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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 161

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma
Date
1923-01-01
Page
Seite 161 (sequence 9)
Language
German
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Sachlichkeit feststellenden und ־verbürgenden Sinneswahrnehmung, Erinnerung und urteilenden Betrachtung, gesichert werden kann, nivelliert es dem Wirklichkeitscharakter derjenigen Seinssphäre, aus der eben es sich herausheben soll, mit der verglichen es nur etwas schlechthin anderes, toto coelo verschieden zu Erlebendes sein kann. Indem die gewöhnliche Erfahrung die Brücke zum Uebergewöhnliehen schlägt, tötet sie die Wurzel seiner Kraft; denn das Wunder, das ein Faktum geworden ist, hat aufgehört, wunderbar zu sein. Diese Beweisführung wird nicht bestritten werden. Aber man könnte versuchen, ihrer Schlagkraft dadurch zu begegnen, daß man die absolute Rationalität jedwedes Seins als stillschweigende Voraussetzung anerkennt und nur innerhalb ihrer verschiedene Grade setzt, die eine gegenseitige Beziehung zulassen. Die Ueberhöhung einer ,,natürlichen“ und durch ,,natürliche“ Erkenntniswerkzeuge zu ergründenden Wirklichkeit durch eine übervernünftige und eben nur durch Offenbarung sich dem Menschen entschleiernde läßt ein solches Rangverhältnis durchblicken. Und selbst der Gedanke oder vielmehr Ungedanke eines Widervernünftigen ist ohne den Hintergrund einer irgendwie als rational geltenden Sphäre, von der sich sein Gegenstand abhebt, nicht zu fassen. Aber es fragt sich eben, ob der Ursinn des Religiösen sich überhaupt einen Rest von eigener Geltung bewahren kann, wenn er nicht auf jede Teilhabe an wissenschaftlicher Erkenntnis zu verzichten und außerhalb ihrer sich einen Bereich zu gründen weiß. Das kann nur bedeuten, daß man versucht, die weltanschauliehen Elemente, mit denen gewisse Religionen von Anfang an und alle in einem während ihrer Entwicklung sich steigerndem Maße verstrickt sind, von ihrem Wesen zu unterscheiden und dieses als ein Sondergebiet der Totalität des Seins überhaupt zu bestimmen, das in der konkreten Wirklichkeit freilich nur verflochten mit allen Elementen ,,natürlichen“ Lebens und selbstverständlich auch im Zusammenhang mit rationaler Weltbetrachtung und -deutung vorkommt. Wiederum muß uns hierbei die Einsicht in den Sinn des Offenbarungsgedankens leiten. Wir haben ihn bisher von dem Standort eines fertigen dogmatischen oder jedenfalls gefestigten Glaubens betrachtet, für den er Quelle oder Sicherung der Erkenntnis gewesen ist, die ihm Gottgefälligkeit und Seligkeit des Daseins verbürgt, sofern dieses sich nach ihr richtet. Das ist jedenfalls ein abgeleitetes Ergebnis, die Wirkung einer Erkenntnis, die Folge des Glaubens an eine transzendente Erleuchtung, aber nicht diese selbst, das unter dem unmittelbaren Eindruck der Offenbarung stehende Leben. Indem Judentum wie Christentum sich vor allem als Buchreligionen geben, als wichtigsten Besitz die Schrift darbieten, die Kristallisierung der in der Vergangenheit stattgehabten göttlichen Mitteilung, aber nicht diese selbst als jetzt gegenwärtiges Ereignis, ist ja das eigentlich und eigenartig Religiöse in den Hintergrund gerückt. Holt man es aus der Verborgenheit hervor und fragt nach dem Sinn des Erlebnisses der Offenbarung für den Erleuchteten selber, das heißt nach der Art und Weise des Bewußtseins, in welchem es sich abspielt, so ist naturgemäß eine präzise Antwort und adäquate

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