Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Archäologische Notizen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 3)
- Language
- German
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188 Prozedur Exod 216“. Das will sagen : diese Dinge werden nicht ausdrücklich als Werkzeuge des Schusters genannt, können aber gefolgert werden. Wenn es das ist, was Aptowitzer ,״sonderbar“ nennt, mag ich mit ihm nicht rechten; ich bleibe schon bei dieser Methode. Hat doch der Schuster (לוצק, eigentlich Riemer) den Namen von seinem Werkzeug 1מרצע, also, ist dieses Ding als Werkzeug des Schusters anzusprechen, und so kannten es auch unsere Talmuderklärer. Da aber in alten Zeiten ein jeder sein eigener Schuster war, so hatte eben ein jeder eine Pfrieme im Hause, und dieses wird eben in der Thora und in der Halakha vorausgesetzt. Die letztere dehnt das auch auf Gräte, Dorn und Glas aus; ja auch קרומית של קנה Schilfrohrschneide und Schreibstift gelten als solche Werkzeuge (s. Talm. Arch. a. O.), so daß man sieht, daß die Halakha, mit Recht, mit allen möglichen, damals gewiß gangbaren, Schheidewerkzeugen rechnet. Uebrigens heißt es in der Halakha (Hullin 15b, Kidd. 56b) auch in Bezug auf eine für den Juden sehr wichtige Sache: ״Mit allen Dingen darf man schlachten: mit einem scharfen Stein, mit einem Glas, mit einer Schilfrohrschneide“ — und wenn das ״sonderbar“ ist, so ist der Talmud schuld daran, und Aptowitzer hat sich an jene Adresse zu wenden. In unserem Falle kommt noch hinzu, daß ausdrücklich gesagt wird, daß die Schuster (רוצלנין) am Halbfeiertag eine gewisse grobe Naht (מכלבין) gemacht haben (j. Moed K. I, 8,80d); wie wäre es nun, wenn diese Art Nähen gerade durch die von uns genannten Werkzeuge: Gräte, Dom, Glas, Schilf etc. gemacht worden wäre?2 Der Tradent dieser Sache ist R. Jochanan, gewiß ein verläßlicher Mann. Daß es R. Jochanan ist, schließt nicht aus, daß wir auch an frühere Zeiten denken, u. z. an die Pilgerfahrten zur Zeit des Tempels, wo es gewiß zu den häufigen Vorkommnissen gehörte, daß das Schuhzeug der Wallfahrer zerrissen war und in den Halbfeiertagen repariert werden mußte: es kommt nun diesen Dingen eine gewisse Wichtigkeit zu. Dieselben Wallfahrer werden auch unterwegs, wie auch heute noch viele Wanderer, in die Lage versetzt worden sein, ihr Schuhzeug mit primitiven Mitteln, wie sie sie eben zur Hand hatten, auszubessern, und man kann nicht sagen, daß diese Angaben nicht zum Leben gehörten und ״sonderbar“ erscheinen. Der Gesichtspunkt, daß die Prozedur mit dem hebr. Sklaven etwas ist, was mit der gewöhnlichen Haushaltung zusammengeht, scheint mir darin angedeutet zu sein, daß ein Tanna die Sache u. a. mit den Worten kommentiert: ״Was ist Türe und Pfosten anders als alle anderen Hausgeräte“ (כלים שבבית, b. Kidd. 22 b, zitiert auch von Raschi zu Exod 216) usw. Denselben Begriff — Hausgerät — nehme ich auch für das Werkzeug in Anspruch, das bei der Prozedur genannt ist. Es sei mir gestattet, hier etwas nachzuholen, was in Talm. Arch. fehlt. — Der Erzeuger eines gewebten Tuches pflegte in das Zeug durch eine Nadel an zwei, drei Stellen Schleifen zu stecken, 1 So die erste Erklärung in Arukh ed. Kohut 7, 298; die zweite Erklärung geht von .־= דצועד Riemen aus. a Den eigentlichen Sinn von כלב kennt man nicht; s. übrigens Talm. Arch. ln*.