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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 186

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Moritz Lazarus
Date
1924-01-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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Hegel wird der Philosoph der Geschichte, der ׳ die Geschichte als den Kosmos der Idee n, die Verwirklichung der Gedanken des Weltgeistes zu erfassen suchte. In dem Reich der Ideen sah er den ewigen Zusammenhang göttlichen Weltdenkens und dieses göttliche Weltdenken als die Substanz geistigen Werdens, die Gedanken der Gottheit als schöpferische Mächte der Welt. So verklärte er die Welt der. Geschichte zur Offenbarung des Reiches der Freiheit, vereinigte sich religiöser, sittlicher und künstlerischer Idealismus zu einem Geschichtsbilde, das alle dunklen Rätsel des Menschenlebens im Universalismus der Weltgeschichte zu lösen schien. Und auch als der Blick für die Wirklichkeit nüchterner und kälter wurde, ihr Unterschied von der Welt der Idee klarer erfaßt, Naturnotwendigkeit und Idee in ihrer Verschiedenheit erkannt wurden, hielten Humboldt und Ranke wohl nicht an der metaphysischen Ableitbarkeit der Ideen aus dem Denken der Gottheit, wohl aber an der Un'ableitbarkeit der Ideen aus dem Mechanismus des Naturgeschehens fest. Aus unergründlichen Tiefen, dem schöpferischen, unerkennbaren Walten der Gottheit dringen Ideen in das geschichtliche Leben, bemächtigen sich der schöpferischen Persönlichkeiten, die die Gestalter der ge- Schichthöhen Welt sind. Die Ideen sind die schöpferischen Kräfte, die den Epochen ihre Tendenzen und Triebkräfte mitteilen, auf denen ihre Individualität und innerer Zusammenhang beruht. Die Ideen nehmen die Kausalität in ihren .Dien s t und vereinigen sich zum unbegreiflichen Geheimnis des weltgeschichtliehen Zusammenhanges. _ Da nun erfolgte um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Begründimg der wissenschaftlichen Psychologie. Hatte Herb a r t bereits das Leben der Seele nicht mehr aus unerklärten Kräften des Denkens, Fühlens, Wollens, sondern als einen mechanischen Prozeß zwischen den Elementen des Bewußtseins zu erkennen gesucht, so wandten J o h an nes Müller, Weber, Fe ehner, He lmhol tz, Du - Bois Reymo n d , L o t z e die Methoden der Naturwissenschaft auf die Psychologie an. Die Schöpfer der physiologischen Psychologie suchten den Menschen als psycho-physischen Organismus in der Gesetzlichkeit seiner Funktionen zu begreifen. Und bereits drang die Psychologie von der naturwissenschaftlichen Erkenntnis der Sinnesorgane und der Gesetze der Sinnes-Empfindungen zur Erkenntnis der höheren psychischen Prozesse, der Gesetze der Raum wahrnehmung, des Vorstellungszusammenhanges, der Apperzeption vor. Und schon wurde der Ursprung der Sprac he von Steinthal als Schöpfung des psycho-physischen Organismus begriffen. An dieser Entwicklung der Psychologie nahm Lazarus den innigsten Anteil, wie er selbst in meisterhafter psychologischer Analyse komplexe seelische Phänomene, wie das Gefühl für Ehre und Ruhm, das Taktgefühl, den Humor (Leben der Seele) zur Erkenntnis brachte. Zeigten bereits diese Abhandlungen den dem sozialen Leben zugewandten Blick des Denkers, so war seine von den idealen Gehalten der Kultur tief ergriffene und gebildete

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