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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 162

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma
Date
1923-01-01
Page
Seite 162 (sequence 10)
Language
German
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Beschreibung unmöglich. Denn wie soll etwas beschrieben, wie‘auch nur in der Selbstbesinnung zu gedankenhafter vorstellungsmäßig ausgebreiteter Klarheit und Deutlichkeit erhoben werden, was seinem Wesen nach aus dem Rahmen einsichtig gestaltbarer und verständlieber Wirklichkeit herausfällt, was sich auf eine Sphäre eingrenzt/ die grundsätzlich der Gesetzlichkeit, das heißt aber der Begrifflichkeit des natürlichen Sinns entrückt bleibt? Erleuchtung als Akt kann nur einen mystischen Sinn haben, ist das Erlebnis der Einung mit dem Göttlichen; das ist in echter Bedeutung eine fieraßaav; ets äXXo ein Hinüberspringen in eine unbeschreibbare, ja sogar vom anderen Ufer her ewig unkonstatierbare Sphäre. Der Mystiker stammelt in Bildern von der unerhörten Herrlichkeit des unschaubaren göttlichen Glanzes, bei dessen Genuß ihm im wörtlichen Verstände Hören und Sehen vergangen ist und vergehen mußte. Oder er schweigt von dem wahren Leben, in dem er untergetaucht ist. Denn Stummheit ist die Sprache des Diesseitigen vom Jenseits. Das Schillernde und Doppeldeutige des Offenbarungsbegriffs tritt jetzt erst voll in die Erscheinung. Das Allerhellste ist das Allerdunkelste, das wahrhaftige Sein und Leben, von hier aus gesehen, das Verborgenste und Fragwürdigste. Wie soll man sich im Diesseits orientieren an einem Licht, das sofort erlischt, wenn es hier erstrahlen soll? Wie zum Trost ward das beschönigende Bild erfunden, daß das göttliche Licht die Augen blendet, weil sie irdische Augen sind, daß die irdischen Leuchten sich an der göttlichen entzünden und darum doch das Diesseits erhellen. Aber das ist bereits Flucht in die Zweiweltenlehre, in einen Dualismus, der das Diesseits, indem er es als Schatten des wahrhaft wirklichen Seins anerkennt, noch gelten läßt, während die Mystik es vernichtet, mag sie den Schein seiner Existenz erklären können oder nicht. Das ist Philosophie, Entgegen- Setzung von Idee und Phänomenon, aber nicht der Ursinn mystischen Gefühls, dem in seiner Erfüllung aller Hintergedanke daran fehlt, daß der Genuß des Einen und Wahren nur als Quelle der Kraft dienen soll, in der relativen Welt der Empfindungen und sinnlichen Begierden auszuharren und sich zurechtzufinden. Freilich bleibt hier noch zu rechtfertigen, mit welchem Rechte wir im Voraufgehenden mystisches und religiöses Erlebnis einsetzten. Man muß offenbar die Mystik im engeren Sinne als eine selbständige Form der Religion von dem dem frommen Bewußtsein eigentümliehen Grundtriebe unterscheiden, der seiner Natur nach mit dem mystischen Urerlebnis durchaus identisch ist, ohne dabei aber, wie es dort der Fall ist, das Ganze der Religiosität zu erschöpfen. Aber auch die Religiosität, für welche die Transzendenz des Göttlichen außer Frage,bleibt, muß, sofern ihr ein eigener Platz außerhalb der wissenschaftlichen Erkenntnis gesichert sein soll, eine eigene Bewußtseinsphäre, die etwas anders enthalten will als Erkenntnis und praktische Folgerungen, gruppiert um einen begrifflich gefundenen und formulierten Gottesgedanken, in der Selbstoffenbarung des Göttliehen wurzeln. Denn aus dem Selbstgefühl des Religiösen heraus wird gefordert, daß der Mensch auf einem besonderen nicht natürlichen Wege zu Gott kommen, oder vielmehr, daß das Göttliche sich in

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