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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 283

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Hellenistica [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
Seite 283 (sequence 6)
Language
German
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der Uebersetzung aus dem Hebräischen hat man manchmal auch hier1. Daß aber 1~5-ל wörtlich übersetzt seien, ist schon wegen der Fülle schlechterdings unübersetzbarer Bildungen (z. B. mit a privativum) und wegen der häufigen Ueberschreitung der im hebräischen Parallelismus zulässigen Hebungszahl2 ausgeschlossen. , Vielmehr ergibt sich gerade aus Fockes Forschungen die Einheit und, was wichtiger ist, die Einheitlichkeit unserer Schrift. Und es wird sofort verständlich, weshalb diese Einheitlichkeit nicht sofort ins Auge springt. Strenge der Komposition ist nicht die Stärke unseres; Vf. Focke hat erwiesen, daß die lange Abhandlung über den Götzendienst mit ihrer Umgebung durch das Bindeglied der Polemik gegen den Tierdienst verknüpft ist; aber dies’Bindeglied wird vom Vf. selbst kaum her vor g e h o b e n , ja, in den Exkurs über den .Götzendienst selbst wird ein Cento von Bibel- Versen (13IgL—14u) eingeschoben und der Faden des Gedankenganges völlig verdunkelt! Man. wird an dieGedankenführung von Kp. 1—6 keine strengeren Anforderungen stellen dürfen, wohl aber erwarten, daß die Eigentümlichkeiten der Denk- und Redeweise des Vf. auch hier hervortreten. Zu den ersteren gehört seine Auffassung der Weisheit. Begnügt man sich freilich damit, die Aeußerungen Ps.-Salomos über die Weisheit zusammenzustellen, so gewinnt man den Eindruck, daß er alles Lob auf den Scheitel der Weisheit häuft, das je der Chokhma wie der Sophia zugesprochen wurde (vgl. etwa Heinischs Einl. zu.seinem Kommentar). Fragt man aber, welche Eigenschaften und Wirkungen der Weisheit dem Vf. wirklich lebendig werden, so gewinnt man den Eindruck, daß er sie einseitig mit der G e r e c h - t i g k e i t .gleichsetzt; was darüber hinausgeht, sind konventionelle Lobeserhebungen, die für die persönliche Anschauung des Vf. nicht mehr beweisen als die Anrufung des Gottes der Liebe in irgend einer modernen Revanchepredigt. Gewiß heißt es von der Weisheit, sie sei bei der Schöpfung der Welt (99 י22ל) und ihrer Erhaltung (8 י27ל!) beteiligt; aber mit keiner Silbe wird veranschaulicht, wie sich die Weisheit Gottes in der Schöpfung zeigt —- wiewohl doch der Vf. den teleologischen Gottesbeweis der Griechen mittelbar kennt ('13a ff.) und doch wohl auch die Kenntnis des 104. Psalms bei ihm vorausgesetzt werden darf. Vollkommen anschaulich wird dagegen die gerechte Wirkung der Weisheit in der genau der Sünde entsprechenden (16!) Bestrafung der Frevler und der Belohnung der Guten oder vielmehr — der Gerechten, wie der Vf. sie gern nennt (47, 16; 10 passim: Gärtner 148). Denn mag auch die Weisheit zu allen möglichen Kenntnissen (717 ff.) und zu sämtlichen Tugenden der hellenistischen Ethik verhelfen (87): anschaulich wird weder, wie in der griechischen Literatur, die Beziehung zwischen Weisheit iiiid Wissenschaft, noch; wie in den Sprüchen Salomos und Sirachs, die Vermittlung praktischer Klugheit durch die ״Weisheit“: nur Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit treten als unterscheidende Merkmale der Guten und Bösen von Adam bis Mose hervor. Mit dieser einseitigen Hervorhebung eines Zuges, zu dem natürlich Ansätze in Palästina wie in Hellas Vorlagen, könnte die Neigung zu Antithesen Zusammenhängen, die in der langen Paarreihe der 2. Hälfte des Buches (Focke 19!) doch wohl stärker hervortritt als sonst in der jüdischen wie in der griechischen Literatur; vor dem Richter- Stuhle der Gerechtigkeit, scheint sich, die Menschheit in Gerechte und Ungerechte zu spalten, alle anderen Unterschiede zurückzutreten. Diese beiden Eigentümlichkeiten des Vf. zeigen sich nun in den ersten Kapiteln um so deutlicher, da diese ziemlich weit mit denen des salomonischen Spru c h - buch es parallel gehen. Daß in den ersten, allgemein empfehlenden Sätzen die ,,Weisheit“ bei dem hellenistischen Salomo (14) zunächst als ״Gerechtigkeit“ bezeichnet wird (1!) ist kaum kennzeichnend (vgl. צדק Spr l3j, wö.hl aber, daß er sich 11=6! an die ״Richter der Erde“ als die zur Wahrung der Gerechtigkeit in erster Reihe Berufenen wendet. Es folgt die Lehre, daß die Weisheit den Gottesfürchtigen auszeichne, die auch Sirach 114 aus Spr 16 entnimmt; aber sie ist bei unserem Vf. weit stärker als bei seinen beiden Vor« gängern mit Vergeltungsgedanken durchsetzt (18 ff•)* Hieran schließt, sich, wie im biblischen Spruchbuch (110 ff.), die abschreckende Schilderung der 1 Vgl. die Nachweise ebd. 151, 2. 3 Baumgartner, Theol. Lit.-Ztg. 1914, 294.

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