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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 2 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Kants Bedeutung für das Judentum
Date
1924-01-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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Ehrfurcht vor. dem Guten greift das Gute in unsere Seele hinein; Und je tiefer das Pflichtbewußtsein und die Ehrfurcht vor dem Guten ist, um so stärker erhebt sich die Ueberzeugung, daß das Gute unser e Bestimmung ist. Du kannst, denn Du sollst! Das Ansich unseres Willens, so undurchdringlich der theoretischen Erkenntnis, enthüllt sich dem praktischen Glauben. Das Reich der Naturnotwendigkeit ist das Reich der Erscheinungen; die Freiheit des sittlichen Willens, die Kraft der sittlichen Selbstbestimmung ist der intelligible Grund unserer Persönlichkeit.. Der Glaube an diesen intelligiblen Kern unseres Wesens ist nicht ins Belieben gestellt, sondern vom Sittlichen selbst gefordert, ist v ernunf tnotwendig. Diese intelligible Persönlichkeit, die das Subjekt unseres sittliehen Strebens ist, ist dem irdischen Wandel und Wechsel der Erscheinungen entzogen. So ist unsere sittliche Bestimmung auch nicht auf die Welt der Sinne eingeschränkt. Der sittliche Glaube an die Unsterblichkeit des Geistes eröffnet dem sittlichen Streben eine unendliche Zukunft. Und endlich wagt es der sittliche Glaube, Schicksal und Freiheit, Außenwelt und Seele in dem Glauben an Gott, den Heiligen, zur Einheit zu bringen. Das Sittliche ist nicht nur Menschengesetz und Menschen wesen, es ist Weltgesetz und Weltwesen. Nicht die Wissenschaft: der Ernst und die Wahrhaftige keit der sittlichen Erkenntnis führt zu Gott. Die Einsicht in das Gute fördert Freiheit, Unsterblichkeit, Gott und gibt die, Kraft, an sie zu glauben. So baut Kant das religiös-sittliche Weltbild auf eigenen Fundamenten auf, nachdem er die metaphysische Einheit des religiös-wissenschaftlichen Weltbildes zerstört hatte. Ist diese tiefdringende Begründung der religiösen Lebensanschauung an sich von höchster Bedeutung für die Weltanschauung des Judentums, so besitzt die Kantische Philosophie eine noch speziellere Beziehung zur jüdischen Religion. Denn nicht die Dogmatik des Christentums, sondern nur sein aus dem Judentum stammender ethischer Gehalt kommt in dem Weltbild Kants zur Anerkennung. Wer die ,,Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ aufmerksam liest, weiß wohl zwischen Form und Inhalt der Kantischeri Formulierungen zu unterscheiden und erkennt sein Bestreben, aus den Hüllen des Dogmas den rationalen, ethischen Kern als wesentlich herauszuheben oder in diese zum Zwecke der Entwicklung des Christentums zur Vernunftreligion hinein zu interpretieren. Was Kant in religionsgeschichtlicher Unkenntnis und vielleicht auch in Voreingenommenheit gegen das Judentum nicht

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