Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829915-2829920-2831976--45508-2832062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
machte, so'versteht man, daß der Geschmack der hellenistischen Synagogenredner durch die ihnen wohlbekannten Kunstreden ebenso bestimmt war, wie die Poetik der spanischen Synagogen dichter durch die Lyrik der sangesfrohen Araber, und daß der Predigt in Alexandrien wohl'eine noch größere Aufmerksamkeit geschenkt wurde als in Palästina. Wie Philon m. E., seine recht beträchtlichen Kenntnisse des griechischen Rechtes nicht juristischen Studien, sondern der Rednerschule verdankt, so stammt seine Vertrautheit mit der jüdischen Exegese im wesentlichen aus dem Gottesdienst, dessen Bedeutung für Palästina gerade Bousset richtig zu würdigen gewußt hat, der aber für Alexandrien als einzige Quelle der Belehrung eine noch größere Bedeutung besaß. Denkt man freilich daran, wie spärlich Phiions Vertrautheit gerade mit solchen Teilen der Bibel ist, die dem philosophisch gebildeten Leser besonders nahestehen (wie gern berufen sich seine mittelalterlichen und neueren Nachfolger auf Propheten und Psalmen!), so läßt sich mit Händen greifen, daß die Synagoge der Schule zwar zu Hilfe kommen, sie aber nicht ersetzen kann. Und so klingt die geschichtliche Betrachtung unwillkürlich aus in ׳eine bedeutungsvolle Mahnung, für das Judentum der Gegenwart. Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Mit Beiträgen von Leo Bäck, Eduard Ban etli, Ismar Elb 0 gen, Julius Guttmann, Harry T 0 r c z y n e r. 1922. Philo-Verlag, Berlin. Zur Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens hat die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums eine Festschrift mit Beiträgen ihrer Dozenten herausgegeben. Das schöne, reiche Werk gibt ein fesselndes Bild der wissenschaftlichen Bestrebungen, die diese Heimstätte unserer jüdischen Wissenschaft, der so viele Rabbiner die Erziehung* zu ihrem Berufe verdanken, bewegen. Von der Bedeutung des Jubiläums selber spricht Elbogen in seinem Rückblick ״ Ein Jahrhundert Wissenschaft des Jude n - .tums“. (S. 103—144.) Mit großer Energie legt der Historiker der Hochschule hier dar, ״daß die Wissenschaft des Judentums eine Neuschöpfung war, daß sie einen Bruch mit dem alten Wissen darstellt und eine grundsätzliehe Verschiedenheit der Methode fordert“. Er zeichnet das große Werk der ersten Begründer, von Zunz, Rapaport, Luzatto, Krochmal und ihren Genossen, von ihren Versuchen und Ergebnissen, wie von den neuen Aufgaben, die die folgenden Jahrzehnte gestellt haben. Er charakterisiert die Anstalten, die im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Förderung dieser Studien und zur Ausbildung der Rabbiner begründet worden sind, und erzählt die Geschichte der Wissenschaft des Judentums, die leider wirklich ״eine einzige, ununterbrochene und noch nicht abgeschlossene Tragödie ist“. Aber er schließt hoffnungsvoll mit einem Ausblick auf die geplante jüdische Universität in Jerusalem. Ein Bild modernster biblischer Forschungen gibt H arryTorczyne r. ״Die Bundeslade und die Anfänge der Religion Israels “ (S. 219—294). Er sucht diese Anfänge, von denen unmittelbar kein Denkmal berichtet, aus den späteren Dokumenten, wie sie in der Bibel uns vor liegen, zu ergründen. Am Anfang steht die Frage, was denn eigentlich die Bundeslade gewesen sei. Die Lösung versucht er aus vielen über die ganze Bibel verstreuten Hinweisen, aus den Gebeten beim Aufbruch und bei der Heimkehr der Lade, aus unscheinbaren Angaben über Merkabah und Aron, über Kapporeth und Kerubim. Für sich allein betrachtet besagen alle diese Spuren nur wenig, aber in der geistvollen Deutung und Gruppierung von Torczyner gewinnen ־sie Leben und werden zu Zeugen über die Urgeschichte der jüdischen Religion. Freilich ist das Ergebnis notwendigerweise sehr zweifeihaft, und es erscheint trotz, der großen Gelehrsamkeit des Autors wenig glaublieh, daß wirklich ״die Vorstellung eines gewaltigen Schneegebirges einerseits, . . . das Erlebnis eines in der Wolken- und Feuersäule des Sinai Vulkans andererseits sich unsichtbar offenbarenden Gottes Israel die Grundlagen zum Begriff eines Gottes, der die Geschicke dieses Volkes und der Welt lenkt, gegeben habe“. Aber die Abhandlung ist außerordentlich interessant, voll Wissen, Geist und Phantasie. Die talmudische Forschung wird durch die Untersuchungen von E d u a r d Baneth ״Soziale Motive in. der jüdischen Rechts-