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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 163

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma
Date
1923-01-01
Page
Seite 163 (sequence 11)
Language
German
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163; : ■;■־ eigener Weise der menschlichen Seele aufzwingt, sich die Pforte zu ihr erbricht. Mindestens für die Stifter, für die Propheten und Gottesmänner, die Heiligen und erleuchteten Heroen wird das von den großen geschichtlichen Religionen gefordert und vorausgesetzt. Sie leben ja von dieser Bedingung. Das ist ihr Kern, das wesenhafte Erlebnis der von ihnen erfüllten Persönlichkeiten. Das aber ist, an sich beurteilt und der natürlichen Erfahrung gegenübergestellt, also in Rücksicht auf die Erkenntnistheorie der Religion betrachtet, als mystisch in dem gleichen Sinne wie oben bei der in engerer Bedeutung so heißenden Erlebnisart zu charakterisieren. Während aber bei der eigentlichen Mystik alles natürliche Weltsein in diesen Kern hineingezogen wird und so folgegerecht ein absoluter Akosmismus das Ergebnis ist, der seinen metaphysischen Ausdruck eben in irgendeiner Form von Pantheismus findet, kann die in der Transzendenz gegründete Religion, das heißt die Anschauungs- und Erlebnisweise, welche die Selbständigkeit und Eigengeltung natürlichen Seins anerkennt, die Erfahrung des Göttlichen nicht als isoliertes Moment in der Seele bestehen lassen, sondern muß nach der Art des prophetischen Dualismus in der durch den Einstrom der göttlichen Kraft auf das bloß naturgegebene Leben bewirkten Heiligung und Erhöhung des irdischen Seins den eigentlichen Sinn des Religiösen erblicken. Für die praktische Frömmigkeit wird es nun zur Hauptsache, wie sie in der irdischen Welt das natürliche Denken und Trachten mit dem in jenseitiger Schau kennengelemten Heiligen durchflicht und Gottes Wunder in der sonst wunderleeren Welt schaut. Aber die Grunderfahrung dieser Religiosität, das, was sich ihr als Offenbarung, als ein Quellen von jenseitiger Wirklichkeit her schenkt, ist in nichts von demjenigen der echten Mystik verschieden. Man kann den Ausgang von wissenschaftlichem Bewußtsein oder vom Quellpunkt des Religiösen her nehmen. Immer kommt man zum Ergebnis gegenseitigen Ausschlusses; denn angenommen, die Gottesbeweise, an denen Jahrhunderte gearbeitet, mit denen das wissenschaftliche Gewissen von Jahrhunderten völlig zufrieden gewesen, wären logisch wahr; angenommen, es sei mit den Mitteln der Erkenntnis die Existenz eines höchsten Wesens auf gezeigt, eine persönliehe Wesenheit, in welcher die Unendlichkeit von Kraft, Weisheit und Liebe sich vereinigte, eines Geistes, von dem das Universum in seiner Entstehung und Erhaltung abhinge, womit also der Begriff dessen, was das Wort Gott bezeichnet, erfüllt wurde, hätte dieser auf philosophischem Wege gefundene Gott die Kraft, das zu geben, was die Seele des Frommen verlangt? Oder liegt es nicht gerade in der Natur des von dem frommen Herzen gesuchten Gottes, daß sein Sinn nur getroffen ist, wenn er nicht bewiesen, sondern offenbart ist? Denn im Innewerden der Offenbarung des Göttlichen birgt sich die Urerfahrung der Frömmigkeit. Die für ihn vorausgesetzte Transzendenz, das Unirdische seines Charakters, kann für den Menschen nur zur Bedeutung werden, wenn die Seele es als etwas Unirdisches von jenseits der Wirklichkeit Kommendes ergreift. Wie dieses bei den klassischen Heroen der Religion, den Stiftern und Propheten, den Gottesmännern und Heiligen zur Wahrheit wurde,

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