Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 4)
- Language
- German
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mystischen Züge bei L.• nicht etwas zu stark hervortreten. Dies gilt auch von seiner Darstellung P li il.on s, der für ihn vorwiegend als Z e u g e für die griechische Mystik wichtig ist, aber auch als Vorläufer der paulinischen Uebertragung hellenistisch-mystischer Methoden und Vorstellungen auf die biblische Glaubenswelt. Bicher hat er gegenüber Zeller und Schürer darin recht, daß Philon nur in weiterem Sinne als Philosoph, also als Mann der Wissenschaft aufgefaßt werden darf, — gegenüber Bousset darin, daß die irrationalen Elemente bei ihm gar nicht nur (oder auch nur vorwiegend) jüdischen Ursprungs sind. Aber abgesehen davon, daß L. den mystischen Einschlag bei Philon doch zu überschätzen scheint (MGWJ 1922, 271 ff.), treten in seiner ,,hellenistischen Philosophie“ infolge der gebotenen Knappheit der Darstellung auch die von L. nicht bestrittenen rationalen Züge stark zurück; der Leser erfährt, nicht, daß Philon• allseitige Ausbildung des Geistes gutheißt, ja, als Voraussetzung religiöser Vollkommenheit fordert1 und sich den Stifter seines Glaubens demgemäß — wohl als Ekstatiker, aber auch — als hochgelehrt in ägyptischer, griechischer und chaidäischer Wissenschaft vorstellt2: der Gegensatz zu den Hermetikern, aber auch zu Paulus, liegt auf der Hand. Trotz dieser Einschränkung ist L.s flüssig und formschön geschriebene Darstellung der griechischen Philosophie jedem zu empfehlen, der sich für das Verhältnis der jüdischen und der griechischen Kultur interessiert. Geffckens Buch stellt in knapper Zusammenfassung die Durch- Setzung des Christentums gegen das Heidentum׳ (oder seine Durchsetzung mit dem Heidentum, wie man will) vom Standorte des• Heidentumes aus dar; wir können der Gesamtleistung hier nicht gerecht werden und auch auf die Schilderung Plotins nicht näher eingehen, die für Kenner Gabirols lehrreich, wenn auch wohl durch das inzwischen erschienene Buch von Fritz Heinemann in manchem überholt ist. Auch in der Darstellung der griechischen Quellen Phiions würde Geffcken heute kaum jede Einzelheit aufrecht erhalten; wichtiger ist das Bedenken, ob nicht bei der Betrachtung der divergierenden Teile des Systems Phiions, den er kurzerhand unter die ״Eklektiker“ rubriziert, der Blick auf das ״geistige Band“ zu sehr zurücktritt. Gewiß liegt diese Einheit kaum in irgend welchen Lehren und insofern hat die Bezeichnung Phiions als ,,Proteusgestalt“ (S. 36) eine gewisse Berechtigung; die Widersprüche zwischen stoischem Materialismus und platonischem Idealismus, Rationalismus und Mystik; die G. darstellt, sind vorhanden, und es ist sehr verdienstlieh, wenn G. zeigt, daß sie sich nicht etwa aus dem Versuche der Vermittlung zwischen Heidentum und Judentum ergaben, sondern auch bei heidnischen Eklektikern hervortreten.: es steht hier nicht anders wie im Judentum der Gegenwart, wo die Zerrissenheit der Persönlichkeiten weit weniger durch ihr Judesein bestimmt ist, als man auf jüdischer und nichtjüdischer Seite manchmal glaubt. Aber hinter diesen Widersprüchen in den Einzellehren steht doch bei Philon,, wie auch bei manchem der heidnischen Mischdenker, ein einheitliebes Bedürfnis nach ganz bestimmter Welt- und Lebensbetrachtung; und es würde sich lohnen, dieser Einheit im Widerspruch ähnlich gerecht zu werden, wie man es bei Goethe, Nietzsche und Ibsen getan hat. Dann würde sich wohl ergeben, daß das Judentum für Philon doch mehr bedeutet, als Material, auf das er griechische Philosopheme und mystische Lehren wirken läßt (so im wesentlichen Geffcken), daß vielmehr sein ״Urerlebnis“ durch angestammte jüdische Frömmigkeit sehr wesentlich bestimmt war. Ludwig (oder, wie er sich auf dem Titelblatt seiner Phiionischen Studien, Breslau 1915, nennt, Leopold) Tr eitel versucht dagegen, Philon als Systematiker zu behandeln und in den Entwicklungsgang der j 11 d i ~ sehen Religionsphilosophie einzustellen. Er behandelt die geschichtliche Stellung der Theologie und Philosophie Phiions, seine Lehre von Gott, von den Mittelkräften, von der Offenbarung, die Ethik, die Stellung zur Bibel, zum Religionsgesetz, ferner die Mission des jüdischen Volkes, den Universalismus, Apologetik und Propaganda bei Philon. So begrüßenswert die Stellung der Aufgabe ist, so bedauerlich ist es, daß die Lösung mit unzureichenden Mitteln versucht wird. Der Vf. benutzt weder den VI. Band der kritischen Ausgabe (vgl. die Zitate S. 22, 102), noch den II, Band der Uebersetzung mit 1Vgl. über diesen ״Widerspruch“ Leisegang, Der heilige Geist I, 181. 2 Vgl. Leben Mosis 1,23; Leisegang ebd. 156; Heinemann MGWJ 1920, 20.