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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 206

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Die Genuß-Symbolik in den rituellen Bräuchen
Date
1923-01-01
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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wohl aber bezeugen sie für den Liebhaber und Forscher; der ־Bräuche eine Art geistiger Regsamkeit, die durch die verschiedensten Einflüsse erzeugt worden ist . Die Frage nach diesen Einflüssen und nach der Berechtigung der Bräuche und Sitten sei hier ausgeschaltet; lediglich als gegebene Tatsachen mögen die Riten einen Blick in die Volksseele erschließen. So gibt es eine Reihe von Bräuchen, die mit יוכר״' begründet werden, also eine bestimmte Erinnerung wachrufen sollen. Dadurch werden diese Bräuche Gegenstand der Symbolik, die ja darin besteht, daß ein konkreter Gegenstand oder eine Handlung etwas Abstraktes ״versinnbildlicht'״. Die Symbolik, die durch den Wortlaut der Bibel begründet ist, erstreckt sich nicht allein auf die in der Bibel genannten Symbole des Kultus, sondern hat sich in weit größerem Umfange in Uebungen und Bräuchen der Ueberlieferung festgesetzt. Hier wiederum ist das Gebiet des Genusses an sich grö& und interessant genug. Der Magen ist ein guter Erinnerer und das Essen eine gute Gelegenheit, die Gedanken in eine bestimmte Richtung zu lenken. Religiöse Feste und Akte stehen in Verbindung ^^1i;t.;■v,Sudothf^־ Mahlzeiten, d. h. mit Essen und Trinken. Dabei kann es leicht zu Ausschreitungen kommen. Man lese nur, was Kizzur sch’lo (S. 36b) gegen die Leichenschmäuse sagt, oder was andere Sittenlehrer voxbringen, daß die ״Hälfte für den Menschen"1 nicht ausarte. Die Symbolik soll dem Genüsse eine höhere Weihe geben, vom Irdischen entfernen und dem Geistigen nahebringen. So entsteht der Begriff von ״Sudath mizwa", daß man mit dem Genüsse und dem Mahle eine gottgefällige Tat vollbringt, wie umgekehrt Fasten, das Entziehen von ״Blut und Fett" dem Körper dem Opfer am Altäre gleichgestellt wird, wo Blut und Fett dargebracht wurde. Die 3 Mahlzeiten des Sabbates entsprechen den Stammvätern, die Mahlzeit nach dem Versöhnungstag wird mit Eccl 97 in Verbindung gebracht, die nach der Äuslösting des Erstgeborenen ist לפרטומי 0לתא, die nach dem Brith gilt als ״Sudath mizwa" usw. Es liegt immer die Absicht vor, den irdischen Genuß zu vergeistigen, zu einer ״religiösen Tat" zu erheben. Deshalb ergibt sich dem Beobachter eine eigene Symbolik des Genusses, die darin besteht, im Genüsse religiöse Gedanken und Empfindungen äuszulösen. Dem Nachweise dessen diene diese Zusammenstellung, die gewiß noch erweitert werden kann, die aber vielleicht einen Beitrag zur Symbolik des Judentums darstellt. Brot bedeutet Erkenntnis, K 1 u g h e i t. Die Frucht, von der Adam gegessen hatte, war Weizen, denn das Kind versteht nicht eher Vater und Mutter zu rufen, ehe es nicht den Geschmack von Getreide gekostet hat 2. — Eine sprichwörtliche Redensart für eipen dummen Menschen ist ״Dieser Mensch hat nie Weizenbrot gegessen"3; Brot am Morgen macht den Toren klug4. — Ferner bedeutet es Lebensunterhalt. Das Männliche (Sbchor) wird gedeutet 1ה כל — Der hat Brot in seiner Hand5; Wer;Brot von Israelißt, hat den Geschmack des Brotes gekostet, wer Brot von Israel nicht gegessen, hat den Geschmack des Brotes nie gekostet 6. 1 Der Feiertag soll ״zur Hälfte für Gott, zur Hälfte für den Menschen6* bestimmt sein. 2 Ber. 40a, Sanh. 70a. 3 Ber. r. 17a. 4 B. m. 107a. 5 Nidda 31b. 6 Sanh. 104b.

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