Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kants Bedeutung für das Judentum
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829921-2829924-2832083--45662-2832122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
99 und sittlichen Aufgaben stand zusammenhangslos, ja im Gegensatz zur Erkenntnis der Welt als Maschine, der der Mensch selbst als Teil angehört. Hier nun war es die befreiende Tat der philosophischen Denker der Neuzeit, vor allem . von D e s c a r t e s Spinoza und Leibni z , die Einheit des wissenschaftlichen und des sittlichreligiösen Weltbildes auf wissenschaftlichem Wege neu herzustellen, die mathematisch erkannte Natur mit einer rationalen Gotteserkenntnis zu verbinden und, wie verschieden in der Durchführung, so doch die gleiche reale Verbindung von Go11 und Natur zu erweisen, die die Natur als Werk Gottes begreifen läßt und dem sittlichen Willen des Menschen ein Fundament im Willen Gottes und den Gesetzen der Natur gibt. Diese wissenschaftliche Einheit von Gottes- und Naturerkenntnis lös te Kant, indem er die Unmöglichkeit einer wissenschaftlichen Gotteserkenntnis nach wies. Und darum nannte ihn Mendelssohn den Alleszermalmer. Wir aber nennen ihn den Auf bauenden, weil Kant an Stelle der pseudowissenschaftlichen Verbindung von Wissen und Glauben der sittlich-religiösen Lebensanschauung ein viel tieferes Fundament legte, nicht in der Natur, sondern in der Seele des Manschen. 4 Man würde aber der wissenschaftlichen Genialität Kants nicht gerecht werden, wollte man sein philosophisches Lebens werk nur unter dem religions p h i 1 o s o p bischen Gesichtspunkt betrachten. Das eben gibt seiner Leistung das Siegel der Objektivität, daß Kant von den intimsten Problemen der Logik der Mathematik und Naturwissenschaft in strenger Einheit der methodischen Untersuchung zu den Problemen der Ethik und Religionsphilosophie, wie der Aesthetik fortschreitet. Und so sind auch seine Lösungen der ethischen und religionsphilosophischen Probleme nicht zu verstehen ohne deren Voraussetzungen in der Lösung der Probleme der Naturwissenschaft. Kant steht auf dem Boden der mathematischen Naturwissen- Schaft, der Erkenntnis der Natur durch die Feststellung der mathematisch-kausalen Beziehungen zwischen den Körpern. Auch für ihn ist das Buch der Natur in, mathematischen Chiffren geschrieben und bedeutet es den Triumph des modernen Geistes, so mit dem Instrument des exaktesten Wissens in die Werkstatt der Natur einzudringen, (irade hier aber wurde von L o c keund H u m e gegen die; Grundlagen der mathematischen Naturwissenschaft der Einwand ׳erhoben, daß die prinzipiellen Voraussetzungen der Naturerkenntnis, der Gedanke einer allen Veränderungen der •ל