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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 208

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Die Genuß-Symbolik in den rituellen Bräuchen
Date
1923-01-01
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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Der Brauch, in der Sabbatnacht nach ,dem Tischgebete den Becher mit e t w a s W e i n und ein Stück von dem B r o t e (nicht ein ganzes Brot) auf dem T i s, c h e z u las s e nsoll symbolisch den Ueberfluß vom Sabbat auf die Woche ausdehnen. Es liegt hierin offenbar der Gedanke Sanh. ■92 ״Wer nicht Brot auf seinem Tische übrig läßt, sieht nie ein Zeichen des Segens“. Vielleicht hängt damit der andere Brauch zusammen, das Salz vor dem Tischgebet wegzunehmen. Kizzur sch’lo meint, man solle es stehen lassen 1. Am Sabbat, legt man mit Bezug auf das Manna, von dem es heißt2 3 ״ לחם משנהein doppeltes Brot“, zwei Brote auf den weißgedeckten Tisch und deckt die Brote (Barches®, Challes) ebenfalls zu (Barchesdeckchen). Auch diese Symbolik geht auf das Manna, von dein es heißt*: ״es war eine Lage Tau...... und es kam herauf eine LageTau“, zurück, ist also למן *Dt (ibnjarchi), das oben und unten vom Tau bedeckt war. Dagegen wendet sich Abudram (S. 96) mit dem Einwand, daß man dann auch an den Wochentagen den Tisch bedecken mußte, und begründet sie nach dem Jerusalmi im Wege des Gleichnisses: ״ ,בדי שלא יראה הפת בושתוdamit das Brot seine Beschämung nicht sehe“, denn von Rechts wegen müßte man zuerst über das Brot den Segen sprechen und dann erst über den Wein; denn es ist Dt 8* zuerst genannt, und was im Verse zuerst steht, sollte auch hinsichtlich des Segenspruches an erster Stelle kommen 5. An Pessach bleiben die M a z z o s, während man die Hagada liest, auf gedeckt, da sich vielerlei von der Hagaäa auf sie bezieht, i Ehe man die Barches anschneidet, fährt man mit dem M e s s e r um dieselben und macht einen 6חרק. Dieser Brauch hat eigentlich nichts mit der Symbolik zu tun, wird aber gewöhnlich als Symbol verstanden, daß die beiden Brote ein Ganzes darstellen. Kizzur sch’lo S. 25a, •R’mo z. St., Toldpth Esther II, S. 66b: Da wir am S3.bbat לחם משנה brauchen, so ist es nicht statthaft, ein Stück abzuschneiden, so lange man den Segen noch nicht gesprochen hat.;Darum macht man den חרק ins Brot, um zu kennzeichnen, daß man * K. soll*10 26a. 2 Ex. 16, 22; ferner Kolbo 52; kabbalistische Deutung iiu Sohar אמיר• u. Sch‘10 ,S. 139. 3 Zur Erklärung des Wortes ,,Barches“ möchte ich hier wiederholen, ./:w'as•.Abraham■ Tendlau in seinem Buche ״Sprichwörter und Redensarten S. 347, Anm., sagt: ״Das bekannte Sabbathbrot, in Norddeutschland und Polen׳,Berches4 genannt, von Berachah, Bircath, Segen, weil der sabbathliche Segen darüber gesprochen wird. Die Ableitung des Wortes Datsche r oder auch T a t s che r ist ungewiß. Nach Einigen beruhen beide Namen, sowohl der mehr süddeutsche ,Datscher‘, als der norddeutsche ,Berches‘ auf den WortenSpr. Sal 1022. Birkas adonoj hi ta’aschir, ,Der Segen Gottes macht ׳ reich‘, welche Erklärung indessen, obgleich der Vers in Wirklichkeit vom Midrasch (Jalkus Mischle 547) auf den Sabbath bezogen wird, wohl mehr Andere erklären es durch D eu tsches Brot im Gegensatze zu Franz- (französ.) Brot. Wieder andere wollen es von einem aLtd. ,Datsch4 ableiten, welches im Süddeutschen eine gewisse Art Mehlspeise hezeichnet habe. Uns scheint es gerade mit dem französ. tarte, engl, tart, mittellat. und Italien, torta zusammenzuhängen, gedreht, gewunden, geflochten, und also ganz die Gestalt zu bezeichnen, indem das Wort ursprünglich Tartehe (wie Tortche) geheißen haben mag. —44 4 Ex. 16, 13, 14 Or. ch. 2718. 5 Vgl. Pri megodim 779; Kizzur sch’lo S. 81a. 6 Orach chajim 167 At.; sahow.

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