Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 286

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Hellenistica [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
Seite 286 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829915-2829920-2831976--45507-2832061
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

286 •'י• V י■ '■'..־■י .־ ־ ' . ' י■ ' ' 'י• י’';■; .י יי■ •י- ״ יי׳ nisten, daß die Weisen Griechenlands bei Moses in die Schule gegangen seien, erscheint durchaus nicht als zu ״mechanisch“, wenn man daran denkt, daß etwa Poseidonios die Gesetzgeber und Priester verschiedener Völker zu Schülern des Pythagoras machte (Heinemann, Pos. inet. Sehr. I, 94 f.). Ebenso unvereinbar mit Phiions Angaben ist Boussets besondere Vor- Stellung von der alexandrinischen Physikers chule1. Von jüdischen Naturforschern spricht Philon dreimal: er lobt (1) die Versenkung der Therapjeuten in die Natur (De vita cont. 64), schreibt (2) den cpuoixol avopsq Vorliebe für die Allegorie zu und erwähnt im Zusammenhang die Deutung Kains als des willkürlich gottentfremdeten Menschen (De post. Ca. 7: vgl. Leisegangs Anm. zur Uebers.l), erklärt (3) De Abr. 99 von cpocixot av&pes: ״Sie sagen, daß Abraham sinnbildlich den weisen Geist bezeichne, seine Frau aber, deren Name chaldäisch Sara, griechisch Herrscherin lautet, die Tugend, da nichts zum Herrschen geeigneter sei als die Tugend“. Angenommen, aus diesen Zeugnissen ginge die Existenz einer jüdischen ״Physikerschule“ hervor, so könnte man alles eher von ihr aussagen als Abneigung gegen alles Moralische und Religiös-Erbauliche. Offenbar hat B. bei Phiions ״Physikern“ an seine eigenen Kollegen von der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät gedacht und nicht beachtet, daß für den Stoiker die cpoaixa, die ja auch die Lehre von den Göttern enthielten, als der ״besonders göttliche und besonders tiefer Betrachtung bedürftige“ Teil der Philosophie galten (Stoic. vet. fgm. II, 44); natürlich stellt Philon die theologischen Aufgaben dieser Wissenschaft noch stärker in den Vordergrund (De ebr. 91). Aber ganz vom Namen .abgesehen :daß es Allegoristen gegeben haben sollte, die die Bibel nur physikalisch oder psychologisch, nicht ethisch deuteten, ist bei der engen Verkettung von Kosmologie und Psychologie mit der Ethik,und der selbstverständlichen Kombination beider Deutungsarten in der Homerallegoristik von vornherein höchst unwahrscheinlich; wie wäre überdies Philon, über Leute hergezogen, deren Methoden sich von den seinen ebensoweit entfernten wie die der oft voii ihm getadelten Fanatiker des Wortsinns! In der Tat ist das Zuriicktreten der ethischen Auslegung bei der Geschichte vom Sündenfall nicht'mit B. 61 quellenkritiscfi zu erklären: es bleibt ja immer die Frage offen, warum Philon keine ״ethischen“ Quellen heranzog — wenn man sich nicht klar macht, daß die Allegoristik, die Umdeutung des Mannes und der Frau in Nus und Sinne,־ so gewiß sie oft erbauliche Werte schafft, in diesem Falle den Wert und die Tiefe der Erzählung heillos zerstört. Und die sympathisch gehaltene Darstellung der Lust All. Erkl. II 71 ff. wird dadurch nicht erklärlicher, daß man mit Bousset orthodox-stoischen Physikern eine Anleihe bei Epikur zutraut: was Philon der Quelle verdankt, der Vergleich der Lust mit der Paradiesschlange, ist für erstere gewiß nicht schmeichelhaft; erst durch die. Ausführung entsteht das für uns Befremdliche, da Philon unter dem Einfluß von Platonzitaten und eines x67ü0g in behagliche Breite gerät, genau wie Ueber die Einzelges. I 333 ff., wo er von־sündiger Vergötterung des Geistes und der Sinne redet, zur Begründung solcher Anschauung die Leistungen beider Kräfte ad libitum ausmalt und nur eine Kleinigkeit vergißt: den Nachweis, warum diese wohlmotivierten Meinungen falsch sind! Vielmehr erweist sich Philon durchweg (wie übrigens Geffcken a. a. O. 35 im Anschluß an Wendlanä richtig bemerkt2) von der griechischen Rhetorik seinerzeit abhängig; bedenkt man,'daß damals nicht der Leitartikel und die Broschüre, sondern die — gesprochene oder auch veröffentlichte — Rede die Volksmeinung 1 Gegen Bousset auch Leisegang, Schriften der jüdisch-hellenistischen Diteratur IV 6, 2, dessen Auffassung der Physiker als Allegoriker ich allerdings für zu eng halte. Die Bezeichnung stoisierender arabischer Philosophen als;Naturalisten (S. Horovitz, Einfluß der griech. Philosophie auf die Entw. des Kalam 14,1) könnte aber ganz wohl mit dem in der Stoa verbreiteten Gebrauch des Wortes «puaixo( Zusammenhängen. 2 Die philosophischen Jugendschriften Phiions führt K. Reinhardt, Poseidonios 213, wohl mit Recht auf den Einfluß h e i d n i s c h e r Rhetorenschulen zurück. Daß der Schluß von De plantatione (§ 142—177) nicht, wie man angenommen hat, einer philosophischen Schrift, sondern einer Kunstrede entnommen ist, habe, ich in der Einleitung zu meiner Uebersetzung (Bd. IV des vJJebersetzungswerkes, ■S151 ״ f.). bewiesen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.