Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 14)
- Language
- German
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meinde der Kinder Jakobs ist, so bedeutet die Frucht einer der י artigen Selbstbesinnung doch e twas an der es, als nur die Sonderart einer religiös gefärbten Weltanschauung, einer gedankenmäßig ausgebauten Auffassung vom höchsten Wesen. Diese letztere könnte als jüdische Antwort auf die von der Menschheit schlechthin aufgeworfenen Fragen nach Sinn und Ziel des Lebens gelten und im Wettbewerb mit christlichen oder buddhistischen oder philosophischen Lösungen sich als die wahre, im Sinne metaphysischer Erkenntnis wahre, behaupten oder gar obsiegen. Daß der Gehalt und die historische Entwicklung des Judentums ihm das Recht gibt, auf dem Kampfplatz der religiös philosophisch formulierten Systeme zu erscheinen und seine Antwort auf die letzten Probleme als die Antwort auszugeben, unterliegt keinem Zweifel. In diesem Sinne tritt es unter den anderen Religionen auf. Die Frage ist nur, ob diese Auffassung seiner Natur als einer Weltanschauung, die gleichsam nur zufällig auf die Menschen eines Stammes begrenzt geblieben, seinem wahren Wesen gerecht wird, ob die jüdischen Bestrebungen in dem Grundsinn dieser Religiosität eingesenkt sind, welche das Judentum als eine Art metaphysisch ethischer Ansicht über Gott und Welt darstellen. Wir halten diesen Weg nur für einen Nebenweg. Die Hauptstraße der Erkenntnis von dem Wesen jüdischer Frömmigkeit muß vielmehr sich an der fundamentalen Tatsache orientieren, daß jüdische Religion nur von Menschen jüdischen Stammes bekannt wird. Welche Folgerung ist daraus zu ziehen? Die extremen Nationalisten unter den Modernen sind so weit geschritten, in den unmittelbar als solchen empfundenen Aeußerungen der Frömmigkeit in Symbolen, Zeremonien, Handlungen, Speise- und Kleidungsvorschriften, durch historische Erinnerung ausgezeichnete, feierlich begangene Tage, im geheiligten Recht des jüdischen Gesetzes die Ausdrucksformen des nationalen Lebens zu sehen. Damit ist zu wenig oder zu viel gesagt. Sehr wenig, eine platte Selbstverständlichkeit, wenn darauf hingewiesen werden soll, daß die religiöse Gestaltung wie jedwede Manifestation menschlichen Innenlebens immer mehr oder weniger sichtbar die Eierschalen ihres Ursprungs an sich trägt, daß natürlicherweise die Seele einer bestimmten stammlich umgrenzten Gruppe sich in ihren Schöpfungen und Leistungen darlegt. Daß die jüdische Religion ein Werk jüdischer Menschen ist und als solches den Stempel von deren Wesen trägt, das ist keine Weisheit. Aber oft liegt etwas ganz anderes in jener Behauptung drin, und zwar mehr, als man verantworten kann, sowohl nach der ethnischen, der subjektiven Seite hin, als auch in Rücksicht auf den objektiven Sinn des religiösen Gedankens überhaupt. Das jüdische Selbstgefühl charakterisierte sich niemals schlechthin als nationales. Das heißt, es empfand sich nicht lediglich als inhaltlich unbestimmter, nur seiner Funktion nach festgeprägter Rahmen zur Aufnahme aller möglichen kulturellen Inhalte, sondern es sah sich —. und zwar seine Eigenart wesentlich ausmachend — als erfüllt mit einem ganz gewissen klaren Gehalt, nämlich dem religiösen. Nur weil es diese religiöse Bedeutung sich allein in dieser ethnischen Begrenzung zuschrieb, weil es. des Glaubens lebte, auserwählt, allein