Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Genuß-Symbolik in den rituellen Bräuchen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 8)
- Language
- German
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habenheit upd des Reichtums beim Mahle, galten aber auch nach ßer. 40a1 als die Fruchtbarkeit vermehrend. Da der Sabbat vorzüglich für die Erfüllung der Gattenpflichten bestimmt ist, so ist der Genuß von Fischen dafür dienlich. R. Isserlein ging nie außer am Freitag auf den Markt, um Fische zu kaufen ״zur Ehre des Sabbat“ 2. Den Brauch des Fischgenusses am Neujahrstage begründet der Kizzur sch’lo damit, daß sich ,,unsere Verdienste vermehren wie die Fische“, die sehr fruchtbar sind, und zweitens, weil die Fische keine Augenlider haben und ihre Augen stets geöffnet sind, was hinweist auf die große Barmherzigkeit Gottes, den Hüter Israels, der nicht schläft und nicht schlummert 3. Isserlein sah sich besonders nach den Fischen um, die ״Barben“ genannt werden. Er sah darin eine Anspielung auf Gottes Barmherzigkeit ״כיון שיש להם שם מרחמים״ •. Dagegen aß Maharschal am Neujahre keine Fische, da Freude und Mahl am ד״ה nicht wie am übrigen Jomtow ist (Toldoth Ester S. 33). Man soll am Neujahre die Fische nicht in Essig kochen, denn es soll alles süß, ein Symbol für das glückliche neue Jahr sein. Isserlein wollte daher einmal keine Sulzfische essen, weil Essig darin ist5. Obst. Das Obst spielt in der Symbolik eine besondere Rolle, weil Israel nach bestimmten Bibelstellen mit Früchten verglichen wird. Die beste Uebersicht gibt das Rezept, nach welchem das ״Charoses“ für den Sederabend bereitet werden soll. Denn Or. ch. 473, Kolbo S. 40, Sch'lo 80 b sagen übereinstimmend, daß man dazu die Früchte zu nehmen pflegt, denen Israel verglichen wird, z. B. Aepfel, Feigen, Nüsse, Granaten und Mandeln, und gibt Gewürze wie Zimt und Ingwer dazu. In unseren Gegenden, wo wir all diese Arten nicht haben, nimmt man nur Aepfel und Nüsse. Der Apfel ist zur Erinnerung an HL 85 ״Unter dem Apfelbaum weckte ich dich“; die Dattel an HL 7S ״Dein Wuchs gleicht der Palme“; die Nuß an HL 61x ״in den Nußgarten bin ich hinabgestiegen“; die Traube an HL 213 ״die Weinreben blühen, duften“. Das Charoses selbst ist וכר לטיט ולתבן zur Erinnerung an Lehm und Stroh, aus denen die Israeliten in Aegypten die Ziegel machen mußten. Der Talmud bringt noch die Ansicht וכר לתפוח und Jerusalmi וכר לדם, welche beide Ansichten sich gegenüber der ersteren nicht behauptet haben. Der A p f e 1 kommt noch in der ersten Nacht von Roschhaschono auf den Tisch®. Das wird als deutscher Brauch bezeichnet. Abudram spricht von Rimon, dem Granatapfel, den man esse, mit der Begründung כרמוץ HOI נרבה, daß sich das Verdienst wie die Granate mehre7. Der Talmud erwähnt ״ תמריDatteln“ mit der Deutung "״ "יתמו שונאינוdaß unsere Hasser auf hören“. Der Apfel soll ein süßer sog. ״Süßapfel“ sein, der noch in Honig eingetaucht wird, damit Gott ein süßes Jahr gebe. Man sagt deshalb: ״Erneuere uns ein gutes und süßes Jahr.“ Am Jahresanfang soll alles süß gegessen werden, wie schon gelegentlich der Fische erwähnt wurde. Or. ch. § 683 bezieht dies auf Neh 810• In der Verwendung des Apfels sehen die Kabbalisten ein Geheimnis und bringen ihn in Verbindung mit den Stellen: 1 Siehe auch Sota 11. 8 Leket joscher S. 32. 3 S. 92a. 4 Leket joscher S.129, ferner Güdemann, Gesch. d. Erziehungsw. S. 136. 5 Leket joscher S. 129/ 4 Tur 583; Sch*10 S. 214b. .? S. 143a.