Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Archäologische Notizen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 6)
- Language
- German
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י v 191 ״schamlos“ angesehen. Die Mischna Kethubb. 76 zitiert Aptowitzer falsch; dort steht nicht וראשה מגולה, sondern וראשה פרוע, was nur heißt : mit aufgelöstem Haare. Vgl. M. Kethubb. 2!0 denselben Ausdruck וראשה פרוע, was dort als Zeichen gilt, daß die Betreffende als Jungfrau in die Ehe gegangen ist. Die Frau nun, die den ״jüdisehen** Brauch Übertritt, tut das nicht, indem sie etwa ohne Kopfbedeckung geht, sondern, daß sie, gleich einem Mädchen, in wallendem Haar einhergeht. Vgl. die weitere Ausführung in Talm. Areh. 1^0, Anm. 871. Ich habe allerdings (T. A. 1190) gesagt, daß der Mann gegenüber der Frau mit der künstlichen Haarfrisur typisch als unbedeckten Hauptes lebend (ראשו מגולה) gelten kann; zu dieser Sprache bin ich gezwungen, weil doch andererseits feststeht, daß sich viele Männer bedeckten Hauptes trugen. Und nur in diesem Sinne, so sage ich weiter, (das. 195), heißen die Frauen מכסות ראש, denn nach guter Sitte sollten sie sich vor anderen Leuten nur mit geordnetem Haar zeigen. Diese Behauptung ist nicht so ״ungeheuerlich“, wie Aptowitzer meint. Sobald das Typische, gewissermaßen der Geschlechtsunterschied zwischen Mann und Frau besprochen werden soll, kann ja gar nicht von der wandelbaren Mode des Tragens oder Nichttragens einer Kopfbedeckung die Rede sein, da man leicht auf Völker und Zeiten stoßen kann, wo die Voraussetzung nicht stimmt. Aptowitzer hält mir die Stellen Gen. R. 178 und Aboth RN Rec. 2 c. 9 p. 13ä entgegen; die Antwort s. in Talm. Arch. 1658, Anm. 8801. Die Frau hat Grund zu trauern, also wird der von der Natur gegebene Umstand, daß sie durch ihr langes Haar den Kopf gleichsam bedeckt trägt, geistreich dahin gedeutet, daß das ihre Trauerhülle daxstellt; natürlich wird in dieser Beziehung auf die künstliche, zur Eleganz gehörige Haartracht nicht gedacht. Daß das in Gen. R. mitgeteilte Gespräch nur Scherz sein soll, sieht man auf den ersten Blick; und wenn gefragt wird: warum muß sich die Frau parfümieren 2, so ist das ebensowenig ein ״Muß“, wie nach uns das Bedecken ihres Kopfes. Ein Muß ist nur, nach allem, was wir gefunden haben, daß sich die Frau ihr langes Haar frisiert, da sie sonst nicht für vollwertig angesehen wird. Nun meint aber Aptowitzer, die Frisur war nur fürs Haus da; für die Straße war eine schöne Kopfbedeckung nötig. Zum Malheur steht aber in M. Sabbat 6X במה אשה יוצאה da; also die Frau gehtausin der schönen Haartracht, die dort angenommen wird. Wie aus Sabbath 57a b — so führt Aptowitzer an — hervor^ gehen soll, daß nicht bloß, von Kopfbedeckungen der Frau die Rede, sondern ,,daß Sichtbarwerden des Haares eine Schande war“ — ist mir unerfindlich. Die Mischna spricht nur von Woll- und Flachsfaden, die das Haar der Frau Zusammenhalten; daß diese unterhalb 1 Zu der Stelle Pirke RE c. 14 s. jetzt G. Friedlanders engl. Uebersetzung, London 1916, S. 100. 2 Dem להתבשם in Gen. R. entspricht מתקשטת in Aboth RN (ohne צרייבה). Die erste Frage in Gen. R. מפני מה האיש יוצא פניו למטה, worin sich מ״ה nicht auskennt, ist durch das יוצא verderbt; in Ab. RN steht dieses Wort nicht (♦ .♦ ♦ מפני מד. האיש מסתכל באדמה) und gemeint ist die Situation בשעת התשמיש!