Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Notizen zur Archäologie
Date
1923-01-01
Page
Seite 196 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829915-2829919-2831863--45390-2831929
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 u e n t b l ö 3 e n. Krauss bespricht nun in breiter,. Ausführlich keit den gar nicht zur Sache gehörenden Inhalt der Mischna, diesen entscheidenden Schluß aber unterdrückt er! c) Richtig ist es, daß in der Mischna Kethuboth nicht מגילה, sondern פרוע steht; desto schlimmer für Krauss’ Einfall. Denn es ergibt sich daraus, daß selbst פרע hier nur ״entblößt" bedeuten kann, wie aus der zugehörigen Ausführung im Talmud unzweideutig hervorgeht. Es wird nämlich die Frage erörtert, ob noch פריעת ראש vorhanden ist, wenn die Frau ihr Haupt mit ihrem Handarbeitenkorb bedeckt. Rabbi Jochanan — derselbe R. Jochanan, dem Krauss in wohlwollender Herablassung das Zeugnis eines ״verläßlichen Mannes" auszustellen geruht —־ entscheidet für gewisse Fälle in erleichterndem Sinne1. Nach Krauss wird nun gefragt, ob noch ״aufgelöstes Haar" vorhanden ist, wenn sie den Korb auf dem Kopfe trägt. Aber dies darf man den Talmud nicht fragen lassen. Ein neugeborenes Kind weiß, daß ungeordnetes Haar ungeordnet bleibt, selbst wenn man einen amerikanischen Reisekorb auf dem Kopfe trägt. Und R. Jochanan — dem man einen gewissen ästhetischen Sinn nicht absprechen kann2 ־־־־׳ kann nicht behaupten, daß zer- , zaustes, verwildertes Haar durch den Korb das Aussehen einer wohlgeordneten Frisur erhält. Die Frage kann also nur den Sinn haben, ob das Bedecken des Haares mit einem Gegenstand, der nicht zur Kopfbedeckung bestimmt ist, als Bedeckung zu betrachten sei. Also bedeutet פרוע in der fraglichen Mischna Kethuboth ״entblößt"3. d) Ob die Uebersetzung von מכיסה mit ״frisiert" ungeheuerlich ist oder nicht, mögen andere entscheiden, Uebrigens begnüge ich;vrijich:. mit ״■־unrichtig".; ־ e) In der Stelle Aboth de R. Nathan und Gen. r. werden durch-; wegs Ersehe und Gewohnheiten des Alltags gedeutet, folglieh ist auch das Bedecken des Hauptes der Fr au eine alltägliche Gewohnheit. Krauss nun übersetzt ״ מכיפהgleichsam bedeckt". Aber mit solchem ״gleichsam" kann man das Krümmste gleichmachen und jedes Wort in sein Gegenteil umwandeln. Ich frage, ob es zulässig ist, mit alten ■Kethuboth 72b. Jerusch, das. VII 5 3lb: ״R. Chija im Namen von E. Jochanan sagt: Die Frau, die mit ihrer Perücke (oder Haarbinde) ausgeht, Übertritt nicht das Verbot von ראשה פריע. Das gilt aber nur für das Ausgehen in den Hof. Wenn sie jedoch damit in das Gäßchen ausgeht, so gibt es dabei das Verbot von ראשה פרוע.“■ Der Text: ר׳ חייה בשם ר׳ יוחנן הייוצאה בקפלטץ שלה אין בה משום ראשה פרוע הדא דתמר לחצר אבל למבוי יש זה משום יוצאה וראשה ־ ״ . ♦פרוע ' 2 Vgl. Berachoth 20a, Baba Mezia 84a, Sab. 113a, Baba Kama 91b, Synhedrin 94a. . 3 Maimuni, Mischne Torah, Ischuth XXIV, 11: ושער ראשה גלוי. — Im; Talmüdischen bedeutet überhaupt ״ פרעentblößen66, ״freilegen66. So heißt die Freilegung der Eichel bei der Beschneidung פריעה. Vgl. noch Chullin 19a, 30a, 50b, 76a f, 91b. Vgl. auch Berachoth 62a, Joma 77a, Kidduschin 72b. Besonders wichtig ist ״ פריעה הראשEntblößung des Hauptes“, Moed Katon 24a. Vgl.:nocdi besonders folgende Stelle: ״Die Völker der Welt, wenn sie eine königliche Urkunde lesen, entblößen ihre Häupter פורעין את ראשיהם. Israel aber rezitiert das Schema, ohne das Haupt zu entblößen לא פורעין י■.את ראשיהם :—. Pesikta; ed. Buber 77a, b, Lev. R. XXVII, 6. Tauchuma ^Emor § 10, ed. Buber § 13..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.