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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 247

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Sind die Falaschas Juden?
Date
1923-01-01
Page
Seite 247 (sequence 4)
Language
German
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den benachbarten Kamanten, die ebenso wie die Falaschas streng, den Sabbat halten und Moses als den größten Propheten verehren, schneidet sogar der Priester dem Sterbenden den Hals ab, weil sonst nach Ansicht der Kamanten die Seele nicht in den Himmel kommen kann. Nach Auffassung des Judentums ist solche Handlungsweise als eine Mordtat zu verurteilen, Trotz diesem heidnischen, dem Geiste des Judentums völlig widersprechenden Brauche sind die Kamanten strenge Monotheisten und verabscheuen wie die Falaschas jeden Bilderkult. Wie es bei den meisten Primitiven üblich ist, scheren sich beim Todesfall die leidtragenden männlichen und weiblichen Verwandten unter den Falaschas die Haare, reiben sich das Gesicht wund und blutig. Diese Sitte war aber bei den Juden streng verboten (vgl. Scheftelowitz, Die altpersische Religion und das Judentum, 167 f.). Schon diese Bräuche deuten darauf hin, daß die Falaschas ebenso wie die Kamanten, die echte Neger und anthropologisch ein Stamm der Agau sind, zu einer Art Monotheismus bekehrt worden sind, der einen besonders jüdischen Anstrich hat. Folgende Momente machen es wahrscheinlich, daß die Missionare griechisch sprechende, wohl alexandrinische Juden gewesen sind. Gerade Alexandrien bildete im ersten Jahrhundert das Zentrum der jüdischen Missionsbestrebungen. Den Messias, den die Falaschas erwarten, kennen sie nur unter dem griechischen Namen Theodoros1. Der hebräische Ausdruck Schabbat (Sabbat) ist ihnen gänzlich unbekannt, sondern sie nennen den wöchentlichen Ruhetag Saribai. Nun steht es fest, daß in den ersten Jahrhunderten n. Chr. griechische Juden und Christen statt cfdßßazov (sabbaton) auch die Ausdrücke sambata> saribata gebraucht hätten, wovon die inschriftlich belegten Namen Zaj1ßdz10<:1 Savßdxtos, lat. Sambatius abgeleitet sind. Auf die griechische Form Sambata (Sabbat) gehen auch altslav. sqftota, rum. sambata, magyar. szombat, got. sambata zurück2. Auch der bereits im 1. Jhdt. n. Chr. belegte Name des Flusses, welcher nach der jüdischen Sage an allen Sabbaten still steht, trägt den gräzisierten Namen פבטיון (sabbaiion), סמבטיון (sambation), סנבטיון (saribation), vgl. B. Sanh. 65b, Pesiqta R. P. 23, Jer. Sanh. c. 10, Bl. 29c. Den Falaschas ist die hebräische Sprache völlig fremd. Selbst die gewöhnlichen hebräischen Bezeichnungen auf dem Gebiete des Kultus wie Britmilah, Mazzä, Ghämez, Schechita, koscher, terefa, Schacharit, Mincha, Maarib sind ihnen unverständlich. Es ist ausgeschlossen, daß sie je des Hebräischen mächtig gewesen sind, da sie ja niemals wie die Juden Chinas von dem Verkehr mit den Juden des Auslandes abgeschlossen waren; denn an der gegenüberliegenden arabischen Küste am Roten Meere wohnen seit dem 1. Jhdt. n. Chr. die arabischen Juden, die stets die jüdischen Religionsschriften sorgsam gepflegt und bis auf die heutige Zeit überliefert haben. Handels- Beziehungen zwischen Abessinien und Südarabien haben nun immer 1 Ebenso die abessin. Christen (vgl. Bassets, Les Apocryphes 6thiopiens XI, 1909, 4 ff.). 2 Vgl. W. Schulze, Zeitschr. f. vergl. Sprachforsch. 33 (1895), 383 ff., ferner mittel pers. g ambat (F, W. K. Müller, Handschriftenreste II, 1904, 34), np. ganbid.

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