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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 282

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Hellenistica [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
Seite 282 (sequence 5)
Language
German
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י־ 282 seinen — für Phiions Verhältnis zur Halacha wichtigen — Anmerkungen, ganz zu schweigen von der neueren Forschung über'.hellenistische Philosophie, die er bis auf ein paar Notizen nur aus Zellers völlig überholter Darstellung kennt. Während veraltete Arbeiten fast auf jeder Seite zitiert werden, erscheint der Name Bröhiers nur einmal; zur Auseinandersetzung mit diesem ausgezeichneten Werk kömmt es nie! Wie sehr aber der Vf. der Benutzung fremder Forschungen bedurft hätte, zeigt S. 64, wo drei Stellen aufgezählt werden, an eenen Philon Gesetze allegorisch auslegt, mit der Bemerkung; ,,es dürften auch die einzigen dieser Art sein“; in Wahrheit brauchte man nur Mangeys Index nachzuschlagen, um sich davon zu überzeugen, daß Philon Gesetze genau so gern allegorisiert wie Erzählungen1. Danach kann es nicht Wunder nehmen, daß der Vf. die von Philon angeführten Etymologien S. 59 für sein Werk hält, ohne auch nur die M ö g 1 נ c h k e.i t in Betracht zu ziehen, daß er sie von älteren Auslegern übernommen bat, oder daß er das ״ungeschriebene Gesetz“ bei Philon mit ,תורה שבעל פ־י gleichsetzt, ohne auch nur zu fragen, ob nicht der griechische Begriff des vopc; vorschwebt (vgl. meine Anm. zu Ueber die Einzelges. IV 149). Aber auch die an sich verdienstlichen Seitenblicke auf die mittelalterliche Religionsphilosophie leiden unter zu geringer Berücksichtigung der Forschung über dies Fachgebiet. Danach glaube ich nicht, daß durch die Veröffentlichung des T.sehen Buches der Wissenschaft und dem Vf. selbst ein großer Dienst geschehen ist. Die Arbeiten von Focke und Bousset behandeln Einzelfragen unseres Arbeitsgebietes in durchaus verdienstlicher Weise. Sie haben auch mit denjenigen Aufstellungen, die ich für unrichtig halte, ziemlich weitgehende Zustimmung gefunden. Grund genug für mich, meinen Einspruch, der der Bedeutung der Arbeiten keinen Eintrag tun soll, eingehend zu begründen. F. Fockes Schrift beschäftigt sich vor allem mit der Frage nach der Einheit des pseudosalomonischen Buches der Wei s'h eit. Namentlich W. Weber hatte (Ztschr. f. wiss. Th. 1904) mehrere Verfasser angenommen; E. Gärtner (Komposition und Wortwahl des Buches der Weisheit, Berlin 1912) hatte ihm im Hauptpunkt zugestimmt und mehrfache Interpolationen angesetzt. Demgegenüber weist Focke in feinsinniger, durchaus überzeugender Interpretation die Einheitlichkeit des Gedankenganges von Kap. 6—19 nach. Dagegen ist nach ihm Kap. 1—5 vom Rest zu trennen als ein in P a 1 ä s t i n a entstandenes, ursprünglich hebräisch geschriebenes Buch gegen die Sadduzäer (ebenso Weber a. a. O. 1911, 829). Da er sich aber der Tatsache nicht verschließen kann, daß 1—5 mit dem Rest sehr viele sprachliche Eigentümlichkeiten gemein hat, so nimmt er an, der Verfasser des Hauptstückes sei zugleich der Uebersetzer des I. Teils gewesen. F. glaubt, daß mit den Bösewichtern, wie sie 2! ff. geschildert werden, Sadduzäer gemeint seien. Aber den Grundsatz: ״Niederzwingen wollen wir den armen Gerechten, nicht schonen der Witwe usw.“ (210 ff.) haben die Sadduzäer als bibelgläubige Juden nie vertreten können, und ihre pharisäischen Gegner, 'die genau zwischen den von jenen anerkannten und bestrittenen Lehren unterschieden (Talmud b. Hör. 4a, Sanh. 33b), haben ihnen zwar Strenge in der Rechtssprechung zum Vorwurf gemacht, worauf sich Focke 45 merkwürdigerweise beruft, aber nie egoistische Rechtsbeugung! Und die Begründung ״es sei unsere Kraft der Maßstab der Gerechtigkeit; denn das Schwache erwöist sich als unnütz“ (2U) leitet diese Rechtsbeugung nicht aus naiver Bosheit her, wie wir es von den Propheten gewöhnt sind, sondern aus einer bestimmten Theorie vom Wesen d e s R echtes , wie sie Platon seinem Kallikles in den Mund legt und später die Skepsis vertrat; nimmt man hinzu, daß die Aeußerungen über die Zwecklosigkeit des Lebens und über die Vergänglichkeit der Seele sich wörtlich mit solchem Epikurs berühren2, so erkennt man in ihnen in der Hauptsache die ,,Bösen“ der Bjbel, nur daß ihre Grundsätze genau so griechisch drapiert sind wie die der Guten im Hauptteil des Buches. ג . Mit der Möglichkeit, daß für 1—5 hebräische Vorlagen benutzt sind, ist gerade dann zu rechnen, wenn man an die Einheit des Buches glaubt. Denn jüdische Vorarbeiten sind im II. Teil sicher verwertet, und den Eindruck 1 AndereTMängel bei Leisegang, ThLZ. 48 .(1923) 199 ff. 2 Heinemann, Poseidonios’ metaphysische Schriften I, 144.

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