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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 248

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Sind die Falaschas Juden?
Date
1923-01-01
Page
Seite 248 (sequence 5)
Language
German
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bestanden, und in Abessinien selbst sind seit Jahrhunderten weiße Juden wohnhaft, die des Hebräischen kundig sind. Wenn zwar die Juden Chinas, über welche bereits im 9. Jhät. historisch beglaubigte Berichte vorliegen, im Laufe der vielen Jahrhunderte, in denen sie vom Ausland völlig abgesperrt lebten, das Hebräische verlernt haben, da sie als Kaufleute allzusehr das Materielle in den Vordergrund gerückt hatten, so haben sich dennoch manche alte hebräische Schriftreste, darunter auch die einer alten SeferTörä bis heute unter ihnen erhalten1. Die heilige Bibel der Falaschas hingegen besteht in dem in altäthiopischer Sprache abgefaßten Octateuch und stimmt mit der griechischen Bibel darin überein, daß es neben den 5 Büchern Moses das Buch Josua, das Buch der Richter und Rut enthält. Statt der Sefer Törä im Schreine der Synagoge haben sie den Octateuch auf einem Tisch im Allerheiligsten ihres Gotteshauses liegen. Auch einzelne biblische Namen, die die Falaschas führen, wie Issayas und Jeremias weisen auf die griechische Vorlage hin ('laaias, ’Jeps/jtca$). Da nach altjüdischer Ueberlieferung Abraham als der Vater aller Proselyten hingestellt wird, ist es verständlich, daß bei den Falaschas ein dem Abraham gewidmeter Festtag existiert. ״Teskara-Abraham“ genannt. Daher spielt bei ihnen auch ihr heiliges Buch ,,Gadla- Abraham“, d. i. Leben Abrahams eine bedeutende Rolle. Während , des Gottesdienstes wird daraus mit Vorliebe vorgelesen. Daß die Beschneidung nie an einem Sabbat vorgenommen wird, könnte seinen Grund darin haben, daß nach jüdischem Gesetze ein Andersgläubiger, der zum Judentum übertreten will, nicht am Sabbat beschnitten werden darf. Die Religion der Falaschas weicht außerdem noch in sehr wesentliehen Punkten von der jüdischen ab. Abgesehen davon, daß jene nicht die talmudischen Gesetze kennen, sind ihnen die wichtigen biblischen Feste Röschhaschänäh und Jömkippur unbekannt. Das sieben Tage währende Fassika- (Pesach-) Fest leitet bei ihnen das neue Jahr ein und beginnt stets am Sonntagabend, wobei am Sonntagvormittag das Pesach-Lamm geschlachtet wird. Ob sie das Schabu'H- Fest feiern, ist zweifelhaft; jedenfalls zählen sie nicht sieben Wochen nach dem Pesachfest. Das Bala-Metselet-Fest, das im Oktober sieben Tage gefeiert wird, ist schwerlich mit dem jüdischen Sukköt-Fest zu identifizieren, da sie weder den Feststrauß noch die Hütte kennen, noch es in Zusammenhang bringen mit der vierzigjährigen Wüsten- Wanderung der Jsraeliten. Am 9. bis 12. Januar wird angeblich zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar gefastet. Purim und Chanukah kennen sie nicht, Nach dem Schlachten nehmen sie keine Bedikäh vor. Das Verbot, Fleisch und Milch gemischt zu essen, halten sie nicht. Ebenso sind ihnen Zizzit, Tefillin, Mezuzzöt, Qiddusch und Habdäläh unbekannt. Den alt jüdischen Brauch, die Toten mit dem Gesicht nach Osten hin zu beerdigen, sucht man bei den Falaschas vergebens. Sie legen vielmehr den 1 lieber die Juden in China vgl. Tobar, Iuscriptions Juives de Kaifong-fu, in Variötäs Sinologiques, Shangai 1900, James Finn, The Jews in China, London 1909, M. N. Adler, Chinese Jews, London, B. Schindler in ,,Die Erde“ 1914: ferner Jewish Enc. unter China.

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