Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kants Bedeutung für das Judentum
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
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1ÖÖ Erscheinungen zugrunde liegenden einheitlichen Substanz und der Gedanke eines notwendigen urs ac hl i ch e n Zusammenhanges der Erscheinungen, daß diese Grundlagen der Naturerkenntnis nicht Erfahrungsgtundlagen sind, die in der Wahrnehmung objektiv gesichert seien.: Weder zeigt uns die Erfahrung ein allen Dingen gemeinsames unveränderliches Substrat , noch die N o t w e n d i g k e i t des Zusammenhanges zwischen den Ereignisseii, die ständig aufeinander folgen. Die Naturerkenntnis beruht auf Voraussetzungen, die das Denken in die Natur hereinträgt. Mit welchem Recht behauptet alsdann die Naturerkenntnis, objektive Erkenntnis der Natur zu sein? Der Auflösung dieses Problems ist Kants ,,Kritik der reinen Vernunft“ gewidmet, die zu einer gänzlichen Neuprägung des N aturbegriffs führt. Indem die Methode der Naturwissenschaft, bisher die gesicherte Grundlage der Forschung, für Kant zum Problem geworden ist, zeigt sich auch hier, daß aller Fortschritt der Erkenntnis von der Verwandlung der Resultate des Wissens in Probleme ausgeht. Wohl bleibt es für die Arbeit der mathematischen Naturwissenschaft bei der mathematisch-logischen Bearbeitung der Erfahrungen zur Einheit ihres rationalen Zusammenhanges. Diese logische Einheit der Erfahrung aber ist nicht ein Abbild der Wirklichkeit, sondern eine konstruktive Leistung des wissenschaftlichen Erkennens. Diese Konstruktion aber ist nicht nur berechtigt, sondern notwendig. Denn nur in der konstruktiven Umformung der sinnlichen Erfahrungen in ihrer qualitativen Mannigfaltigkeit zu mathematisch bestimmten Raum- und Zeitbegriffen und deren logischen Zusammenhängen vermögen wir aus der Su b j e kt i vi - t ä t der individuellen Wahrnehmungen zu einer objektiv bestimmten Welt der Gegenstände vorzudringen.. Nur durch Objektivierung der sinnlichen Erfahrungen zu logisch-mathematischen Begriffen bauen wir über dem Meinen des Subjekts eine objektive Wahrheit, die durch die Einheit der Erfahrung zu Gegenständen der Erfahrung führt. Das ist die Kopernikanisehe Wendung, die Kant der Philosophie gegeben hat, daß er den G eis t als S c h ö p f e r des Naturbegriffs gefaßt hat. Weder ist die Welt die Maschine, von deren Räderwerk der Geist ohnmächtig fortgerissen wird, noch ist der Geist ein Geist des Trugs, der seine Phantasien als ein Schleier der Maja über die Wirklichkeit webt, sondern der Geist wissens c h ä f t lic h e r Erkenntnis führt: allein aus der Subjektivität des Meinens und der Zusammenhangslosigkeit der Erfahrungsstücke