Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Genuß-Symbolik in den rituellen Bräuchen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 7)
- Language
- German
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268 Unglück wohl am Platze. Eine andere Erklärung sieht einen Zusammenhang zwischen dem Ei und der göttlichen Barmherzigkeit, die in dem Wortgleichklang (aram.) בפא רחמנא־* * ביעא (bitten um Erbarmen) ausgedrückt ist1; eine andere will in dem E1 zur Mahlzeit eine Erinnerung an die Trauer um Abraham, der an Erew Pessach gestorben ist, erblicken *. Abr. Danzig3 sieht in der Einhaltung dieses Brauches keine Mizwa, da eine Symbolik, die an die Tempelzerstörung und das Darbringen der Opfer im Tempel erinnert, hinfällig geworden ist, was ich inkonsequent finde. Löw4 bezeichnet den Brauch als keine originelle jüdische Einrichtung. Ueber Ei bei der Hochzeit siehe oben unter ״Fleisch". — Hü lsenfrächte. Gleich dem Ei gelten die Hülsenfrüchte und vor 5 züglich die Linsen als Symbol der Trauer. In der erwähnten Stelleheißt es: ״Wie die Linse keinen Mund hat, so hat auch die Klage keinen Mund; wie die Linse rund ist, so geht die Trauer wie ein Rad im Kreise. Adam und Eva haben in der Trauer um Abel Linsen gegessen; als Haran in Ur-Kasdim verbrannt wurde, aßen seine Eltern ein Gericht Linsen; Jakob aß ein Linsengericht in der Trauer und Not, weil Herrschaft und Macht und Erstgeburt bei Esau waren, und weil an jenem Tage sein Großvater Abraham starb. Daher essen die Israeliten in der Trauer und Not ein Linsengericht wegen der Trauer um den Tempel und das Exil Israels6. Der Jore dea (§ 3788) verzeichnet somit: ״Der Trauernde ißt Ei und Linsen.“ Ein bekanntes Notarikon, als dessen Verfasser H״TH genannt ist, deutet לעת שאכלו ישלשל מיתה ־־־ עדיעזיים. — Es gilt als Regel, daß man an den Tagen, an denen man keinTachnun sagt, keine Hülsenfrüchte esse, denn diese Tage zählen als קצת יו״ט teilweise Festtage, weshalb man an ihnen keine Speisen esse, die die Trauer im Herzen des Menschen wachrufen. Hingegen werden am Sabbat Hülsenfrüchte (vgl. die ״gesetzte Suppe", Schölet, Ritschert) vorgesetzt, weil Moses am Sabbat gestorben ist. Eine besondere Bestimmung ist, am Purim זרעונים Hülsenfrüchte zu essen zur Erinnerung an Daniel und Esther, die am königlichen Hofe nur von Hülsenfrüchten gelebt haben; vgl. Or. ch. 695, 2 Anm., Talm. Meg. 13a, Dan 112, Jos. Antt. X, 10, 2. — Pri chädasch verweist nur auf Esther und will, daß man an Purim alles in Erinnerung an Esther tue, die am Hofe nur Hülsenfrüchte gegessen habe. Fisehe. Fische gelten als Symbol der Fruchtbarkeit. Das beruht auf Gen l^. Der Segen Jakobs Gen 481e bringt Israel in Vergleich mit den Fischen. Aus diesem Grunde streute man bei der Hochzeit einer Jungfrau kleine Fische vor dem Brautpaar7, wie man auch als Wahrzeichen des zu erhoffenden Ueberflusses Wein und Oel in Röhren fließen ließ. Als symbolische Verkündigung für die Vermehrung Israels verzeichnen die Gaonen8 den Brauch, am Neujahr Fische zu essen. Allgemein bekannt ist, daß als wichtiges Gericht der Sabbatmahlzeit die Fische gelten, wie das Sabbatlied יום זה מכובד u. a. ״בשר ודגים״ betont. Dafür bestehen wohl zweierlei Gründe. Wie aus Sabbath 140b8 hervorgeht, galten Fische als Zeichen der-Wohl- 1 Sch’lo S. 141b nach Jerus.; Chok Jakob S. 117b. * Pri megodhn. 8 Chaje odom 130, 9. 4 Lebensalter S. 220. s PirkedeR. Elieser § 35. 8 Vgl. Baba b. 16b. 7 Semachoth c. 8. ® Abudram (S. 143a). * Siehe auch Sabbat 118b; 119a, Ber. r. P. 11.