum Guten mitfortreißender Personlichkeiten ist nicht fest zu bauen Nur zu bald tritt die sinnliche Natur des Menschen wieder in Geltung: er ißt, wird satt, bläht sich selbstzufrieden auf und vergißt Gott und seine heiligen Stunden und Lehrer. Hiermit rechnet die Drohung und Ermahnung. Es muß nicht so sein. Gott würde sich freuen, wenn es anders käme (Dt 526!). Aber die empirische Natur macht den Abfall wahrscheinlich und fast gewiß und zwingt zu Vorsicht und Resignation, besonders wenn von einem ganzen Volke geredet wird, In einem solchen wird es immer Schlechte und Schwache geben und hat der Taumel erst einmal die. Menge ergriffen, dann sind die Besseren machtlos und müssen schweigen oder sich fügen. So kann Gott auch von Pharao schon von Anfang an (319) sagen: ich weiß aber (ואני ידעתי), daß er euch nicht entlassen wird. Insoweit ist etwas Wahres an der Erklärung des Maimonides, daß solche Rede auf dem bisherigen Verhalten Pharaos fußt. Gott kennt Pharao, da er gegen ihn vorgeht, wie er Mose kannte (ידעתיך), da er ihn erwählte. Dauernd Gottes Plan hemmen und vereiteln kann aber der Mensch auch trotz seines freien Willens nicht. Denn ungeachtet seiner eingebildeten Stärke hat er immer einen schwachen Punkt, ־an dem er zu treffen ist (Pharao seinen Erstgeborenen) und sollte er auch darnach wieder zum Bösen umkehren, dann wird er selbst zum Opfer. Wie Gott des Menschen Sinn bestimmt, so der Mensch Gottes. Auch Gott sieht, hört und bedenkt (ידע) und als seine Organe dafür werden gleichfalls Auge, Ohr und Herz bezeichnet. Es sind Frevel und Not, die ihn bewegen und seinen Sinn ändern, oder genauer: ihn bestimmen, seine bisherige Unbewegtheit aufzugeben, die Not 11m zu helfen, die Frevel um zu strafen. So wird der Schlimme und Böse zum Segen, indem er Gottes Gnade und Gerechtigkeit offenhart. So ist Gen 66 ויתעצב אל לבו und 821 ויאמר אל לבו zu verstehen und in Ex 225 וישמע, וירא, וידע erkennen wir אונים, עינים ־und לב wieder. Gebete des Menschen, daß Gott ihm den Sinn ändern, ihn erleuchten, belehren und bessern möge, bedeuten zunächst, daß Gott Dinge, geschehen lassen und ihm in den Weg führen mqge, die seiner ^Empfänglichkeit 2um Guten nachhelfen können. Bleiben sie aus,