Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 6)
- Language
- German
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123 hat drei Antworten bereit : 1. die Reue nützt nur bei Sünden gegen Gott, nicht bei solchen gegen Menschen, wo sie die Strafe nicht erspart.: Pharao aber hatte nicht bloß gegen Gott, sondern auch gegen die Israeliten gesündigt, indem er sie ungerechter Weise bedrückte und umzubrihgen suchte. 2. Pharao war ein Heide, dessen Buße und Gebet ja doch nicht aufrichtig ist. (Das Beispiel Ninives beweise nicht dagegen, da Assur als Rute des göttlichen Zornes gegen Israel erhalten bleiben sollte.) 3., und diese Antwort sei die beste: die Herzensverhärtung Pharaos kam davon, daß die Plagen immer wieder auf hörten,׳ so daß er sie für zufällige^ Ereignisse hielt. So bei den fünf ersten Plagen, bei denen es regelmäßig heißt, daß Pharao sein Herz verhärtete. Bei den folgenden aber heißt es deswegen G o 11 verhärtete das Herz Pharaos, weil Gott jede dieser Plagen selbst verhängte, aber gleichfalls wieder aufhören und durch eine folgende ablösen ließ, wodurch Pharao wieder sicher wurde und sich verstockte, was daher als von Gott veranlaßt bezeichnet werden konnte. Ebenso bei Sihon. Das Ausweichen Israels vor Edom, Ammon und Moab machte Sihon sicher, sodaß er Mut bekam, mit Israel Krieg anzufangen, womit er ins Verderben geriet. Gott war also immer nur die entferntere Ursache. Die mittelbare waren die Plagen und bei Sihon das xAusweichen Israels. Am ausführlichsten ist die Auseinandersetzung von IsakAr ama in der 36. seiner populärphilosophisch-exegetischen Pentateuchhomilien. Dabei hat er den Abrabanel, ohne ihn zu nennen (wie öfter), reichlich benützt. Gegen die ihm wie vielen andern anstößige Ansicht des Maimonides spreche 1. daß es schon zu Anfang heißt: ich weiß aber, daß Pharao euch nicht ziehen lassen wird, was beweise, daß es vom Willen Pharaos abhing, auch ohne daß Gott sein Herz verhärtete. 2. Daß Sihon nicht sündhafter gehandelt habe als Edom und Moab, zumal ausdrücklich als Grund der Verhärtung eben seine Weigerung, Israel hindurchziehen zu lassen, angegeben wird. 3. Zahlreiche Aussagen und Beispiele der Schrift •von bußfertigen und begnadigten Sündern, worunter die beredtesten Ahab und Manasse. An Raschi sei zu bemängeln: wozu braucht Gott Pharaos ausdrüekliches Einverständnis? wäre es für Gott nicht genug und sogar ein größerer Triumph gewesen, daß sich Pharao aus Furcht unterwerfe? Anders wäre es gewesen, wenn ,es sich um Jsrael gehandelt hätte, damit es durch die Schläge geläutert werde. So sei wohl auch Jes 610 zu erklären. Gerade, mit diesen Worten läßt Gott dem Volke eine Tür offen, als wenn er sagen wollte, möchte es doch nur hören, sehen und erkennen, so würde ihm das zur Heilung gereichen. Die nach seiner Ansicht wahre Erklärung sei: 1. Ein Mensch kann viele und verschiedene Strafen verdienen, sodaß er stückweise zu bestrafen ist. 2. Wer so beschaffen ist, dem steht die Besserung nicht frei, denn dann gäbe es keinen Strafvollzug, und zwar gilt dies nicht bloß von weltlichen Vergehen, sondern überall, wo eine Heiligung des Gottesnamens in Betracht kommt, z. B. Haderwasser, Söhne auch in den zahlreichen Kommentaren zu den Pirke Abot, meist zu IIIlß. So hatR. Jehuda b. Josef (ihn Aknin), der Verehrer des Maimonides, in seinem Kommentar ם׳ ד.&וםד (ed. Bacher 1910) zu II16 die ganze Auseinandersetzung des Maim. wörtlich .aufgenommen.