Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829915-2829920-2831976--45505-2832059- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
284 * Bösewichter; nur wird diesen nicht, wie dort, Mord, Raub und Ehebruch zur Last gelegt, sondern gemäß der Eigenart unseres Vf., ־vor allem Unglauben an die Vergeltung Gottes im Jenseits und Rechtsbeugung, also Leugnung der Gerechtigkeit als kosmischer Macht und als menschlicher Pflicht. Aber hier biegt der Vf. ab. Will er seine Leser überzeugen, so muß er nicht nur auf das böse Ende der Frevler weit stärker hinweiseh als es in der Bibel geschieht, sondern — genau wie im II. Teil — ihren Leiden das Glück der Guten gegenüberstellen. Natürlich kann es sich aber nur um jenseitige Belohnung und Bestrafung handeln. So wenig der Vf. bezüglich der im II. Teil zu erwähnenden Persönlichkeiten von dem Bericht der Thora ab weichen, darf, die nur von Erdenstrafen redet, so notwendig mußte er seine durch das Glück frevler Prasser vor die Hiobfrage gestellten Zeitgenossen auf die Antwort verweisen, die er bei seinen rabbinischen und hellenistischen Lehrern (Poseidonios!) fand und die allein seinem Glauben an die ausgleichende Gerechtigkeit entsprach. So kommt es denn zu der ersten Gegenüberstellung der Guten und Bösen, die, wie bei Sirach, den geschichtlichen Betrachtungen vorangeht und —- so gewiß sie eine Abschweifung darstellt — das Thema, den Glauben an die im Menschen und über dem Menschen waltende Gerechtigkeit, weit eher im Auge behält als der Exkurs über den Götzendienst im II. Teil. Wie auf dem Zweifel am Jenseits die Ungerechtigkeit der Bösen beruht, so sollen die ,,Richter der Erde“ durch den Vergeltungsgedanken zur Gerechtigkeit angeleitet werden.. — Der Anschluß an die biblische Vorlage spinnt sich auch im folgenden (also nach F. aus anderer Feder stammenden!) Teile weiter; wie Spr 42 f., so stellt sich Wsh. ל, aber wieder wesentlich ausführlicher, der Weisheitslehrer selbst vor und verkündet die Eigenschaften der Weisheit (22ל ff-)! die ihr der Spruchdichter selbst in den Mund legt (8! ff.). Erst von hier an trennen sich die Wege endgültig; dort beginnen Einzelmahnungen, hier geschichtliche Betrachtungen zur Begründung des Glaubens an die kosmische Macht der Gerechtigkeit. Man mag die Berührungen, zwischen dem palästinischen und dem hellenistischen Salomo erklären wie man will; daß beide Schriftsteller unabhängig von einander zu ähnlichen Einleitungen gelangt seien, wird man schon deshalb nicht annehmen wollen, da die ersten Kapitel des biblischen Spruchbuches ursprünglich schwerlich als Proömium gedichtet sind; die nächstliegende Annahme ist wohl, daß die ältere Schrift unwillkürlich nachwirkt; dann ergäbe sich für die Einheit von Kap. 1—8, wo diese Nachwirkungen zu fühlen sind, ein neues Argument; sicher ist aber, daß in den Unterschieden zwischen beiden Büchern sich dieselben Eigentümlichkeiten bekunden, wie wir sie in den folgenden Kapiteln aufzeigen konnten. So führen Fockes Forschungen m. E. unbedingt zur Anerkennung der vollen Einheit unseres Buches. Der Hauptuntersuchung sind Anlagen über das Verhältnis des Weisheitsdichters zur griechischen Philosophie, zu Philon und zu Paulus beigegeben. W. Boussets Buch gibt in seinem ersten Teile Studien über Phiions jüdische Quellen. Es gab nach ihm in Alexandrien jüdische Hochschulen, aus deren Betriebe Kolleghefte hervorgingen, wie in Hellas. Solche Hefte verwerte Philon besonders in seinen allegorischen Schriften, aber auch in den rein philosophischen Abhandlungen. Besonders interessant sei die Exegetenschule der ״Physiker“, die ״in ihrer allem Moralischen und allem religiös Erbaulichen abholden Art, vor allem aber mit ihrem fast epikureischen Lobpreis der Affekte und der Lust weitab von Phiions Grundanschauungen sich bewegt“ (65). Die Beiträge, die Philon dieser Schule verdankt, sucht B. durch Analyse mehrerer Schriften, insbesondere des Allegorischen Kommentars und der Schriften De ebrietate, De congressu und De fuga (die Analyse von De somniis hält er selbst für weniger beweiskräftig) zu ermitteln. In der Anschauung, daß Philon stärker von jüdischen Vorgängern äbhängt als meist deutlich gemacht wird, hat B. unzweifelhaft Recht. Er geht zwar zu weit, wenn er S.14 (ohne den Versuch eines Beweises) die unmittelbare Benutzung des Poseidonios durch Philon bestreitet: woher soll denn Philon sein gutes Griechisch haben, wenn er nicht solche — durch ihren Inhalt wie ihre Sprache gleich lockende — Stilmuster benutzte! Aber sicher ist auch bei solchen Stücken, die mittelbar aus griechischen Quellen stammen, sehr oft jüdische Vermittlung und Umarbeitung anzunehmen; indem B. das Herausarbeiten dieser Vermittler gefordert hat und selbst mit gutem Beispiel voran