Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 8)
- Language
- German
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209 Hiernach ist Dt 230 zu erklären: Sihon wollte uns nicht hindurchziehen lassen (לא אבה לשלחם ־= לא אבה העבירני Ex 1027), denn Gott, dein Herr, hatte seinen Mut stark gemacht und sein Herz gefestigt, um ihn in deine Hand zu geben d. h. Gott ließ Israel schwach erscheinen, sodaß er sich stark genug dünkte, Krieg anzufangen. Der Anschein der Schwäche entstand durch die mehrfachen Friedensangebote Israels an andere Nachbarn, die es auf Gottes Geheiß erlassen hatte. Dieser Schein verführte Sihon, was dahin verkürzt wird: Gott verhärtete seinen Sinn. Diese Veranstaltung wird deswegen unmittelbar auf Gott zurückgeführt, weil sie im Dienste des von ihm gewollten Endzweckes stand: ״ihn in deine Hand zu geben“. Derselbe Gedankengang Jos U20, w70 die ganze Reihe der Zwecke ׳ in einen Satz gedrängt ist: es wrar von Gott geschehen, ihr Herz zu verhärten dem Kriege mit Israel entgegen, damit sie gebannt würden, auf daß ihnen keine Gnade würde, sondern damit sie ausgerottet würden, wie Gott dem Mose befohlen. — Hätten die Völker sich ohne Kampf unterworfen, dann hätte Israel sich gemäß seiner friedlichen Natur und heimlichen Hinneigung zu ihrem Götzendienst in eine Charakterlose Freundschaft mit ihnen eingelassen und wäre daran selbst zugrunde gegangen. Um dies zu verhindern, bedurfte es keiner besonderen Veranstaltung Gottes, sondern es genügte, daß Israel gering an Zahl war und die Heiden für den inkommensurablen Faktor Gott kein Verständnis hatten. Ri 312: die Israeliten fuhren fort zu tun, was böse in den Augen Gottes war, da machte Gott den Eglon stark über Israel, d. h. nicht, daß Eglon an sich stärker geworden wäre, sondern Gott verließ Israel, ,wodurch es schwächer als Eglon wurde. So müssen 72 der Leute unter Gideon weniger werden, damit Israel sich nicht gegen Gott rühme ידי הושיעה לי oder vgl. Dt 20! ff. und überhaupt die ganze Auffassung von Israels Kämpfen und Siegen. Die diesen Stellen zugrunde liegende Auffassung ist also: wms von Gott kommt, sind die Geschehnisse inxder Außenwelt, deren erste Ursache sein schöpferisches und weltbewegendes, Heil und Gericht planendes, Wesen ist. Wie sie aber auf den Menschen wirken} ist dessen freier Entschließung anheimgestellt. Er hat, was dazu nötig ist, sie gemäß Gottes Absichten auf sich wirken zu lassen: Auge, Ohr und Herz, d. h. die Organe und Fähigkeiten Gottes Absichten zu begreifen und sich ihnen gegen die. eigenen widerstrebenden Neigungen einzuordnen, um so an seinem Teil zu ihrer Verwirklichung mitzuhelfen. Aber er hat nicht minder auch die Freiheit, sich diesen Absichten Gottes zu versagen und sein Herz dem, was Gott ihn lehren will, zu verschließen oder wie es auch mit Verkürzung drastisch ausgedrückt, wird, trotz der Augen, die er hat, nicht zu sehen. Er bleibt, wie er vermeint, stark, aber sein Trotz ist nur Schwäche gegen sich selbst. Freilich, da es Gott gewesen ist, der ihm Auge, Ohr ־und Herz gegeben hat, so ist auch die Möglichkeit ihres Widerstrebens und ihre Schwäche das Werk Gottes. Das ist das יצר לב! האלם. Aber in dieser möglichen Schwäche liegt die sittliche Freiheit. Wäre der Mensch mit der Unmöglichkeit zu sündigen geschaffen, so wäre er nicht Mensch und frei. Diese Natur des Menschen und seine Neigung zum Bösen kennt Gott — hat er sie doch selber gebildet — und kann sie daher in