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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 189

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Archäologische Notizen
Date
1923-01-01
Page
Seite 189 (sequence 4)
Language
German
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mittels deren das Zeug beim Walken gespannt werden könnte. Der Walker durfte sich diese Ecken behalten, doch heißt es (b, Baba K. 119b oben), daß er nicht mehr als drei Stiche (ג׳ חובין) hineinbringen soll, da er sonst Unrechtmäßiges sich aneignen würde. Das Wort חוב leitet zwar Kohut (3, 330) aus dem Arabischen ab, aber richtiger ist es, mit Ben Jehuda (Millon 1459) zu sagen, daß das Etymon des Wortes uns unbekannt ist1. Nun wird aber bei Ben Jehuda unmittelbar vorher ein anderes חוב gebracht (aus b. Baba K. 81a חובו של אלן, so in ‘Arukh u. Mss., während Ausgaben איבו haben), wovon er ebenfalls sagt, daß er das Etymon desselben nicht kennt2. Ich denke jedoch, daß eins das andere erklärt. Letzteres חוב, opp. zu חוד daselbst, ist offenbar ein hervorstechender Teil des Baumes, etwa Zweigspitzen gewöhnlicher Art (ausgenommen ist der den Stamm fortsetzende mittlere Zweig), und die erste Bedeutung des Wortes mag ״Dom“, ״Spitzes“ sein; in dieser Beziehung ist nun חוב verwandt mit 3*0, das im Aramäischen das gewöhnliehe Wprt für Dorn und Strauchwerk ist (s, 'Arukh 4,179). Demnach erklären sich jene ״ ג1 חוביןdrei Stiche“ (Raschi franz. points) von selbst: die mit dem Dorn gemachten Stiche. Man vergegenwärtige sich die Situation: der Walker spannt das Tuch auf dem Rasen aus; was findet er leichter, als 2—3 Dornen, mit denen er im losen Rande des Tuches ein Loch macht, um einen Schleifen einzuziehen? In anderer Beziehung kommt dieses חוב meines Wissens sonst nicht vor. So sprechen wir auch im Deutschen von unseren Koniferen per ״Nadelhölzer“, mit der zu Tage liegenden Metapher: stichiges Blatt Nadel. Auch Nagel als Stich- .־und Bohrerwerkzeug hängt mit Fingernagel, wie er sich in der Natur findet, zusammen. 2. Die Frage der Kopfbedeckung der Juden beiderlei Geschlechts, aber ganz besonders die der Frauen, ist aus bekannten Gründen oft behandelt worden3. Auch ich mußte die in Betracht kommenden Stellen in Erwägung ziehen und sagte, daß die ungemeine Sorge für die Haartracht, der wir auf Schritt und Tritt begegnen, erkennen lasse, ״daß sich die jüdischen Frauen keineswegs bedeckten Hauptes trugen (Talm. Arch. 1196)4. Dieser negative Schluß klingt doch, so glaube ich, anders als der von Aptowitzer (in demselben Aufsatz MGWJ 67, 67) angegriffene Satz Windfuhrs ״die j. Frauen gingen gewöhnlich barhäuptig“. Nach sorgfältiger Erwägung der Stellen glaubte ich mich berechtigt zu der Behauptung, daß eine durchwegs geforderte Kopfverhüllung der Frau in den rabbinischen Quellen nicht zu erweisen sei. Nun behauptet aber Aptowitzer, daß schon aus der Mischna Baba K. 84 hervorgehe, daß eine Frau, die ihr Haar entblößt, als schamlos gilt. Aber es stehen in jener Mischna zwei Ausdrücke: פרע und גלתה. Der erste Satz besagt: ״Wenn einer einem Manne den Tallith abstreift (הצביר) oder einer Frau das Haar 1 Man könnte es am Ende mit חוי& עוב =־ חוב Hohles, Behälter zusammenstellen, und es wäre das Loch gemeint, das den Schleifen aufnimmt, aber der Ausdruck 'ולא יטיל בו יוהד מג״ ח verlangt etwas, was fest ist und in das Zeug gesteckt wird. 2 Raschi z. St. bringt zwei Erklärungen, die zweite im Namen der Geonim. 3 Neuestens z. B. S. Gar leb ach, Haarverhüllung des j. Weibes, in Hoffmann-Festschr. 454—459. 4 Die Seitenzahl 169 bei Aptowitzer ist falsch.

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