Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829915-2829920-2831976--45501-2832055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28.0;־.-;.v N. T. für קדוש auch in ethischem Sinne verwendet wird, so ist Einfluß des Hebräischen anzunehmen, also Deißmanns bekannte Anschauung; daß die Sprache der genannten Schriften völlig der der nichtjüdischen Griechen entspreche, doch .einzuschränken. Dagegen glaubt Williger, daß cqvo; Ursprunglieh dem Profangebrauch entzogen, dann kultisch rein und schließlich sittlich rein bedeutet habe. Allein gerade der uns angehende Teil dieser Entwicklungsreihe ist sehr schwach gestützt. Wäre das Wort im ethischen Sinne üblich gewesen, so wäre es unbegreiflich, daß die LXX gerade in höherer Bedeutung nicht cqvo׳<;, sondern a־po<; setzt (Williger 63, 85 ff.). In der Tat erscheint aber cqvdc; in .der Bedeutung lauter nur an drei Dichterstellen (Williger 66), die sämtlich älter sind als die ältesten Bestandteile der LXX; gebräuchlich ist das Wort in hellenistischer Zeit (abgesehen von der rein kultischen Bedeutung) im Sinne von korrekt: dieser liegt aber von קדוש so weit ab, daß die Wortwahl der Uebersetzer begreiflich erscheint. Es wird also im wesentliehen bei dem Urteil bleiben, das wir kurz vor Erscheinen der Willigerschen Schrift ausgesprochen haben (MGWJ 1922* 178 f.), daß die Vertiefung des ethischen Empfindens und Urteils in Griechenland zwar zu einem Bedeutungswandel der Bezeichnungen für gut und Sittlichkeit, nicht aber für den Grundbegriff der Religion, den der Heiligkeit, geführt hat* B 011 s feinsinniger Vortrag gibt zwar für das Verständnis von Phiions Therapeutenschrift weniger Ausbeute, als der Titel erwarten ließ (vgl. Si 23); aber er erweist, wie in Griechenland schon seit alter Zeit neben das politischpraktische Ideal das theoretisch-wissenschaftliche trat. Es wäre reizvoll zu zeigen, wie sich im Judentum mindestens seit dem Exil aus ähnlichen — geistigen und politischen — Ursachen eine Vergeistigung des Lebensideals und die Ausbildung eines Forschertypus vollzieht und wie beide Prozesse in Phiions Vorstellung vom Weisen konvergieren. Als Material zu dieser Dar- Stellung können Bolls Nachweise von großem Wert werden. Die folgenden drei Arbeiten stellen das hellenistische Judentum innerhalb des Entwicklungsgangs des hellenistischen Geisteslebens dar. Nestles Sammlung gibt hauptsächlich eine Auswahl aus den Denkern selbst in sehr fließender Uebersetzung; die einleitende Darstellung, von Epikür bis Boethios reichend, ist nur bestimmt (und durchaus geeignet), das Verständnis der Proben zu ermöglichen. Sehr verdienstlich ist — und zwar gerade im Interesse des nichtfachmännischen Lesers —, daß auch solche Denker, die uns nur bruchstückweise erhalten sind, ausreichende Berücksichtigung erfahren haben; auf Philon, dessen griechische-Bildung Nestle S. 122 f. zu ,unterschätzen scheint, haben gerade solche Philosophen stark gewirkt. Nur ist der Herausgeber der — freilich kaum zu vermeidenden — Gefahr erlegen, auch solche Stücke unter die Fragmente aiifzunehmen, deren Herkunft von dem betr. Philosophen nur durch sehr unsichere quellenkritische Schlüsse wahrscheinlich gemacht ist; vgl. z. B. über Poseidonios Fg. 20—25 (hei Nestle) Pohlenz, Gott. Anz. 1922, 167. — Die Proben aus Philon sind sehr geschmackvoll übertragen; S. 304 Mitte würde ich nicht übersetzeil: ,,(sie verschmähen), einem weltlichen Staate sich einzugliedern“, sondern ״dem Staate der Welt“; es liegt dieselbe stoische Redeweise zugrunde wie bei Augustin (civitas mundi). Die beiden Bändchen Leisegangs setzen sich zwar auch die Einführung des Laien in die Geschichte des griechischen. Denkens zur Aufgabe; doch ist Auswahl und Darstellung durch die begründete Auffassung des Vf. bestimmt, daß im Christentum und in der modernen Kultur die irrationalen Kräfte des Griechentums kaum minder stark nachwirken als die rationalen. Wenn auch der Vf. meint (Griech. Phil. S. 8), die Liebe zur Weisheit ,,nur um der Erkenntnis selbst willen“ sei für den griechischen Geist im Gegensatz zum Orient kennzeichnend, so erfährt die Schärfe dieser Scheidung insofern durch sein Buch eine gewisse Milderung, als gerade hei den bedeutendsten Denkern ein starkes religiöses Bedürfnis erwiesen wird, das bewußt oder unbewußt das Weltbild beeinflußt; indem L. die Auswirkung solcher religiösen, u. z. mystisch-religiösen Züge auf das Christentum, aber auch auf Goethe und auf die neuzeitliche theosophische Bewegung verfolgt, erhöht er den wissenschaftlichen Wert seiner Arbeit und zugleich ihren Reiz für den Theologen, zumal Seitenblicke auf biblisches und nachbiblisches Judentum nicht seiten sind (die pythagoreische Zahlenmystik findet in der Kabbala nicht nur eine Parallele‘ [ebd. S. 64], sondern eine Nachwirkung). Fraglich ist nur, ob diese