Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Genuß-Symbolik in den rituellen Bräuchen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
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207 AJs Aberglauben wird bezeichnet, wenn einem der Bissen Brot aus dem Munde fällt 1. , Man soll Brot nicht Werfen a, nicht auf die umgekehrte Seite legen. Wer Brot nicht schneiden kann, kann es nicht verdienen {Volksmund). Alexander dem Mazedonier brachte man ein goldenes Brot auf goldenem Tische3. Wer in Bann, Strafe oder Buße ist, bekommt spärlich Brot und Wasser, vgl. I Kg 2217. Brot mit Salz bedeutet einfacheLebensweis e 4 5. Beim Mozi machen taucht man Brot in Salz s. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Der Tisch des Menschen vertritt die Stelle des Altars im Heiligtume ®, das Brot die des Opfers, demnach mit Anwendung von Lev ^13 ״bei jeglichem Opfer bringe Salz״ — wird ׳zu dem Stücke von Mozi Salz getan. Remo z. St. Or. ch. 167, 5 und Kizzur sch’lo S. 41b führen folgenden Vergleich an. Der Altar schützte vor Strafe, das Salz als ״ ברית מלח מגין עליהםein Bund des Salzes״ (vgl. Lev 2^; II Chr 135), zum Brote genommen, hat die gleiche schützende Kraft. Kizzur schlo S. 25a: ,,R. Mexiachem schrieb: Wenn sich die Israeliten zu Tische setzen und auf einander warten, bis sie die Hände gewaschen haben, so sind sie ohne Mizwo und der Satan klagt sie darob an. Darum soll man eilends Brot und Salz auftragen, denn dann schützt sie ״B’rith melach״. (Tossaphoth פ״כיצד מביבץ.) Toldoth Esther II, S. 41b (Kommentar zu den Minhagim des Eisik Timau) erklärt die Sitte damit, daß die Leute früher das Brot ohne Salz gebacken haben, weshalb man zu dem Brote beim Mozi Salz gab, damit es schmackhaft wäre. Damit in Uebereinstimmung ist die Stelle Ber. 40a ״Der das Brot bricht, darf nicht eher anbrechen, bis man nicht jedem das Salz .gereicht hat״, ebenso Siddur Raschi S. 40, ferner Aruch s. v. בשש. Hat man dagegen ״ לחם יפהgutes Brot״, so bedarf es nicht des Salzes, wie Rachi zu Ber, 40a bei ״ פת נקיהWeißbrot״ ausdrücklich betont; *darum ist der Brauch, daß man am Erew Schabbos kein Salz zu Mozi nimmt, da man zur Ehre des Sabbat Weißbrot, das schmackhaft ist, verwendet, weshalb der Grund entfällt, Salz hinzuzutun. Ebenso ist der Sabbat ״אות״ Zeichen des Bundes, ist daher selbst Schutz vor Strafe, so daß auch nach dem vorhergehenden Grunde Salz als Zeichen des Bundes überflüssig ist. Es entsteht nun aber der Einwand, daß dann das Salz auch bei jeder Sabbatmahlzeit, und nicht nur am Freitagabend, fehlen müßte. Diesem begegnet Toldot Esther a. a. O. folgendermaßen. Esra hat den Genuß von Knoblauch am Sabbat ׳eingesetzt (B. k. 82a; dessen Wirkung auf den Menschen siehe ebenda). Salz hebt die Wirkung des Knoblauchs auf, weshalb das Salz am Freitag abend fehlen muß, hingegen am Sabbat selbst, wo Knoblauch nicht vorgeschrieben ist, seine Stelle finden kann (vgl. Or. ch. § 280). Kabbalistisch ist der Brauch, das Brot dreimal in; Salz zu tauchen. Die Erklärung desselben ist folgende. Der Zahlenwert des Wortes ״ מלחSalz״ ist 78. Der Gottesname hat den Zahlenwert 26, demnach 3 X 26 78 d. h. 7מלח ג׳הויות לניש הקליפות. Interessant ist auch der Hinweis, daß ״Salz״ und ״Brotמלח ״ und לחם die ,gleichen Buchstaben enthält. 1 Sanh. 65b. a Ber. 50b. 3 Tamid 32a. 4 Abot Bor. 44. 5 Or. ch. § 166. 6 Ber. 55a. 7 Kizzur sch’lo S. 21b.;