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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 2 · p. Seite 148

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Probleme der talmudischen Dialektik
Date
1924-01-01
Page
Seite 148 (sequence 23)
Language
German
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Neben ihm steht als sein jüngerer Zeitgenosse J i r m i j ä h , auch eine der großen Autoritäten des palästinischen Talmuds. Er hatte in seiner Jugend die hohen Schulen in Babel besucht und die scharfsinnigen Subtilitäten seiner Mitschüler noch übertrumpft, sodaß er ihnen lästig fiel. Als er dann einmal eine besonders chikanöse Frage gestellt hatte, ״warfen sie den Jirmijah aus dem Lehrhaus hinaus“ (B, b. 23b, Vgl. aber dazu Halevy, Doroth harischonim Ila, S. 356 ff., sowie Toss. z. St. s. v. לעל לא). Im heiligen Lande aber redet er von seinen babylonischen Lehrern und ihrer Methode in dem gleichen Tone, wie sein Meister und Landsmann Seira: ״Die Babylonier sind Narren. Weii sie in einem Lande der Finsternis wohnen, reden sie verfinsterte Ueberlieferungen“ (Pes. 34b u. ö.). Raschi gibt dazu die Erklärung, wenn die Babylonier keinen Grund für etwas wüßten, schwatzten sie und führten einen Grund an, der keiner sei. Das Wort hat in Babylon böses Blut gemacht, und die baby- Ionischen Lehrer haben sich darüber bitter beschwert. Halb spottisch, halb anklagend meinte Abaji, einer von den Palästinern sei soviel wert, wie zwei von den Babyloniern, Raba aber sagte, wenn einer von den Babyloniern nach Palästina komme, sei er mehr wie zwei von den dort Eingesessenen, denn als Jirmijah noch in Babel gewesen sei, habe er nicht verstanden, was die Rabbinen meinten, sowie er aber nach Erez Israel gekommen sei, habe er seine Landseute närrische Babylonier genannt. Gerade dieses Wort aber, das gewiß keine Schmeichelei für Babylon enthält, wird im babylonischen Talmud fünf Mal angeführt * Und dieses Faktum ist selbst wieder ein wichtiges Zeugnis für den Charakter der babylonischen Lehrer. Darauf macht Halevy (a. a. O. S. 363) aufmerksam. ״Wir müssen den großen Sinn unserer Lehrer, der Leuchten Israels, und ihre Liebe zum heiligen Lande bewundern, da sie uns diese Dinge aufbewahrt haben, um dem Lande Israel seine Ehre zu geben, ohne auf die eigene Ehre zu achten, die in den Augen der Weisen Israels groß gewesen ist.“ Aehnlich aber, wie Seira und Jirmijah urteilte über den baby- Ionischen Talmud ihr jüngerer Zeitgenosse G h i s k i j a h, wie sie auch ein babylonischer Jünger, der nach Palästina ausgewandert war, Er deutet das Wort der Klagelieder (3e) : ״In die Finsternis hat er mich versetzt; wie die längst Verstorbenen“. Nach der sehr interessanten Erklärung des Samuel Edels hat dieses Wort an sich schon eine Beziehung auf Babel und spielt auf das babylonische Exil ant Chiskijah aber gibt der Finsternis, die da genannt wird, die verblüffende Deutung, darunter sei der babylonische Talmud zu verstehen (Saiih. 24a). Aehnlich reden überall Menschen, die ihre Schulzeit in ihren Erinnerungen schildern; in den Memoiren finden wir wenig Liebe, viel Abneigüngy oft ausgesprochenen Haß gegen Schule, Lehre und Lehrer. In der modernen Literatur könnten wir viele Seitenstücke zu den Äeußerüngen von Seira, von Jürmijah ünd von Chiskijah finden, ünd deshalb können diese kein Argument gegen den baby- Ionischen Talmud äbgeben. Aber ein; Zeichen sind sie doch, daß seine besondere Art, die vön ihm ausgebildete Form der, Dialektik•, schon in der Zeit ihrer Entstehung im Kreise der Chachamim selbst nicht nur Zustimmung gefunden hat, sondern auch nachdrücklichen

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