Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Notizen zur Archäologie
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 2)
- Language
- German
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Hilfsvermutungen er zu Hilfe rufen muß, um sich selbst zu suggerieren, daß er den Schatten eines Anhaltspunktes für seine Vermutung gewonnen hat, in seiner Archäologie aber stellt er diese Vermutung kurz als blanke Tatsache hin. Krauss meint, dies sei seine Methode, von der er nicht lassen wolle. Nun, Polizeigewalt steht mir nicht zur Verfügung, aber merken wird man sich dieses sein Geständnis. Krauss gibt nun zu, daß von seiner Angabe im Talmud nichts steht; bald darauf aber meint er, ich müßte mich mit meinem ,,sonderbar“ an die Adresse des Talmuds wenden. Das heißt: erstens ist überhaupt kein Löffel gestohlen worden, zweitens hat mein Nachbar den Löffel gestohlen, nicht ich. Zu dieser glücklichen Verteidigung paßt es allerdings vorzüglich, daß Krauss erklärt, mit mir nicht rechten zu wollen. Sehr gnädig! Aber ich lasse mich durch diese Gnade nicht bestechen und gehe an die Beleuchtung des zweiten Punktes seiner Verteidigungsklage. Ad 2. (Kopfbedeckung der Frauen.) Das Problem selbst kann natürlich hier nicht behandelt ,werden; ich kann daher nur auf die von Krauss hier berührten Stellen eingehen. a) Die Stelle in Num r.1 will den Zusammenhang zwischen Num 2029 und 21! — Tod Arons und Ueberfall des Königs von Arad — erklären2: Als Aron starb, entfernten sich die Wolken der Herrlichkeit; daher wurde Israel, seines sichtbaren Schutzes entblößt, den Angriffen seiner Feinde ausgesetzt, wie eine barhäuptige Frau, die des Schutzes der guten Sitte beraubt und daher der Anfechtung preisgegeben ist. Dieser Zusammenhang wird in Num r. selbst einige Zeilen nach der von Krauss zitierten Stelle und häufig in anderen Quellen3 ausgeführt. In zwei Quellen heißt es ausdrücklich, daß beim Tode Arons die Wolken der Herrlichkeit sich entfernten und Israel entblößt wurde4. Nach Krauss aber sagt die frag״ liehe Midraschsteile: Israel wurde deshalb mit Krieg überzogen, weil die (nicht vorhandenen) Wolken wie eine verwilderte Frau aussahen! Diesen schlechten Witz hätte sich Krauss ersparen können, wenn er die Stelle im Zusammenhang gelesen hätte5. b) In der fraglichen Mischna Baba Kama sagt R.. Akiba zu dem Manne: ״Du mußt zahlen. Wenn jemand sich selbst verletzt, obwohl er es nicht darf, so ist er doch von der Zahlung einer Strafe frei, andere aber, die ihn verletzen,, sind strafpflichtig“. R. Akiba bezeichnet also das Entblößen des Hauptes seitens der Frau als unerlaubte Selbstverletzung ( Selbstbeschämung); folglich ist es für die Frau eine Schande, ihr Haupt 1 Auch Tanchuma 18 § הקת. 2 ויראו כד.העדה כי נוע אהרן, מה כתיב אחריו וישמע הכנעני מלך ערד. 3 Tosefta Sotah XI1, Sifre Num § 82, Rosch ha־Schanah 3a, Taanith 9a, Jerusch. Joma I 5, 38b und Sotah I Ende 17c, Pesikta ed. Buber 138a, Seder Olam r. Kap. 9, Tan. 18 § הקת (ed. Buber § 42), Jonathan Num z. St., Rasch! z. St. 4 Rosch ha-Schanah und Taanith a. a. 00. Vgl. Raschi, Tosafoth und R. S. Edels z. St. 5 Dann hätte er auch den Hinweis in מכורת המדרש verstanden, der sich natürlich nicht auf einzelne Ausdrücke bezieht, sondern auf die Gesamtausführung, die — wie wir gesehen — tatsächlich in Jerusch. Sotah I steht.