Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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207 ,bringen, oder er war zu stark, um meiner Einwirkung in der gewünschten Weise zu erliegen. Er war zu aktiv, um mein Passivum zu werden. So wird sein Verhalten auch meine Aktivität. Mit andern Worten: wenn A eine von mir aufgelegte Last tragen kann, so kann ich dies entweder so ausdriicken, daß ich sage: die Last war leicht genug, oder: A war stark genug. Indem er dies abkürzend aktiv wendet, kann der Hebräer ebensowohl sagen: ich habe die Last leicht gemacht alsi־c h h a b e A stark gemacht (indem ich sie unter seiner Kraft ließ). Die psychologisch vermittelte Einwirkung wird “als eine unmittelbar dynamische ausgedrückt.. Dies ist die sprachliehe Erklärung von: Gott verhärtete das Herz Pharao. Die Plagen, die Gott schickte, waren nicht dazu angetan, ihn zu .zwingen. Wenn die Sprache nicht imstande ist oder es für zu umstündlich hält, beide Faktoren, die zu einem menschlichen Entschluß Zusammentreffen, nämlich •die von Gott vermittelst der Sinnen- ־weit gewirkte Anregung und Aufforderung und die innermenschliche Wüllensbildung gleichzeitig zum Worte kommen zu lassen, so kann sie es notgedrungen nur Einem geben. Und zwar wird sie es leichter demjenigen geben, von dem die Initiative ausgeht, der sich sinnfälliger zur Geltung bringt, dessen Recht ihr besonders am Herzen liegt. Aber es ist ein Irrtum, daß sie den anderen Faktor nicht kenne oder leugne. Dem lebendigen von der Wirksamkeit Gottes tiefdurchdrungenen ja überwältigten religiösen Gefühl liegt der göttliche, dem modernen sich in die psychologische Motivierung vertiefenden der menschliche Anteil näher. Völlig beweisend ist folgende Stelle, die ganz in demselben Gedankenkreise liegt: Mose spricht Dt 29! ff. zu Israel: ihr habt ,,gesehen‘/,, was Gott ,,vor euren Augen“ im Lande Aegypten an Pharao und all seinen Dienern und seinem ganzen Lande getan, die großen Versuchungen, die ,,eure Augen gesehen“, jene großen .Zeichen und Wunder. Aber Gott gab euch nicht ein Herz zu erkennen (לב לדעת) und Augen zu sehen und Ohren zu hören bis auf diesen Tag. — Hier ist ganz klar, was Mose sagen will: was .Gott alles getan, hätte mehr als genügen müssen, um euch von seiner Allmacht und Fürsorge zu überzeugen und seinem Gebote willig •zu machen. Ihr habt es gesehen, es geschah vor euren leiblichen Augen. Aber, wie ihr beschaffen seid, war dies alles noch, nicht ausreichend. Selbst diese größten Wunder und Machterweise hätten womöglich noch größer sein müssen. Die ungenügende Reaktion des Herzens, der Augen, der Ohren wird nun in eine aktive Handlung Gottes umgesetzt: er hat sie zu schwach gemacht. Trotzdem ist keine Rede davon, daß sie in ihren doch von Gott gemachten zu schwachen Herzen, Augen und Ohren eine Entschuldigung hätten, vielmehr sind die Worte durchaus Vorwurf und Anklage unter Voraussetzung des freien Willens. Auch daran wird nicht gedacht, daß Gott sie nunmehr stärker schaffen oder umschaffen sollte, 1sondern es wird fortgefahren: nun denn, so hat Gott nachher euch ■־persönlich und auf die wunderbarste Weise diejenigen Wohltaten *erwiesen, die eure willige Anerkennung (ל0ען תדעו) hätten herbei- -fuhren müssen: כי אל י' אלדדבם, er hat euch vierzig Jahre in der Wüste geführt und wunderbar für Kleidung und Nahrung gesorgt,