Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Synagogale Poesie
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 8)
- Language
- German
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114 laut schluchzend an seinem Arbeitstische fand1. Diesem Sicheinfühlen in die Seele der Opfer von Gewalt und Unduldsamkeit entstammt die gehobene Stimmung, in der die dithyrambischen Sätze niedergegeschrieben, wurden: ״Wenn es eine Stufenleiter von Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiegen; wenn die Dauer der Schmerzen und die Geduld, mit welcher sie ertragen werden, adeln, so nehmen es die Juden mit den Hochgeborenen aller Länder auf; wenn eine Literatur reich genannt wird, die wenige klassische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die anderthalb Jahrtausende währt, gedichtet und dargestellt von den Helden selber?" (S. 9). Lapidare Sätze von solcher Wucht sind in dem Werke nicht selten, der Meister bedient sich ihrer mit Vorliebe, um ein Urteil über einen behandelten Gegenstand abzuschließen (S.67). Besonders der erste Aufsatz, der gewissermaßen eine kurze Zusammenfassung des Ganzen darstellt, ist reich an solchen Sentenzen. Auch die zahlreichen Uebersetzungen, die nicht frei von Härten waren, da der Meister ״die Donnerschläge der anhaltenden Reime" (S. 67) nachzuahmen suchte, übten ihre Wirkung. Es war kein Wunder, daß das Werk außerordentliches Aufsehen erregte. Moritz Lazarus berichtet, wie der Kunsthistoriker. Franz Kugler eines Tages voller Wärme zu ihm sagte, daß durch Zunz’ Buch eine ganz neue Welt eröffnet wurde. ״Wir haben ja keine Ahnung gehabt, daß die Juden der nachbiblischen Zeiten auch in der Poesie schöpferisch gewesen sind2.". Neben Sachs' ,,Religiöser Poesie" war unser Werk das bedeutsamste Mittel zur Verbreitung der Kenntnis jüdischer Poesie außerhalb der fachmännischen Kreise, es hat den Weg dafür geebnet, daß schließlich, wenn auch spät, die nachbiblische hebräische Poesie ihren Platz unter den Klassikern der Weltliteratur fand3. Die ״synagogale Poesie" war lange vergriffen, im Aufträge der Zunz-Stiftung hat A. Freimann einen Neudruck veranstaltet, der, 1914 begonnen, lange unterbrochen war und erst 1920 zu Ende geführt wurde. Der Text blieb derselbe wie in der ersten Auflage, konnte auch fast durchweg die Seiten in der alten Zählung beibehalten; wo davon abgewichen werden mußte, ist in runden Klammern die Seitenzahl der ersten Auflage angegeben. In eckigen Klammern sind die zahlreichen Nachträge mitgeteilt, die der Verfasser seinem Handexemplar beigeschrieben hat4. Außerordentlich umfangreich 1 Lazarus, a. a. 0., S. 498. 2 Das. S.-492. ־ 3 H. Brody und M. Wiener מבחר השירה העברית Leipzig 1922, ist der Bibliotheca Mundi des Inselverlags einverleibt. 4 Vorrede S. V-. Die Verwendung der Klammern war nicht sehr glücklieh, da Zunz in der I. Auflage bereits eckige Klammern gebraucht hat. Wo Zunz in seinem Handexemplar nur den Text berichtigen wollte, hätte die Verbesserung genau so gut in den Text aufgenommen werden können, wie die veränderte Rechtschreibung: z. B. S. 20 Meurs [Mors], Santen [Xanten], S. 29 am 10. [28.] Dezember 1234 [1235], S. 33 Sommer 1297 [1293], S. 35 Jekuthiel [1. Joel]. In all diesen Fällen hatte Zunz gewünscht, die Angabe der eckigen Klammern an Stelle der gedruckten zu sehen. S. 35 an der letztgenannten Steile hätte h äle vi, das in der I. Aufl. fehlt; iri eckigen Klammern stehen müssen. Was bedeutet ferner das. Fußnote c der Satz [gehört zu S 24]?, was S. 63' [Jehuda halevi]? Auch das Nebeneinander von eckigen und runden Klänimern wie S. 21, Note b, jS. 78, Note a stört den Leser.