Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 3)
- Language
- German
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120 Emuna rama. Aber erst zum Schlüsse des zweiten Teiles und fast des ganzen Werkes kommt er mit wenigen, wenn auch bedeutsamen, Worten darauf zurück: wenn Gott scheinbar zum Guten nötigt (wie ״in dem Satze: ,,ich werde bewirken, daß sie in meinen Gesetzen wandeln“ oder: ,,ich werde euch das Herz von Stein nehmen“, so bedeutet das nur die göttliche Hilfe für die Frommen, die aber selbst mit dem Willen zum Guten anfangen; umgekehrt bedeuten Sätze wie ״ich werde das Herz Pharaos verhärten“ oder : ״denn der Ewige, dein Gott, hat seinen Sinn verhärtet“, daß dem Bösen die göttliche Fürsorge entzogen und er seiner freien Wahl des Bösen überlassen wird, nachdem er selbst damit den Anfang gemacht hat. Tiefer eindringend und durchdacht ist die Besprechung unserer Stelle durch Maimonides im letzten ״der acht Kapitel“ Einleitung zu den Sprüchen der Väter (S. 32 der Wolffschen Aüsg., S. 68 der Uebers.). Nachdem er die beiden Stellen Gen 1513 und Dt 3116, die von einem ganzen Volke handeln, dahin erklärt hat, daß durch sie der Freiheit des Einzelnen nicht vorgegriffen werde, wendet er sich unserer Stelle (Ex 73) zu und macht eindringlich auf die Wichtigkeit ihrer Erklärung aufmerksam. Pharao war strafbar, denn er hatte gesündigt und zwar aus freiem Willen. Seine Sünde bestand in der früheren ungerechten Bedrückung der Israeliten. Die Strafe nun bestand darin, daß ihm die Be k e h run g u n möglich gemacht würde und nunmehr die göttliche Gerechtigkeit ungehemmt walten und Gen lö14 verwirWicht werden konnte. Die Abhaltung von der Bekehrung tritt in seiner Weigerung, die Israeliten ziehen zu lassen, zutage. Es sei auch nicht ungereimt, anzunehmen, daß Gott in der Form straft, daß er die Bekehrung unmöglich macht. Denn Gott kennt die Sünder und weiß am besten, w i e sie zu bestrafen sind. Es genügt uns zu wissen, daß Gott jeden nach Verdienst belohnt und bestraft. Fragt man aber, wie Gott den Pharao immer wieder auffordern könne, die Israeliten freizulassen, da er doch infolge der von Gott selbst bewirkten Herzens- Verhärtung dazu gar nicht imstande war, so sollten diese Aufforderangen Pharao lehren, daß Gott, wenn er wolle, die Macht habe, den freien Willen aufzuheben. Er sagt zu ihm: ich fordere von dir* daß du sie entläßt und wenn du sie entläßt, bist du gerettet, aber du wirst sie nicht entlassen, damit du sterbest. — Ebenso steht es mit Sihon: nicht dafür wurde er bestraft, weil er die Israeliten nicht durch sein Land ziehen ließ — das hatte Gott selbst durch die Herzens- Verhärtung unmöglich gemacht — sondern weil er früher in seinem Reiche Ungerechtigkeiten und Bedrückungen verübt hatte, und dafür war die Strafe, daß es ihm unmöglich gemacht wurde, den Israeliten zu willfahren, sodaß er von ihnen getötet wurde. In gleichem Geiste werden dann noch die Stellen Jes 610,1 K 1837, Jes 631ד erklärt. Kürzer hat Maimonides dann seine Ansicht in Hilchot Theschüba VI wiederholt. —Der Kernpunkt ist also, daß die Herzensverhärtung eine S t r a. f e ist. Aber eine Strafe wofür? Hierzu muß Maim. also in der Vergangenheit nach forschen. Das ist freilich bei einem Pharao nicht schwer. Aber einen Fehler hat das Argument: die Schrift selbst bezieht sich nicht ,darauf. Sie macht Pharao immer nur dies, zum Vorwürfe, daß er auf Gott nicht gehört und Israel nicht entlassen